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Die neu eingerichtete "Kontrollgruppe Poser- und Tuningszene" der Polizei kontrolliert seit gut einem Monat die Szene im Allgäu. Tiefergelegte Autos und abgefahrene Reifen entdecken die Beamten genauso wie zu laute Motoren.

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Auto-Tuner und Poser: Polizei kontrolliert verstärkt im Allgäu

Quietschende Reifen, illegale Autorennen und Umbauten, die einem TÜV-Prüfer die Haare zu Berge stehen lassen: Das Allgäu hat sich mancherorts zu einem Hotspot für Autotuner und Autoposer entwickelt. Die Polizei reagiert mit verschärften Kontrollen.

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Von
  • Rupert Waldmüller

Freitagabend 20 Uhr: Die drei Streifen der neu eingerichteten "Kontrollgruppe Poser- und Tuningszene" des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West machen sich bereit für ihren Einsatz. Seit rund einem Monat nimmt die Polizei im Allgäu gezielt die Szene unter die Lupe. Die Beamten haben es bei ihren nächtlichen Kontrollen vor allem auf diejenigen abgesehen, die ihre Autos illegal umgebaut haben oder unnötig laut durch die Stadt rasen.

Kontrollen an Hotspots der Tuning-Szene

"Wir wollen nicht die Szene verdrängen, sondern dass man die Spielregeln einhält", sagt Kontrollgruppenleiter Markus Thumfart. "Sie können ihre Autos tunen. Aber es muss alles im Rahmen des Gesetzes bleiben - und da kucken wir jetzt drauf." Vor allem an Tankstellen und auf Supermarkt-Parkplätzen treffen sich die Tuner. Die Beamten kontrollieren deshalb gezielt an solchen Hotspots, streifen aber auch mit ihren Autos durch die Gegend.

Erster Verdachtsfall nach 15 Minuten

Bei der Kontrolle an einem Freitagabend in Memmingen stoßen die Polizisten schon nach nur 15 Minuten auf den ersten Verdachtsfall. Im Vorbeifahren hat Markus Thumfart gesehen, dass ein dunkelgrauer Audi A6 mit schwarzen Felgen viel tiefer liegt als erlaubt. Irgendwas muss der 20-jährige Fahrer wohl an seinem Auto manipuliert haben. Deshalb wollen sich die Polizisten den Wagen genauer ansehen.

Kotflügel schrammt am Reifen

Der junge Mann tut anfangs so, als wisse er von nichts. Doch als Polizist Thumfart in den Kofferraum schaut und dort unter dem Reserverad eine Drop-Down-Box entdeckt, ist der Fall klar: Mit der Box überlistet der Fahrer die Elektronik des Wagens. Das Luftfahrwerk des Autos lässt sich damit per Fernbedienung tiefer absenken als vom Hersteller vorgesehen, der Kotflügel schrammt bereits am Reifen. Beim Fahren könne das wirklich gefährlich werden, sagt Markus Thumfart. "Was ist, wenn der auf der Autobahn fährt, er verliert den Druck und das Auto kracht runter?"

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Die "Kontrollgruppe Poser- und Tuningszene" nimmt auch die Reifen unter die Lupe

Auto darf nicht weiterfahren

Doch die Drop-Down-Box ist nicht das einzige Problem an dem Auto: "Sie haben abgefahrene Reifen", sagt Thumfart zu dem jungen Fahrer. "Sie haben in das Luftfahrwerk eingegriffen, die Notlaufeigenschaft ist nicht erfüllt und Ihr Reifen hat schon Schleifspuren drauf. Sie können mit dem Auto leider nicht mehr fahren."

Fahrer muss mit Bußgeld rechnen

Die Polizisten rufen den Abschleppdienst. Ein Gutachter soll sich das Auto genauer ansehen. Der junge Fahrer muss jetzt erst mal zu Fuß gehen und ärgert sich: Schließlich sei er nur auf dem Parkplatz mit abgesenktem Fahrwerk gefahren, nicht auf der öffentlichen Straße, argumentiert der 20-Jährige: "Es ist ja nicht so, als würde ich so über die Autobahn mit 200 scheppern, dass die ganze Karre quietscht. Das mache ich ja nicht", sagt der junge Mann. Trotzdem: Auf sein Auto muss er jetzt erst mal verzichten. Und es wartet ein Bußgeld auf ihn.

20 Autos sichergestellt, 50 Anzeigen

Illegale Einbauten, manipulierte Abgasanlagen und zu laute Motoren – darauf haben es die Polizisten der Kontrollgruppe seit einem Monat verstärkt abgesehen. Vor allem an den Wochenenden sind Markus Thumfart und seine Kollegen im Allgäu unterwegs. 20 Autos haben die Beamten in nur einem Monat sichergestellt, rund 50 Anzeigen geschrieben und etliche Bußgelder verhängt. Und so wie es aussieht, wird der Tuning-und Poser-Kontrollgruppe die Arbeit so schnell nicht ausgehen.

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