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Autos müssen Rädern weichen - in der Münchner Fraunhoferstraße | BR24

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Nach dem Willen der Stadt München sollte in der Fraunhoferstraße endlich ein sicherer Radweg entstehen - eigentlich eine gute Sache. Aber die Umsetzung hat aus Sicht der Ladenbesitzer und Anwohner einen Haken.

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Autos müssen Rädern weichen - in der Münchner Fraunhoferstraße

Nach dem Willen der Stadt München sollte in der Fraunhoferstraße endlich ein sicherer Radweg entstehen - eigentlich eine gute Sache. Aber die Umsetzung hat aus Sicht der Ladenbesitzer und Anwohner einen Haken.

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Neue Verkehrskonzepte sollen vor allen die Städte entlasten. Die gute Frage dabei: Wie bekommt man die Autos aus den Ballungszentren? Wie schafft man mehr Platz für Fahrräder, Roller und öffentliche Verkehrsmittel?

Radfahrer begeistert, Anwohner entsetzt

Die Stadt München hat in einer viel befahrenen Verkehrsachse in der Innenstadt nun Fakten geschaffen. Nach einem Beschluss im Stadtrat Ende Mai kamen Ende Juli die Bautrupps und haben die Fraunhoferstraße umgestaltet. Heißt: Auf rund 300 Metern wurden alle Parkplätze für Autos aufgelöst und stattdessen zwei rot markierte durchgängige Radwege installiert. Das sorgt im Viertel für viel Aufregung.

Aus Sicht der Radler ist die Straße seit 14 Tagen ein Traum: breite Radwege, keine parkenden Autos - eine Art Schnellstraße für Zweiräder. Die Anwohner allerdings sind in der Mehrheit entsetzt.

"Als ich das erste Mal hier raus kam - ich habe gedacht, ich bin in einer Flugschneise. Also wirklich, als ob hier Flugzeuge landen könnten - oder ich wohne jetzt mittlerweile am Mittleren Ring!" Maja Muth, Anwohnerin

Gastwirte und Geschäftsleute wurden nicht informiert

Rund 150 Parkplätze sind durch die Maßnahme weggefallen. Parken vor der eigenen Haustür, um schwere Einkäufe heimzutragen - geht nicht mehr. Kunden oder Gäste der vielen Geschäfte und Kneipen können auch nicht mehr halten. Innerhalb von nur wenigen Tagen hat die Stadt die Straße einfach umgestaltet, beklagt der Wirt einer Traditionsgaststätte.

"Das ist so unglaublich: Wir haben nichts - keinen Hinweis, nicht mal eine Postwurfsendung - erhalten, in der man sagt: Ok, Leute, das und das steht an. Nichts! Überhaupt nichts!" Peppi Bachmaier, Gastwirt

Zugeparkte Anlieferzonen machen Ladeninhabern das Leben schwer

Geschäftsleute und Anwohner wollen eigentlich ein neues Verkehrskonzept mit unterstützen. Aber einfach zwei Radwege dahin zu legen, wo vorher Parkplätze waren - das sei kein Konzept, sagen auch die Kilians, die seit Jahrzehnten einen Schüsseldienst in der Fraunhoferstraße betreiben. Ihnen sei wichtig, dass die Parkplätze erhalten blieben - oder eben die Möglichkeit für Kunden, Ware abzuholen oder anzuliefern.

Im Zuge der Umgestaltung seien zwar Anlieferzonen versprochen worden, auch teilweise umgesetzt, aber nicht markiert. Entsprechend sind diese nun zugeparkt - und Geschäftsleute wie die Kilians haben das Nachsehen. Und selbst wenn der Lieferwagen in einer solchen Zone halten kann, sind manche Läden immer noch einige hundert Meter entfernt.

Keine Chance für Falschparker

Die Bezirksausschuss will das Konzept weiterentwickeln. Die Gehwege breiter bauen, Bäume pflanzen. Bis wann, ist aber unklar. Die neuen Halte- und Parkverbote überwacht die Stadt jetzt schon konsequent.

"Ich habe neulich gesehen: Hier sind 15 Politessen unterwegs. In Märschen gehen sie hier hoch und runter und schreiben jeden auf, um das zu stabilisieren, diese Unmöglichkeit. Also mir fehlen die Worte." Maja Muth, Anwohnerin