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Ausnahmen für Geimpfte? Geteiltes Echo in der Oberpfalz | BR24

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Die Überlegungen in der Politik über "Sonderoptionen für Geimpfte" - wie es Ministerpräsident Markus Söder genannt hat - sorgen für Diskussionen. In der Oberpfalz fällt das Echo unterschiedlich aus.

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Ausnahmen für Geimpfte? Geteiltes Echo in der Oberpfalz

Die Überlegungen in der Politik über "Sonderoptionen für Geimpfte" - wie es Ministerpräsident Markus Söder genannt hat - sorgen für Diskussionen. In der Oberpfalz fällt das Echo unterschiedlich aus.

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Von
  • Zara Kroiß
  • BR24 Redaktion

Es ist ein Reizthema: Soll es "Sonderoptionen für Geimpfte" geben, wie es Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zuletzt angesprochen hat? Die Meinungen sind geteilt - auch in der Oberpfalz.

Tourismusverband erwartet Ausnahmen ab Herbst

Der Tourismusverband Ostbayern unterstützt die Überlegung Söders: Mittelfristig müsse das so kommen, sagte der geschäftsführende Vorstand Michael Braun dem BR. Sobald jeder Zugang zu einem Impfstoff habe - Braun geht davon aus, dass dies im Herbst der Fall ist - würden sich Ausnahmen für Geimpfte von allein ergeben. Denn jedes privatwirtschaftliche Unternehmen könne sich aussuchen, ob es Ausnahmen für Geimpfte machen will. Braun verwies dabei auf eine Vertragsfreiheit und nannte als Beispiel den Reiseveranstalter "Alltours", der schon ankündigt habe, nur noch Geimpfte in seine Hotels einreisen zu lassen.

Corona-Schnelltests als aktueller Ausweg

Jetzt, in der Übergangszeit, in der noch nicht jeder einen Zugang zum Impfstoff hat, müsse man sich mit Schnelltests behelfen, so Braun: "Es wäre ja eine Möglichkeit, dass jeder Gast, der einreist, einen Schnelltest machen muss." Somit könne man ausschließen, dass hochinfektiöse Personen das Virus verbreiten. Laut Braun gibt es aktuell technische Lösungen, mit denen man die Möglichkeit habe, die Branche wieder zu öffnen: "Und das ist für uns ganz wichtig. Denn je perspektivloser es wird, umso mehr Betriebe wird es später nicht mehr geben."

Bedenken bei Cafébesitzer und Hotelchefin

Isak Hejzeraj, der Besitzer des "Kaffeehaus" in Regensburg, hält Sonderregelungen für undenk- und unvorstellbar." Ich bin seit 30 Jahren Cafébesitzer und sage dann zu einem Kunden: Wenn du nicht diesen Impfpass hast, kann ich dich nicht in meinen Laden reinlassen. Das kann ich mir einerseits aus einem wirtschaftlichen Aspekt nicht leisten, anderseits aus einem rein menschlichen Aspekt."

Die Chefin des Regensburger Hotels "Münchner Hof", Kathrin Fuchshuber, ist ebenfalls skeptisch: "Die Diskussion ist zu einem vollkommen falschen Zeitpunkt. Vielleicht sollten wir erstmal die Leute impfen. Wenn man dann geimpft hat, kann man sich immer noch weitere Schritte überlegen. Zudem halte ich es ethisch für fragwürdig. Und Druck erzeugt immer Gegendruck. Ich weiß nicht, ob zum jetzigen Zeitpunkt, wo Menschen sich überlegen, 'lasse ich mich impfen?‘, mit so einer Kampagne das Impfen gefördert wird." Ihr ist ein anderer Punkt wichtiger: "Wir brauchen eine generelle Öffnung und nicht eine partikuläre, die sich auf ganz konkrete Zielgruppen fokussiert. Wir brauchen eine Herdenimmunität und Öffnungsszenarien, die übrigens auch nicht an eine 35er-Inzidenz gekoppelt sind. Weil dann wird das ein Auf und Zu - und das können wir uns alle nicht leisten."

Jahn Regensburg: Diskussion verbietet sich derzeit

Auch beim Fußball-Zweitligisten SSV Jahn Regensburg macht man sich Gedanken zum Thema - auch mit Blick auf die eigene Situation, derzeit vor leeren Rängen spielen zu müssen. In einem offiziellen Statement wird auch Kritik deutlich: "Der Profifußball braucht seine Zuschauer. Sie sind das emotionale Herzstück des Spiels und auch aus wirtschaftlicher Perspektive mittelfristig existentiell wichtig. Solange andere Wirtschaftszweige aber noch komplett brach liegen und viele andere gesellschaftliche Bereiche, wie z.B. die Schulen, nicht komplett geöffnet sind, verbietet sich eine Diskussion über die Rückkehr von Zuschauern. Der Profifußball ist trotz aller massiven Beschränkungen in der derzeitigen Situation vergleichsweise immer noch privilegiert. Genauso verbietet sich aber auch eine Diskussion über Privilegien für Geimpfte mindestens bis zu jenem Zeitpunkt, an dem alle Menschen Zugang zu einem Impfangebot erlangen können. Anstatt solche Diskussionen anzustoßen, soll Herr Söder lieber an einem zielgerichteten, professionellen Krisenmanagement arbeiten. Hier besteht noch ausreichend Entwicklungspotenzial."

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