© BR

Werbematerial zu #ausspekuliert

Sie nennen es den "Auszug der Münchner"– in Anlehnung an den Einzug der Wiesnwirte eine Woche später. Unter dem Motto #ausspekuliert wollen knapp 100 Organisationen, Parteien und Mietergemeinschaften in der Münchner Innenstadt dafür protestieren, dass die Stadt und vor allem die Mieten bezahlbar bleiben. Die Demonstration "für bezahlbaren Wohnraum und gegen soziale Ausgrenzung" soll vorführen, wie München künftig aussehen wird, falls weiter ungebremst mit Wohnraum spekuliert wird und sämtliche Normalverdiener verdrängt werden, heißt es im Aufruf.

Es begann ganz klein

Ein Hinterhof in München-Sendling ist die Keimzelle des Protestes. Ein Grünes Idyll, bedroht von Spekulationsinteressen. Das Mietshaus aus dem 19. Jahrhundert mit kleinem Garten wurde verkauft.

Janek Schmidt und seine Nachbarn zahlen hier bisher 10 Euro pro Quadratmeter. Für München günstig. Der Investor will aber modernisieren, den Hinterhof zubauen und die Mieten erhöhen. Das konnten die Mieter bisher verhindern, weil sie sich gemeinsam wehren. Angespornt von diesem Erfolgserlebnis gründet der 39-jährige Journalist ein Mietertreffen, und dann wird die Sache immer größer.

"Dann haben wir den Plan gefasst, dass zu öffnen für ganz München und zu sagen, da soll einfach jeder kommen. Das hilft ja allen, und daraus ist dann der Mieterstammtisch entstanden. Und aus diesem Mieterstammtisch heraus, der eigentlich geplant war als einmaliges Treffen in einer Bar oder so alle paar Monate wieder- gabs dann soviel Zuspruch, Dynamik, dass daraus sich dann die Idee entwickelt hat, eine Demo zu organisieren.“ Janek Schmidt, Organisator von #ausspekuliert

Seit Juli rennt Janek Schmidt von einem Termin zum andern. Zusammen mit seinem Mitorganisator Tillmann Scheich schafft er ein Forum für betroffene Mieter, die allein nicht mehr weiterwissen. Hier können sie sich austauschen, gegenseitig Mut zusprechen oder wenigstens spüren, dass sie nicht allein sind.

Immer mehr machen mit

Die Treffen werden von Interessierten schier überrannt. Die beiden Organisatoren lassen diverse Accessoires herstellen, die von den Unterstützern gekauft werden können. Damit sollen die Demo-Kosten finanziert werden. Auch der Name steht schon fest. Die Mieter wollen unter dem Motto #ausspekuliert auf die Straße gehen.

"Unser Demo-Team wird immer größer, es gibt immer mehr Aufgaben, es kommen immer mehr Leute auf uns zu, es fühlt sich größer an, es wird aktueller, bekannter. Immer mehr Leute sprechen uns an und es wächst eben deswegen die Hoffnung, dass es groß wird." Janek Schmidt

Oft dauern die Treffen bis spät in die Nacht. Die Organisatoren haben mittlerweile eine 80-Stunden Woche.

Das Projekt findet weiteren Zuspruch

Einige Zeit später. Das Projekt wächst weiter. Janek und seine Mitkämpfer haben zu einem Vernetzungstreffen geladen. Hier sind jetzt auch andere Organisationen dabei, die mitmachen wollen. Es wird hitzig diskutiert, denn die Meinungen sind nicht immer auf eine Linie. Möglicherweise entsteht hier gerade eine Bewegung. Irgendwas liegt auf jeden Fall in der Luft.

"Unsere Hoffnung ist, dass wir mit einer größeren Menge an Menschen eben auch zeigen können, dass Wohnungsnot nicht etwas ist, was nur einen kleinen Teil der Bevölkerung betrifft, sondern alle." Sinan Cokdegerli, verdi-Jugend München
"Und hier ist eben auch eine Aufbruchsstimmung. Das finde ich sehr schön. Hab ich seit langen Jahren so auch nicht mehr erlebt, dass die Mieter wirklich so die Schnauze voll haben, dass sie nicht nur Angst haben, sondern auch sagen, wir wollen kämpfen." Volker Rastätter, Mieterverein München
"Ich hab auch erst vor kurzem eine Wohnung gesucht. Und wir haben irgendwann mal gesagt, es reicht uns jetzt und wir müssen was machen und da haben wir dann auch gesagt, man macht eine Demo und schließt sich mit #ausspekuliert zusammen." Adriana Bil, verdi-Jugend Bayern

Offen, wie viele Menschen kommen

Man rauft sich also zusammen. Schließlich geht es ja darum, gemeinsam ein Zeichen zu setzen mit einer großen Aktion. Wie groß die wird, kann aber noch keiner sagen.

"Man hat gesehen, wie riesig die letzten Demos in München geworden sind und natürlich ist es nach oben hin offen und wir hoffen auf mehrere tausend, und je mehr desto besser." Janek Schmidt

Janek und seine Mitstreiter sind zuversichtlich, dass die viele Arbeit nicht umsonst war. Und die Anzeichen mehren sich, dass sie hier etwas Großes auf die Beine gestellt haben.