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Ausflüge in den Bayerischen Wald: Die Bitte um Rücksicht | BR24

© BR/Julia Müller

Symbolbild Wandern

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    Ausflüge in den Bayerischen Wald: Die Bitte um Rücksicht

    Während der Corona-Beschränkungen erfreut sich das Wandern einer wachsenden Beliebtheit. Für einige Regionen im Bayerischen Wald wird dieser Hype derzeit aber zu groß und teilweise auch zum Problem. Politiker appellieren jetzt an die Touristen.

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    Dem Appell des Freyunger Landrats Sebastian Gruber, im Lockdown möglichst keine Tages- und Wanderausflüge mehr aus anderen Regionen in den Bayerischen Wald zu unternehmen, wollen sich nicht alle Touristiker und Kommunalpolitiker im Bayerischen Wald anschließen. Doch alle bitten um Rücksicht.

    Andere Ziele, andere Uhrzeiten

    Die Regener Landrätin Rita Röhrl (SPD), in deren Landkreis beliebte Wanderberge wie der Arber und der Falkenstein liegen, wollte heute zu dem Thema gar nicht Stellung nehmen. Der Bürgermeister des Urlaubsorts Bodenmais Joachim Haller (CSU) sagte dem BR, er sehe die Tagesausflügler momentan nicht als so großes Problem, er bekomme auch keine negativen Rückmeldungen dazu von Einheimischen. "Tagesausflügler können kommen," so Haller, "aber sie sollten das vielleicht auch mal unter der Woche, nicht nur am Wochenende, machen, wenn es nicht so voll ist." Auch andere Uhrzeiten seien sinnvoll. Außerdem sollten nicht alle die gleichen bekannten Ziele wie etwa Arber, Mittagsplatzl , die Arberseen oder die Rißloch-Wasserfälle ansteuern. Man könne sich auch andere "schöne Flecken" als Ziel suchen, etwa kleinere Berge.

    Zur Not auch Maske auf dem Berggipfel

    Am ersten Lockdown-Wochenende musste in Bodenmais die Strasse zum Wanderparkplatz Rißlochfälle wegen zu großen Andrangs gesperrt werden, wie bereits im Frühjahrs-Lockdown. Letztes Wochenende war es dort aber schon ruhiger. Karin Wurm von der Tourist-Info Sankt Englmar empfiehlt ebenfalls die nicht so bekannten Wanderrouten. Auf der Homepage von Sankt Englmar werden zum Beispiel 18 Rundwege vorgestellt, die nicht alle zu einem Berggipfel führen. Generell seien Berggipfel wie etwa der Hirschenstein in Coronazeiten ein Problem, weil es dort enger zugeht. Auf der Treppe zum Aussichtsturm auf dem Hirschenstein zum Beispiel begegnen sich die Bergauf-und Bergabsteigenden. Wenn man schon solche Ziele ansteuert, sollte man Abstand halten und notfalls eine Maske aufsetzen, wenn es im Gipfelbereich enger und voller wird. Viele verlassen sich dann drauf, dass man ja im Freien ist und nichts passieren kann, so Wurm. Das sei falsch.

    Auch mal "eigene" Landkreise erkunden

    Auch der Leiter der Touristinfo Bad Kötzting Sepp Barth wünscht sich "mehr Rücksichtnahme" auf Wanderwegen und Berggipfeln und "dass nicht jeder nur an sich und sein Vergnügen denkt". Momentan seien am Wochenende wegen des Lockdowns auch viele Einheimische auf den Wanderwegen unterwegs. Wenn dazu noch viele Tagesausflügler aus anderen Regionen kommen, könne es an beliebten Hotspots wie dem Kaitersberg oder dem Hohenbogen zu Stoßzeiten eng werden. Barth findet, dass in der aktuellen Coronalage, "Amberger, Straubinger oder Regensburger auch mal den eigenen Landkreis zuhause mit Spaziergängen erkunden" sollten, statt in den Bayerwald zu fahren.

    Sich im Bayerischen Wald einfach auf verschiedene Wanderwege zu verteilen, sei zwar begrüssenswert. Das dürfe aber nicht dazu führen, dass immer mehr selbst erkundete und gar nicht offiziell markierte Mountainbike-und Wanderrouten über soziale Medien verbreitet werden. Das sei schon beim ersten Lockdown im Frühjahr ein zunehmendes Ärgernis gewesen.

    © Nationalpark Bayerischer Wald

    Besucheransturm auf dem Rachel

    Schlange stehen auf dem Gipfel

    Auch im Nationalpark Bayerischer Wald wünscht man sich mehr Vernunft und Rücksichtnahme bei Wanderern und Tagesausflüglern. Berge wie der Lusen oder der Rachel waren letztes Wochenende hoffnungslos überfüllt, teils sogar schon für Sonnenaufgangswanderungen. Ranger beklagen, dass die Mindestabstände nicht eingehalten worden seien, auf dem Weg zum Gipfel hätten die Menschen Schlage gestanden und keine Masken getragen, wenn es eng wurde. Auch auf den Wanderparkplätzen sei es zu voll gewesen. Problematisch sei, dass Zufahrten und Forststraßen zugeparkt wurden. Auch im Nationalparkgebiet gäbe es zahlreiche Alternativen zu den besonders beliebten Berggipfeln oder auch zu den Schachtenwanderungen, die momentan am Wochenende auch zu viele Menschen unternehmen.

    Gäste sollen gerne wieder kommen

    Sebastian Gruber (CSU), der Landrat von Freyung-Grafenau, hatte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz an alle Ausflügler appelliert, die in den Bayerischen Wald kommen wollen. Er freue sich über jeden Besucher und auch darüber, dass der Bayerische Wald so attraktiv sei, so Gruber: "Wir freuen uns noch viel mehr, wenn diese Menschen die Region beehren, wenn sich die Situation entspannt hat und wenn Gastronomie und Hotellerie wieder offen haben. Dann haben diese Branchen auch was davon", so Gruber.

    Man könne es nicht verbieten, dass Auflügler beispielsweise in den Nationalpark kommen, zu ähnlichen Situationen wie am letzten Wochenende sollte es allerdings nicht mehr kommen. Der Landkreis Freyung-Grafenau ist derzeit einer der Corona-Hotspots. Anfang der Woche hatte der Kreis sogar bundesweit den höchsten 7-Tage-Inzidenzwert.

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