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Ausstellung: Wie die Menschen im Fichtelgebirge sind | BR24

© BR/Katharina Herkommer

Eine Ausstellung im Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel zeigt, wer und wie die Menschen im Fichtelgebirge sind.

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Ausstellung: Wie die Menschen im Fichtelgebirge sind

Eine Ausstellung will Aufschluss darüber geben, wer und wie die Menschen im Fichtelgebirge sind. "Kulturraum Fichtelgebirge 4.0" heißt sie und ist noch bis 17. Mai im Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel zu sehen.

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Von
  • Katharina Herkommer

Das Fichtelgebirge hat die letzten Jahrzehnte stark zu kämpfen gehabt: Vor allem der Niedergang der Textil- und Porzellanindustrie brachte Arbeitslosigkeit, Bevölkerungsschwund und Überalterung. In den letzten Jahren hat sich die Stimmung aber gedreht: Das Fichtelgebirge ist aus einem Dornröschenschlaf aufgewacht: Es gab großangelegte, erfolgreiche Initiativen der lokalen Wirtschaft. Neue Verbände für Kulturschaffende haben sich gegründet, immer mehr Menschen kommen zurück in die Region. Es tut sich also was, dort im Nordosten Bayerns. Was genau, damit beschäftigt sich eine neue Ausstellung im Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel. "Kulturraum Fichtelgebirge 4.0" heißt sie, und sie will wissen: Wer sind sie eigentlich, die Fichtelgebirgsbewohner von heute?

Sperriger Titel, bunte Ausstellung

Bunt sind sie – den Eindruck bekommt man jedenfalls sofort, wenn man den Ausstellungsraum betritt. Von allen Seiten her leuchten Plakate, Aufsteller und Schaukästen in knalligen Grundfarben. Die Ausstellung ist die Ergebnispräsentation einer Initiative, die das Museum im Juli 2018 gestartet hat. "Wer sind wir? Kulturelle Diversität in der Regionalgeschichte", so der etwas sperrige Titel. Die Inhalte sollten dagegen alles andere als sperrig sein. Das Museum hat sich acht Partner gesucht – von der Lebenshilfe bis zur Uni Bayreuth, von der Arbeiterwohlfahrt bis zum Verein der Kreativschaffenden in der Region. Mit jedem von ihnen hat es eigene Projekte entwickelt, durchgeführt direkt vor Ort zum Beispiel in der Schule oder im Jugendzentrum. Und das ganz bewusst.

"Eben dass auch andere Kulturformate dazukommen, dass man rausgeht und für verschiedene Generationen – Senioren, Jugendliche, Kinder – Programme anbietet außerhalb und die Leute da abholt, wo sie gerne hingehen." Sabine Zehentmeier-Lang, Museumsleiterin

Die Projekte waren so vielfältig wie die Partner: Schüler haben sich auf eine Foto-Safari begeben. Die Lebenshilfe hat ein Inklusivcafé veranstaltet. Menschen aus anderen Ländern haben ihre Wohnzimmer geöffnet und Wildfremden von ihrer Heimat erzählt. Überall kamen unterschiedliche Leute miteinander ins Gespräch und brachten ihre ganz persönliche Kultur in das Projekt ein. Diana Nitzschke, die für das Gesamtprojekt verantwortlich ist, ist dabei eines aufgefallen: Die Menschen, die da zusammenkamen, nehmen ihr Leben überhaupt nicht als Kultur wahr.

"Eure Sachen heute, was du jeden Tag siehst, wo du dir keine Gedanken darüber machst, was das ist, was das bedeutet, was jeder vielleicht zu Hause rumstehen hat, bedeutet etwas für die Zukunft." Diana Nitzschke, Projektleiterin
© BR/Katharina Herkommer

Eine Ausstellung im Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel zeigt, wer und wie die Menschen im Fichtelgebirge sind.

Vorbeibringen, was in 100 Jahren im Museum stehen könnte

Ein wichtiger Teil der Ausstellung ist deshalb das Museum der Zukunft. In drei Orten im Fichtelgebirge hat Diana Nitzschke jeweils für ein paar Monate sogenannte Pop-Up-Stores eröffnet, also kurzzeitige Außenstandorte des Museums. Dort hat sie die Leute darum gebeten, irgendwelche Dinge von sich vorbeizubringen – Sachen, die in 100 Jahren vielleicht einmal in einem Museum über unsere Zeit stehen könnten. Für die Gegenstände, die ihr gebracht wurden, hat sie dann Überbegriffe gesucht. Musikkassette und ausrangierte CDs waren leicht – Thema: Digitalisierung. Viel ausgemustertes Plastik zeigte ihr, dass sich das Konsumverhalten der Fichtelgebirgsbewohner verändert. Aber wie zeigt sich der demographische Wandel in ein paar zufällig geschenkten Dingen?

Das ist mir als Idee gekommen, als mir die Dame diesen Ein-Tassen-Kaffeeautomaten brachte, der ihr geschenkt worden ist von ihren Enkeln: Denn sie lebt ja jetzt allein und da braucht sie ja immer nur eine Tasse Kaffee." Diana Nitzschke, Projektleiterin

Nett gemeint von den Enkeln, aber der Kaffee daraus schmeckte nicht, also konnte die Maschine weg – warum nicht in die Ausstellung von Diana Nitzschke.

Fichtelgebirgsbewohner stehen mehr denn je zu ihrer Identität

In den Pop-Up Stores hat Nitzschke auf kleinen Zetteln zum Ausfüllen auch gefragt: "Was ist deine Kultur?" Keine leichte Frage. Überbegriffe für die häufigsten Antworten stehen in Form von bunten, lebensgroßen Papp-Kameraden in der Ausstellung verteilt: Bierliebhaber und Wirtshausgänger, aber auch Heimatkenner, Menschenfreund und Freigeist. Bei all den Aktionen der letzten beiden Jahre hat Nitzschke eines beobachtet: Die Menschen im Fichtelgebirge stehen mittlerweile zu dem, was sie sind.

"Als ich hier angefangen hab vor viereinhalb Jahren waren die Leute mehr in einer Verteidigungshaltung. Die hat man aufgegeben zugunsten eines: Ja, wir sind das hier. Und das ist genau das, was diese Ausstellung hier auch zeigt." Diana Nitzschke, Projektleiterin

Freiraum für Macher, mehr als ein Werbeslogan

Und wer sind sie nun, die Menschen aus dem Fichtelgebirge? Museumsleiterin Sabine Zehentmeier-Lang hat für sich die Antwort gefunden:

"Eine Gegend, in der es wie es so schön heißt einen "Freiraum für Macher" gibt. Und wir haben Macher, die gerne auch miteinander machen, die für andere machen - mit einem großen, weiten Blick auf das Globale. Wir sind keine engstirnige Region, wir sind vielfältig, divers, inklusiv – wir sind glaub ich wirklich ein Freiraum für Menschen, die was voranbringen wollen und auch was darstellen wollen." Sabine Zehentmeier-Lang, Museumsleiterin

Die Ausstellung "Kulturraum Fichtelgebirge 4.0" im Fichtelgebirgsmuseum Wunsiedel ist noch bis zum 17. Mai 2020 zu sehen.

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