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Demonstration gegen Mietwucher in München

München ist die Stadt mit den höchsten Mietpreisen in Deutschland. Wohnraum ist hier für viele zu einem Luxusgut geworden. Zahlreiche Menschen sind deshalb am Samstag in der bayerischen Landeshauptstadt auf die Straße gegangen. Nach Polizeiangaben waren es 10.000 Teilnehmer, die gegen Luxussanierungen, Immobilienspekulation und ganz allgemein für bezahlbares Wohnen in Würde demonstrierten.

Mitinitiator des Protests unter dem Motto "#ausspekuliert" ist Tilman Schaich. Der 47-jährige wohnt aktuell in Würde, aber wahrscheinlich nicht mehr lange. Aktuell zahlt er für knapp 70 Quadratmeter knapp 700 Euro in der Isarvorstadt, das ist billig. Nach der geplanten Modernisierung werden es knapp 1.500 Euro sein. Eine Steigerung von über 100 Prozent.

Deshalb hat Schaich Anfang Juni einen ersten Mieterstammtisch organisiert. "Wir sind unterschiedliche Mietergemeinschaften, und wir haben uns getroffen, um uns zu vernetzen und zu sehen, was wir tun können für die Situation und haben schnell festgestellt, dass es eine größere Aktion braucht", berichtet Schaich, den die hohe Teilnehmerzahl bei der Demo zu Tränen rührt.

Die Angst wohnt mit

Ja, es sind viele, und nicht alle sind persönlich betroffen. Rainer Höll zum Beispiel, er wohnt bezahlbar in Sendling mit seiner Familie. Aber wie in vielen Münchner Mietverhältnissen wohnt die Angst mit. Was, wenn wir hier mal raus müssen?

"Also wenn wir jetzt eine andere oder größere Wohnung brauchen, dann wär’s undenkbar. Und unser Freundes- und Bekanntenkreis hat genau das Thema. So viele tun sich schwer, was zu finden. Es ist für normal Berufstätige schon fast undenkbar, was in der Innenstadt zu finden, oder auch schon weiter draußen." Rainer Höll

Professionalisierter Protest

Das Demo-Jahr 2018 mit den Großdemonstrationen gegen Hetze gegen Flüchtlinge und gegen das Polizeiaufgabengesetz hat in der Weltstadt mit Herz seine Spuren hinterlassen. Die Münchner haben den Protest professionalisiert, mit Lautsprecherwagen, kreativen Schildern und Neuinterpretationen von Sprechchorklassikern - etwa: "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns den Wohnraum klaut." Auf Plakaten sind Aufschriften zu lesen wie etwa "Wohnst Du noch oder suchst Du schon?", "Immobilienhaien die Zähne ziehen – wir bleiben!" und "3.000 Euro Miete, ihr habt doch eine Meise".

Den Demoaufruf, samt Forderungen der Initiatoren, haben über 100 Mieterbündnisse, Organisationen und Parteien unterschreiben. Ein breites Bündnis, eigentlich kein Wunder, denn wer könnte etwas gegen bezahlbaren Wohnraum einzuwenden haben. Trotzdem fehlt zum Beispiel die CSU, die die Forderungen des Bündnisses nicht mittragen wollte, wie Mitinitiator Schaich erzählt.

Indirekte Botschaft von CSU-Chef Seehofer

Was auf den Münchner Straßen heute los war, das konnten die CSU-Politiker nicht sehen, denn sie waren auf dem zeitgleich stattfindenden Parteitag versammelt. CSU-Chef und Bundesbauminister Horst Seehoher schickte indirekt dennoch eine Botschaft an die Demonstranten. Die Bundesregierung habe mit ihren jüngsten Beschlüssen die richtigen Antworten auf die Wohnungsnot gegeben. Baukindergeld, Mieterschutznovelle und die Förderprogramme seien ein nie dagewesenes Programm zur Stärkung der Mieter.