Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Ausländische Fachkräfte gegen den Pflegenotstand | BR24

© BR

Di Tran bei seiner Arbeit

Per Mail sharen

    Ausländische Fachkräfte gegen den Pflegenotstand

    175.000 neue Altenpfleger werden in den kommenden 15 Jahren benötigt, so Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft. Viele Pflegeeinrichtungen werben Mitarbeiter aus dem Ausland an. So auch die Innere Mission München.

    Per Mail sharen

    Der Plausch mit den Pflegebedürftigen gehört zum Arbeitsalltag von Di Tran. Er reicht einer Heimbewohnerin ein Glas Wasser. "Was trinken Sie am liebsten?", fragt er die alte Dame und verwickelt sie in ein Gespräch. Auf Deutsch, obwohl Di Tran die Sprache erst vor ein paar Jahren gelernt hat. Der Pfleger aus Vietnam ist im Rahmen eines Anwerbeprogramms von Innerer Mission und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit nach Deutschland gekommen. Inzwischen hat er sich im Evangelischen Pflegezentrum Eichenau bei Fürstenfeldbruck zum stellvertretenden Stationsleiter hochgearbeitet.

    Pflegekräfte aus China, Bosnien und den Philippinen

    Mit seinem Arbeitsumfeld ist er zufrieden: "Ich war begeistert, wie man in Deutschland miteinander redet, man bespricht Probleme zusammen und kann sie dann lösen." Rund 90 Pflegekräfte aus dem Ausland hat die Innere Mission München seit 2013 angeworben, vornehmlich aus Vietnam, den Philippinen, China und Bosnien. In Eichenau arbeiten zehn von ihnen. "Sie sind eine Bereicherung für das Haus", sagt Einrichtungsleiter Dirk Spohd. Dennoch sei der Mix wichtig, zwischen einheimischen Kräften und Pflegern aus dem Ausland.

    Das neue Pflegepersonal-Stärkungsgesetz garantiert nun unter anderem 13.000 neue Stellen im Pflegebereich. Allerdings gibt es bereits jetzt geschätzt 30.000 bis 40.000 offene Stellen. Der Pflegeberuf muss deshalb attraktiver werden, fordert Günther Bauer, Vorstand der Inneren Mission München. "Es ist erforderlich von den starren Personalschlüsseln wegzukommen und den Trägern mehr Freiheit bei der Einstellung von Personal zu geben", so Bauer. "Wir hätten keine ordnungspolitischen Probleme, wenn die Pflege-, wie auch die Krankenversicherung eine Vollfinanzierung für das Notwendige wäre."

    Zu wenig Zeit für Pflegebedürftige

    Auch Di Tran würde sich mehr Zeit für den Kontakt mit den Heimbewohnern wünschen. "Wir stehen oft unter Zeitdruck. Ich kann nicht immer umsetzen, was ich gelernt habe. Das finde ich sehr schade." Um pflegebedürftigen Menschen die Lebensqualität erhöhen zu können, wünscht er sich mehr Gelegenheiten zur Unterhaltung. Außer der viel zu eng getakteten Arbeit sieht Di Tran aber noch ein anderes Problem: Das der fehlenden Anerkennung für seine Berufsgruppe. "Ich wünsche mir mehr Respekt für Kranken- und Altenpfleger." Und dass sich diese Wertschätzung im Gehalt ausdrücken sollte, muss Di Tran gar nicht dazusagen.