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Ausverkauft? Warum Esskastanie und Roteiche knapp werden | BR24

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Sie gelten als resistent gegen Trockenheit: die Esskastanien. Förster Hubertus König aus Prichsenstadt würde gern mehr von ihnen pflanzen, doch die Nachfrage übersteigt das Angebot.

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Ausverkauft? Warum Esskastanie und Roteiche knapp werden

Der Hitzesommer 2019 hat Bayerns Wäldern zugesetzt. Jahrzehntealte Bäume sind regelrecht ausgetrocknet. Förster und Waldbesitzer wollen nun vielerorts aufforsten. Ihr Problem: Manche Baumarten sind in einigen Forstbaumschulen bereits vergriffen.

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In dem Waldstück bei Prichsenstadt im Landkreis Kitzingen sind die Schäden unübersehbar. Sturm Fabienne ist im September 2018 über das Land gezogen. Jahrzehntealte Bäume sind umgeknickt. Auch die trockenen letzten Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. Förster Hubertus König deutet auf eine Buche, an deren Spitze mehrere Äste starr nach oben stehen. Ein klares Zeichen: In der Krone kommt zu wenig Wasser an. Der Baum beginnt abzusterben.

Aufforsten bei wärmeren Klima

Wie viele Förster und Waldbesitzer will Hubertus König nun aufforsten. Dabei möchte er neben heimischen Arten verstärkt auf Bäume setzen, die als besonders resistent gegen Trockenheit gelten. Esskastanien hat er zum Beispiel schon einmal angepflanzt. Jetzt würde er sie auf brach liegenden Flächen gerne wieder einsetzen. Doch: Er bekommt keinen Nachschub. Viele Forstbaumschulen haben derzeit nämlich Lieferengpässe bei Bäumen, die als besonders klimaresistent gelten. Zum Beispiel: Baumhasel, Elsbeere oder Roteiche.

Trockenheit sorgt für Baum-Knappheit

"Wir haben es schon kommen sehen, aber die Dürre hat dieses Jahr richtig draufgehauen", sagt Alain Paul vom Verband Deutscher Forstbaumschulen. Durch die Trockenheit sei ein regelrechter Hype auf manche Baumarten ausgebrochen. Dass es etwa in Folge von Stürmen hin und wieder zu Engpässen kommen könnte, sei nicht ungewöhnlich, sagt Paul. Wenn große Waldflächen brachliegen, steigt die Nachfrage nach Setzlingen. Allerdings sei der derzeitige Engpass bei einigen wenigen Trendbaumarten, "schon ein bisschen besonders", so Paul.

Engpässe können anhalten

Der Hitzesommer 2019 und die trockenen Vorjahre haben Bayerns Wälder vielerorts vor Probleme gestellt. In Unterfranken sind etwa am Schwanberg großflächig Schwarzkieferbestände eingegangen. Auch im Würzburger Stadtwald sind in diesem Jahr erstmals Rotbuchen abgestorben.

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Der Hitzesommer hat Bayerns Wäldern zugesetzt. Jahrzehntealte Bäume sind regelrecht ausgetrocknet. Förster und Waldbesitzer wollen nun aufforsten. Ihr Problem: Manche Baumarten sind in einigen Forstbaumschulen bereits vergriffen.

Die aktuelle Knappheit bei einigen Baumarten wird vorerst vermutlich anhalten, glaubt Alain Paul. Denn in der Regel dauere es drei bis vier Jahre, ehe die Bäume groß genug gewachsen seien, damit sie die Förster im Wald pflanzen könnten. Hinzu kämen saisonale Schwankungen bei der Saat, sagt Annerose Althaus von der Baumschule Hornung in Fellen im Spessart. Zum Beispiel hätte es in diesem Jahr durch die Witterung vergleichsweise wenige Eicheln gegeben. Weitere Engpässe seien also bei bestimmten Baumarten möglich.

Auf die Preise in den Baumschulen hätte sich die hohe Nachfrage der klimaresistenten Bäume allerdings kaum ausgewirkt, sagt Althaus.

Förster will klimaresistente Bäume ausprobieren

Förster Hubertus König will in Prichsenstadt nun andere Bäume ausprobieren. Auf eine Fläche, an der der Sturm Schäden angerichtet hat, will er zum Beispiel Tannen anpflanzen, die sonst in Kroatien oder Slowenien heimisch sind. Entscheidend ist für ihn die richtige Mischung: Es geht nicht um Monokulturen, sondern darum, Neues auszuprobieren. Welche Bäume mit dem veränderten Klima in Unterfranken am besten auskommen, könne man vermutlich sowieso erst in einigen Jahrzehnten sagen.