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AWO-Einrichtung in Bayreuth

AWO-Einrichtung in Bayreuth

Bildrechte: BR/Eckert, Niklas
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    AWO-Projekt: Pflege muss klimafreundlicher werden

    Wäsche waschen, Essen kochen, Heizen: Pflegeheime verursachen so pro Jahr und Bewohner etwa sieben bis acht Tonnen an CO2-Austoß. Jetzt wollen die Einrichtungen nachhaltiger werden - mit einem ehrgeizigen Projekt der Arbeiterwohlfahrt.

    Von
    Niklas EckertNiklas Eckert
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    Zur ersten Regionalfachtagung des Projekts "Klimafreundlich Pflegen" hat der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (CSU) eine Videobotschaft geschickt:

    "Pflege ist in der aktuellen Zeit anspruchsvoller denn je, deshalb gerät manchmal das wichtige Thema Klimaschutz in den Hintergrund." Thorsten Glauber (CSU) Bayerns Umweltminister.

    Das Projekt hat der AWO Bundesverband ins Leben gerufen und verfolgt ein großes Ziel: Alle Einrichtungen der AWO sollen bis 2040 klimaneutral sein.

    Heime entscheiden über Emissionen der Bewohner

    Organisiert hat die Online-Tagung Pia Distler vom AWO Bezirksverband Ober- und Mittelfranken. "Man denkt, es betrifft nicht so viele Menschen, aber ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland lebt in Pflegeheimen", erklärt die 26-Jährige. Es sind Menschen, die so gut wie keine eigene Entscheidung mehr darüber treffen, was sie eigentlich konsumieren. Das Essen wird für sie gekocht, die Wäsche gewaschen und die Heizung eingestellt. Das bedeutet:

    "Wir entscheiden darüber, wie hoch der CO2-Abdruck von den Menschen in unseren Einrichtungen ist." Pia Distler vom AWO Bezirksverband Ober- und Mittelfranken

    CO2-Abdruck der Heime noch viel zu groß

    Für sieben bis acht Tonnen im Jahr sind Bewohner von Pflegeheimen verantwortlich. Das ist etwas weniger als der bundesdeutsche Durchschnitt. Aber um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, muss der Ausstoß auf eine Tonne pro Person gesenkt werden – ein ambitioniertes Ziel. Um das zu erreichen, ermitteln die 90 Einrichtungen, die am Projekt teilnehmen, zuerst ihren aktuellen CO2-Fußabdruck. Wie viele Kilometer fahren die Angestellten mit dem Auto zur Arbeit? Wie viel Weichspüler wird genutzt? Wo kommt der Strom her? Fragen aus denen im nächsten Schritt konkrete Maßnahmen entstehen sollen.

    Ökostrom und Photovoltaik in Bayreuth

    Etwas weiter ist schon die AWO-Einrichtung in Bayreuth. Seit 2018 kümmert sich dort Marc Walther, Verwaltungsleiter des Heims, um mehr Nachhaltigkeit. Vor dem Gebäude stehen Elektrofahrzeuge und auf dem Gebäude ist jetzt die neueste Maßnahme zu sehen. "Die neue Photovoltaik-Anlage. Diese Woche wurde die letzte Solarzelle installiert", erklärt Walther. Der Strom kommt mittlerweile zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Protokolle werden digital geführt und sogar die Lieferanten achten auf weniger Verpackungsmüll. Maßnahmen, die auch das gesamte Personal mitträgt. Denn für Walther ist es vor allem wichtig, das Thema auch in den Köpfen der Mitarbeitenden zu verankern.

    Corona schadet auch der Umwelt massiv

    Trotzdem steht auch das Heim in Bayreuth vor einer großen Herausforderung, warnt er: "Das ist schon ein Irrsinn. Niemand spricht darüber, wie schlecht Corona auch für die Umwelt ist". Das Personal ist aktuell ausgelastet und Nachhaltigkeit bei Weitem nicht mehr das Wichtigste. Unzählige Plastik-Handschuhe und FFP2-Masken landen dazu jeden Tag im Müll. Und der Weg zur Klimaneutralität bleibt auch in Bayreuth noch lang. Trotz der Maßnahmen und Einsparungen stößt jeder Bewohner des Heims im Jahr laut Walther noch knapp unter sechs Tonnen CO2 aus. Trotzdem bleibt er optimistisch: "Wir haben das alles geschafft, mit nur kleineren Maßnahmen, die leicht umzusetzen sind."

    Ziele schwer zu erreichen

    Pia Distler ist aktuell noch skeptisch: "Ich finde das Ziel ganz ehrlich eher unrealistisch, aber auch weil die Politik noch viel mehr tun muss". Viele Heime hätten zu wenig Geld, um zum Beispiel bei der Verpflegung nachhaltiger zu handeln.

    Das Projekt "Klimafreundlich Pflegen" fördert das Bundesumweltministerium. Es soll ein großer Schritt in die richtige Richtung werden, trotz der schwierigen Lage in der Pandemie. Das betont Distler auch in ihrem Schlussappell an die Teilnehmer der Online-Tagung: "Bleiben sie weiter motiviert, auch wenn wir in der Pflege natürlich aktuell andere Probleme haben!"

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