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Autohäuser in der Krise | BR24

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Bayerns Wirtschaftskraft hängt maßgeblich von der Autoindustrie ab. Durch die Corona-Krise brauchen einige Autohäuser dringend Liquidität. Wer in der Vergangenheit auf massenhaften Verkauf gesetzt hat, steckt jetzt in der Klemme.

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Autohäuser in der Krise

Bayerns Wirtschaftskraft hängt maßgeblich von der Autoindustrie ab. Durch die Corona-Krise brauchen einige Autohäuser dringend Liquidität. Wer in der Vergangenheit nur auf massenhaften Verkauf gesetzt hat, steckt jetzt in der Klemme.

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Klaus Dieter Breitschwerts Vater hat das Autohaus kurz nach dem Krieg gegründet. Nun, während der Corona-Krise, mehr als 70 Jahre später, musste die Firma den Großteil der 120 Beschäftigten erstmals in Kurzarbeit schicken. Und schon jetzt steht fest: Das Geschäftsjahr ist so gut wie gelaufen, die Verluste sind kaum noch auszugleichen. Auf dem Hof stehen hunderte Fahrzeuge, doch panisch wird Breitschwert nicht. Seine Eigenkapitaldecke ist gut, sagt er. Und er hat sich in den vergangenen Jahren nicht übernommen.

„Ich gehe mit einem gewissen Grundoptimismus in die Zukunft. Wenn man solide gewirtschaftet hat, muss man eine solche Krise durchstehen.“ Klaus Dieter Breitschwert, Autohausbesitzer

Dabei ist die Situation für die Autohäuser schwierig, denn die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland ist im Mai gegenüber dem Vorjahr um die Hälfte eingebrochen, so das Kraftfahrtbundesamt. Die Leidtragenden dieser Statistik arbeiten in den Autohäusern. Doch nicht alle leiden unter der Kaufzurückhaltung der Kunden. Beim Autohaus Pillenstein in Fürth spielt der Verkauf von Neuwagen keine übergeordnete Rolle. Juniorchef Leopold Pillenstein hat schon früh auf die Werkstatt und das Geschäft mit Nutzfahrzeugen gesetzt. Er steckt in einer Sandwich-Position: Von oben drücken die Hersteller und pochen auf die Abnahme der vereinbarten Fahrzeugmenge, und dann sind da noch die Kunden, die immer höhere Rabatte einfordern. Wenn ein Händler dringend Geld braucht, muss er hohe Rabatte anbieten und zahlt dann drauf.

85.000 Beschäftigte in Bayerns Autohäusern und Werkstätten

Nicht alle Autohäuser können es sich leisten, die Wagen einfach länger auf dem Hof zu parken und an ihren Preisvorstellungen festzuhalten. Autohäuser, die in den vergangenen Jahren zu schnell gewachsen sind und nur auf die Absatzmenge geachtet haben, stecken nun in Schwierigkeiten, weiß Nürnbergs IG Metall-Chef Andreas Weidemann. Rund 85.000 Beschäftigte arbeiten in bayerischen Werkstätten und Autohäusern und für die seien Sicherheit und Verlässlichkeit wichtig, so Weidemann. Doch auch die Kunden brauchen die Sicherheit auch - und wer Angst um seinen Arbeitsplatz habe oder in Kurzarbeit ist, ist eher nicht bereit, ein neues Auto zu kaufen.

Feser-Graf-Gruppe verkauft fast 55.000 Fahrzeuge pro Jahr

Bei der Feser-Graf-Gruppe mit Sitz in Nürnberg arbeiten etwa 2.400 Beschäftigte. Das Unternehmen gehört zu den größten Autohändlern Deutschlands und verkaufte zuletzt fast 55.000 Fahrzeuge pro Jahr. Eine Interviewanfrage bleibt unbeantwortet, über die aktuelle Situation spricht man offenbar nicht so gerne. Experten gehen davon aus, dass die Feser-Gruppe Unterstützung vom VW-eigenen Kriseninterventionsteam bekommt, die über das normale Maß hinausgeht. Auf BR-Anfrage teilt Volkswagen mit:

„Die Marke Volkswagen Pkw hat gemeinsam mit der Volkswagen Bank ein umfangreiches Maßnahmenpaket geschnürt. Neben dem Angebot verlängerter Zahlungsziele, befristeter Krediterhöhungen und Ratenstundung für Zins und Tilgung haben wir auch Boni festgeschrieben, Prämien vorgezogen und Audits ausgesetzt.“ Volkswagen AG

Durchschnittliche Rendite nur 1,1 Prozent

Diese Maßnahmen kommen vor allen den Großkunden zugute. Kleinere Autohäuser, die schon vor der Corona-Krise in Schwierigkeiten steckten, kämpfen mit der in der Branche sehr niedrigen Rendite. Die liegt Insidern zufolge durchschnittlich bei gerade einmal 1,1 Prozent. Da könnte ein schneller Abverkauf – selbst bei hohem Verlust – zumindest für etwas Geld in der ansonsten leeren Kasse sorgen.

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