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Auswärtiger Atommüll am Kernkraftwerk Grafenrheinfeld? | BR24

© Bayerischer Rundfunk 2020

Das ehemalige Kernkraftwerk Grafenrheinfeld im Landkreis Schweinfurt

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    Auswärtiger Atommüll am Kernkraftwerk Grafenrheinfeld?

    Sollen am ehemaligen Kernkraftwerk Grafenrheinfeld auch Abfälle aus dem KKW Würgassen gelagert werden? Das befürchtet das "Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft". Die Initiative übt Kritik und spricht von einem "Schildbürgerstreich".

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    Anfang 2021 soll am ehemaligen Kernkraftwerk-Standort Grafenrheinfeld ein Lager für schwach- und mittelradioaktive Stoffe in Betrieb gehen. Die Sprecherin des "Schweinfurter Aktionsbündnisses gegen Atomkraft", Babs Günther, hat erfahren, dass dort möglicherweise auch Abfälle aus dem Kraftwerk Würgassen gelagert werden sollen. In einer Pressemitteilung äußert Günther ihr Unverständnis über das Ansinnen des Betreibers Preussen Elektra, denn am Standort des rückgebauten AKW Würgassen gebe es seit 2007 bereits ein Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle.

    Preussen Elektra bestätigt Vermutung

    Dazu hat sich jetzt Preussen Elektra geäußert. "Es ist korrekt, dass wir beantragt und genehmigt bekommen haben, in der Bereitstellungshalle am Standort Grafenrheinfeld schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus anderen Standorten der Preussen Elektra einlagern zu dürfen. Diese dürfen maximal 20 Prozent des gesamten Einlagerungsvolumens von 6.000 Kubikmeter betragen, und die Einlagerungsdauer ist auf zehn Jahre ab erster Einladung begrenzt. " Weiter schreibt Preussen Elektra-Pressesprecherin Almut Zyweck: "Es ist ebenfalls korrekt, dass wir an unserem Standort Würgassen begonnen haben, schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus dem dort bestehenden Zwischenlager „UNS“ auszulagern, was bedeutet, dass wir die Abfälle aus dem Zwischenlager innerhalb des Kraftwerks in das dafür umgebaute Werkstattgebäude zum Transport bereitstellen. "

    Bündnis gegen Atomkraft: "Es mutet wie ein Schildbürgerstreich an"

    Atommülltransporte, betont Günther, seien wegen des Unfallrisikos und wegen der Strahlenbelastung riskant und müssten deswegen soweit als möglich vermieden werden: "Es mutet wie ein Schildbürgerstreich an, den schwach- und mittelradioaktiven Abfall von Würgassen zum Beispiel nach Grafenrheinfeld zu transportieren, wo er maximal zehn Jahre gelagert würde, um ihn dann wieder nach Würgassen zurück zu transportieren."

    Mehr als 90 Prozent Kraftwerk-Schutt werden recycelt

    Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld im Landkreis Schweinfurt soll bis 2033 weitgehend abgerissen sein. Bis dahin sollen rund 1.850 Tonnen Schutt des Kernkraftwerkes im Abfallwirtschaftszentrum "Rothmühle" des Landkreises landen. Mehr als 90 Prozent der über 300.000 Tonnen Schutt sollen recycelt werden. Kürzlich sind die letzten verwendeten Brennelemente aus dem Abklingbecken ins benachbarte Atommüllzwischenlager gebracht worden. Hier stehen nun 53 Castoren. Ende des Jahres soll ein letzter, 54., Castor mit dem restlichen nuklearen Brennstoff eingelagert werden.

    Nach 15 Jahren soll Kraftwerk verschwunden sein

    In 15 Jahren soll kaum noch etwas vom ehemaligen Kernkraftwerk-Standort Grafenrheinfeld zu sehen sein. Auch die beiden Kühltürme sollen verschwinden. Bleiben wird allerdings das Atommüllzwischenlager, denn ein Atommüllendlager soll in Deutschland frühestens 2050 betriebsbereit sein. Vor gut fünf Jahren ist das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld nach 33 Betriebsjahren abgeschaltet worden.

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