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Autokorsos bei Hochzeiten – das sind die Regeln | BR24

© BR/ Karen Bauer

Ein türkischer Hochzeitskorso hat am vergangenen Wochenende in München für Aufsehen gesorgt. Aber wie weit dürfen Hochzeitsbräuche gehen? Wer steckt hinter den Hochzeitskorsos? Und in welchen Fällen drückt die Polizei ein Auge zu?

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Autokorsos bei Hochzeiten – das sind die Regeln

Ein türkischer Hochzeitskorso hat am vergangenen Wochenende in München für Aufsehen gesorgt. Aber wie weit dürfen Hochzeitsbräuche gehen? Wer steckt hinter den Hochzeitskorsos? Und in welchen Fällen drückt die Polizei ein Auge zu?

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München am vergangenen Sonntag: Hupend, mit quietschenden Reifen und aufheulenden Motoren fährt eine türkische Hochzeitsgesellschaft durch die Stadt. Im Petueltunnel lassen einige Fahrer die Reifen durchdrehen, bis der Rauchmelder ausgelöst wird. Auf dem Opernplatz driften sie mit ihren Autos, bis der Gummi qualmt. Die Polizei prüft Führerscheine und Fahrzeugpapiere und ermittelt nun, sagt Sven Müller von der Polizei München.

"Die Verkehrspolizei ist an der Sache dran, das wird alles überprüft. Da muss man halt sehr, sehr individuelle Tatbeteiligungen prüfen, welches Auto zu welcher Zeit was gemacht hat. Und dann schauen wir mal welche Ordnungswidrigkeiten oder gegebenenfalls Straftaten da verwirklicht wurden." Sven Müller, Polizei München

Autokorsos auch in der Straßenverkehrsordnung

Die Straßenverkehrsordnung gibt auch für Autokorsos die Regeln vor: Hupen ohne Gefahr im Verzug, schnelle Fahrstreifenwechsel ohne zu blinken, dicht auffahren, ohne genügend Sicherheitsabstand einzuhalten, oder auf der Autobahn langsam fahren ohne Grund und so den Verkehr stauen: Das sind Verkehrsordnungswidrigkeiten, sanktionierbar mit Bußgeldern. Missbräuchliches Hupen kostet etwa eine Regelgeldbuße von fünf Euro. Wer über die rote Ampel fährt, muss 200 Euro zahlen. Für Geschwindigkeits-, Rotlicht- oder Alkoholdelikte sind Geldbußen im Höchstmaß von bis zu 3.000 Euro möglich.

Wann drückt die Polizei ein Auge zu?

Aber was ist mit relativ friedlichen Hochzeitskorsos, zum Beispiel auf dem Land? Von der Kirche ins Wirtshaus: Drückt die Polizei da ein Auge zu? Die Polizei habe Ermessensspielräume und müsse nicht immer zwingend einschreiten, sagt Sven Müller von der Münchner Polizei.

"In vielen Fällen reicht es auch, wenn wir intensive Belehrungsgespräche führen und mündlich verwarnen, was gerade auch bei Hochzeitskorsos immer wieder passiert", so Müller. Im Einzelfall könne gebührenpflichtig verwarnt werden. Aber das sei immer eine Einzelfallentscheidung der Beamten vor Ort. Das Einschreiten müsse in jedem Fall verhältnismäßig sein.

Kaum Beweisaufnahmen von Hochzeitskorsos

In den vergangenen 12 Monaten bekam die Polizei München in 34 Fällen Zeugenhinweise auf Hochzeitskorsos. Die Beamten rückten aus – doch in 31 Fällen war vor Ort nichts mehr feststellbar: "In der Regel dauern die Korsos nur kurz", sagt Sven Müller. In zwei Fällen konnte die Polizei Aufnahmen von Überwachungskameras aus Tunneln auswerten. Aber ohne solche Beweisaufnahmen muss die Polizei ihre Untersuchungen meist einstellen.

Hochzeitskorsos als türkischer Brauch?

Sven Müller von der Polizei München spricht von sogenannten "türkischen Hochzeitskorsos".

"Die Staatsangehörigkeiten der einzelnen Personen, die da mitfahren, können durchaus unterschiedlich sein, aber es werden immer auffällige türkische Flaggen mitgeführt und andere Fahnen sind uns bisher nicht aufgefallen." Sven Müller, Polizei München

Aber sind Autokorsos wirklich ein türkischer Hochzeitsbrauch? Besuch im Spiegelsaal – einer Hochzeitslocation im Münchner Stadtteil Johanneskirchen. Der Saal ist schon bestuhlt für die Feier von Nilüfer und Umut Altay – ein Münchner Paar mit türkischen Wurzeln. Diesen Samstag findet die große Hochzeit statt, erzählt Nilüfer: "Mit pompösen Kleidern und mit schöner Deko und sehr, sehr vielen Gästen – mehrere Hundert!”

© BR

Wochenende am Münchner Opernplatz: Eine türkische Hochzeitsgesellschaft fährt im Autokorso vor, einige Fahrer lassen ihre Autos mit quietschenden Reifen driften bis der Gummi qualmt.

Traditionen sind wichtig

Traditionen sind dem jungen deutsch-türkischen Paar wichtig: Bei der Verlobungsfeier im Rahmen der Familie trank der Bräutigam Mokka mit Salz – und bestand damit die typisch türkische Mutprobe. Die Handinnenflächen der Braut sind orange bemalt, von der Henna-Feier.

650 Gäste aus aller Welt haben Nilüfer und Umut eingeladen. Sie freuen sich auf die große Feier mit Freunden und Familie – aber einen großen Autokorso brauchen sie dafür nicht. Brauch sei eigentlich nur, dass die Familie des Bräutigams, die Braut zuhause abholt, erzählt die Braut Nilüfer. Und ihr Bräutigam ergänzt:

“Es ist schön und gut, dass man feiert und ein Korso im minimalen Rahmen ist natürlich schon dabei, aber man muss seine Grenzen kennen und auf die anderen Verkehrsteilnehmer Rücksicht nehmen.” Umut Altay, Bräutigam