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Ein Wildtierschutzverein klagt gegen den Abschussplan für Gämsen im Allgäu - das Gericht muss jetzt entscheiden.

    Ausrottung befürchtet: Tierschutzverein klagt gegen Gamsjagd

    Es könnte die Woche der Entscheidung werden für die Gämsen im Kürnach-Gebiet westlich von Kempten. Das Landratsamt hatte den Abschuss erlaubt, ein Wildtierschutzverein klagt dagegen. Besondere Brisanz bringt das Ergebnis einer Zählung.

    Von
    Christoph ScheuleChristoph ScheuleChristine KellermannChristine Kellermann

    Gegen den Abschussplan des Landratsamtes Oberallgäu, der für die laufende Jagdsaison den Abschuss von 15 Gämsen erlaubt, hat der Verein "Wildes Bayern" einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht Augsburg gestellt. Dort will man auch zügig entscheiden, da bereits Gämsen erlegt werden dürfen und somit vollendete Tatsachen geschaffen werden könnten.

    Unveröffentlichter Bericht könnte wichtige Informationen liefern

    Besondere Brisanz bringt nun das Ergebnis des wissenschaftlichen Monitorings, also der Zählung der Gämsen im Kürnach-Gebiet. Laut diesem Bericht, der noch nicht veröffentlicht ist, hat man im Jahr 2020 genetisch gerade mal 23 Gämsen anhand der Losung, also dem Kot, identifiziert. Davon wurden 2020 vier erlegt. Eine weitere Gams hatte einen tödlichen Unfall, sodass der Bestand aktuell noch 18 Gämsen zählt. Das erfuhr der BR vom Bayerischen Jagdverband, der zusammen mit der Deutschen Wildtierstiftung und der internationalen Jagdvereinigung CIC die Zählung finanziert hat.

    Für Wildtierschutzverband "Alarmstufe rot"

    Beim Verein "Wildes Bayern" sorgen die Zahlen, auf die man seit Wochen gewartet habe, für große Besorgnis. "Wir gingen eigentlich davon aus, dass etwa 60 bis 80 Gämsen nachgewiesen werden können, nun ist wirklich Alarmstufe rot", so die erste Vorsitzende Christine Miller gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Die Studie will der Verein nun möglichst schon heute anfordern und dem Verwaltungsgericht in Augsburg weiterschicken. "Dann kann es eigentlich nur eine Entscheidung geben, der Abschussplan von 15 Gämsen muss gestoppt werden", so Miller.

    Zahlen beim Landratsamt Oberallgäu noch unbekannt

    Beim Landratsamt Oberallgäu waren die Zahlen bis Freitagabend offenbar noch nicht bekannt. Das sagte Agnes Hussek, Wildökologin bei der Unteren Jagdbehörde. Auf die Frage, welche Konsequenzen nun gezogen werden, verwies Hussek auf frühere Aussagen, wonach die Abschusszahlen jederzeit neuesten Erkenntnissen angepasst werden können. In ihren Augen sei die Untersuchung aber noch kein Monitoring gewesen, sondern allenfalls eine Erhebung. Für ein Monitoring müssten mehrmals Untersuchungen erfolgen.

    Verein beruft sich auf neues Gesetz zum Schutz der Umwelt

    Die Augen richten sich nun auf das Verwaltungsgericht, weil der Verein "Wildes Bayern" mit seiner Klage auch juristisches Neuland betritt. Erstmals, so Christine Miller, berufe man sich auf das neue "Umweltrechtsbehelfsgesetz", das die nationale Umsetzung der "Aarhus-Konvention" auf EU-Ebene darstellt. Darin ist unter anderem auch geregelt, dass Einzelpersonen und Umweltverbände vor Gericht klagen können, wenn sich staatliche Maßnahmen ihrer Meinung nach gegen die Umwelt und den Schutz der Umwelt richten. Bislang sei für eine Klage die persönliche Betroffenheit nach dem Jagdrecht notwendig gewesen.

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