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Austrittshotline: Wie das Bistum Regensburg Gläubige halten will | BR24

© Redaktion radioWelt/Uwe Pagels

Im Bistum Regensburg diskutieren Seelsorger in den Sommerwochen am "Austrittstelefon" mit Anrufern, die über einen Kirchenaustritt nachdenken oder der Kirche bereits den Rücken gekehrt haben.

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Austrittshotline: Wie das Bistum Regensburg Gläubige halten will

Die beiden großen Kirchen in Deutschland leiden seit Jahren unter hohen Austrittszahlen. Und die Kirchen versuchen vieles, um ihre Schäfchen zu halten. Das Bistum Regensburg zum Beispiel bietet ein "Austrittstelefon" an.

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216.078 Mitglieder hat die katholische Kirche bundesweit im vergangenen Jahr verloren. Allein in Bayern sind 2018 insgesamt 64.246 Katholiken ausgetreten und 27.673 Protestanten. Hochrechnungen zufolge werden bis zum Jahr 2060 fast die Hälfte der evangelischen und katholischen Christen ihrer Kirche den Rücken kehren.

Bei Bistümern und Landeskirchen herrscht Ratlosigkeit, wie der Trend aufzuhalten ist. Ein Versuch läuft aktuell im Bistum Regensburg: Immer in den Sommerwochen schaltet die Diözese ihr "Austrittstelefon". Vertreter der Diözese stehen telefonisch per Hotline für Gespräche mit Austrittswilligen oder bereits Ausgetretenen zur Verfügung.

Tacheles am Telefon: Was stört an der Kirche?

Frust über die Kirche, Lebensgeschichten von Gläubigen oder Zweifel, am Austrittstelefon können Anrufer all dies loswerden, so Schwester Benedikta von den Dominikanerinnen vom Heilig-Kreuz Kloster in Regensburg. Sie ist eine von mehreren Seelsorgern, die über das Austrittstelefon zu erreichen sind. Tabus gibt es bei diesen Gesprächen nicht. "Was stört an der Kirche, was nicht, das lässt sich schon klären am Telefon", so Benedikta.

"Teilweise herrschen auch falsche Vorstellungen von dem, was die Kirche lehrt." Schwester Benedikta, Heilig-Kreuz Kloster Regensburg

Dabei geht es nach der Ordensschwester bei den Telefonaten nicht darum, jemanden von einer bestimmten Meinung abzubringen. "Es gibt ja schließlich verschiedene Meinungen." Nicht selten diskutiere sie auch über schwierige theologische Fragen: Zum Beispiel über Moral, Dreifaltigkeit oder Sinn und Unsinn des Zölibats. Schwester Benediktas Erfahrung nach liegen den Austrittsüberlegungen auch oft darüber Missverständnisse zugrunde, welche Position die katholische Kirche zu einzelnen Themen überhaupt vertrete.

Heute ist das Regensburger Austrittstelefon noch für Anrufer erreichbar.

© BR Abendschau

Die Austrittszahlen belegen: Der Kirche laufen die jungen Leute davon. Sie zieht es statt in den Gottesdienst ins Internet. Und dort, in den Sozialen Medien, versuchen Pastoren und Pfarrer ihre Schäflein wieder zu erreichen.