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Auto-Tuning: Lärmbelästigung durch extrem laute Autos | BR24

© BR/Doris Bimmer

In jeder größeren schwäbischen Stadt gibt es eine Tuner- bzw. Poser-Szene.

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    Auto-Tuning: Lärmbelästigung durch extrem laute Autos

    Aufgemotzte und PS-starke Autos mit röhrendem Auspuff. Sie machen einen enormen Lärm und sind für Anwohner der blanke Horror. Etliche dieser Autos, die die Polizei im Allgäu auf den Straßen entdeckt, sind nicht mehr legal unterwegs.

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    Von
    • Doris Bimmer

    Auf einer Webseite für Tuningfans wird folgendermaßen für einen Klappenauspuff geworben: Man könne in die originale Abgasanlage ein Klappensystem einbauen, um sie via Fernbedienung aufzumachen bzw. zu schließen, also lauter oder leiser zu machen. Im geschlossenen Zustand werde der serienmäßige Geräuschwert eingehalten. Markus Thumfart von der Verkehrspolizeiinspektion Kempten ist seit Jahren im Allgäu in der Tuner-Szene unterwegs. Er sagt, zunächst sei davon auszugehen, dass diese Anlage überhaupt keine Zulassung hat, weil die Firma dies sonst explizit erwähnen würde. Vermutlich werde die Anlage mit dem Argument verkauft, man wolle damit Showfahrzeuge ausrüsten, die nicht auf der Straße unterwegs seien, so Thumfart.

    Kick im illegalen Tunen der Autos

    Doch leider ziehen er und seine Kollegen immer wieder hochgetunte Autos aus dem Verkehr. Die Hersteller schieben die Verantwortung auf die Kunden ab. Und die meist jüngeren Autofahrer fänden es cool und suchten den Reiz, sich ein Versteckspiel mit der Polizei zu liefern, erzählt Martin, der als Automechaniker immer wieder getunte Autos in die Werkstatt bekommt. Etliche Verkehrspolizisten bilden sich auf Lehrgängen weiter, um die technischen Feinheiten vieler Autos schnell zu erkennen und einzuschätzen. Doch sie müssen sich auch privat mit der Thematik befassen, alleine die Schulungen reichen nicht aus.

    Je strenger die Grenzwerte für Lärm und Abgas, desto unbeliebter

    Felgen, Auspuffanlagen, Bremsen, Spoiler sind noch die offensichtlichsten Elemente. Sobald aber an der Elektronik geschraubt wird, müssen sie vor Ort an der Kontrollstelle Detektivarbeit leisten. Thumfart vertraut dabei auf sein Wissen, auf jahrelange Erfahrung und auf sein Gespür. Seit Juli 2016 gelten in Deutschland strengere Geräuschgrenzwerte, seit September 2018 strengere Abgasgrenzwerte – für Neuwagen. Ältere Autos haben hingegen Bestandsschutz. Um die Grenzwerte einzuhalten, bauen Hersteller mittlerweile bei Turbomotoren Otto-Partikelfilter (OPF) ein. Diese filtern aber nicht nur die Abgase, sondern auch den für viele sehr wichtigen Sound des Auspuffs. Und sind entsprechend unbeliebt in der Szene, sagt Markus Thumfart.

    Geld spielt bei Tuning-Fans offenbar keine Rolle

    Die Tuningfans investieren dabei viele tausend Euro in die Autos. Das war früher so und ist heute immer noch so. Und auch die Autohersteller bieten mittlerweile hochgerüstete Autos von der Stange an. Markus Thumfart: "Es ist keine Seltenheit, dass wir Autos mit 500 oder 600 PS haben. Und wenn der Wagen serienmäßig nicht so viel hat, dann wird getuned, dass er soviel hat."

    Lärm-Messung: Regeln hinken Zeit und Technik hinterher

    Die Regelung, wie Geräusche gemessen werden, ist schon etliche Jahre alt, erklärt Thumfart: Im dritten Gang bei einer Geschwindigkeit zwischen 50 und 60 km/h darf das Auto den Grenzwert nicht überschreiten. Fährt man im anderen Gang oder schlicht 70 km/h ist der Lärmpegel schon wieder ganz anders. Das aber spiele für den Gesetzgeber keine Rolle. Und den Autofahrer freut’s, vermutet der erfahrene Polizist. Dass sich andere von der Lautstärke der Wagen belästigt fühlen, käme vielen gar nicht in den Sinn.

    Verlockende PS-Stärken können gefährlich werden

    Die Strafen für zu laute Auspuffanlagen seien gering, liegen im Schnitt bei 90 Euro, so Thumfart. Auch habe er schon erlebt, dass jemand mit einer gefälschten TÜV-Plakette unterwegs war. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Auch Thumfart fährt kein Auto von der Stange, sagt aber ganz klar: "Es ist ok, wenn man sein Auto liebt und pflegt. Sobald es aber gefährlich wird, weil man den Wagen nicht mehr im Griff hat, dann hört jedes Verständnis auf." Er wirbt für etwas mehr Rücksicht: "In der Szene ist noch nicht angekommen, dass man nicht alles machen sollte, auch wenn es das Auto leistet."