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Julius Streicher hielt am Hesselberg seine "Frankentage" ab und lockte bis zu 80.000 Besucher an - das soll Teil der Ausstellung sein.

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Auseinandersetzung mit "brauner Vergangenheit" am Hesselberg

Auseinandersetzung mit "brauner Vergangenheit" am Hesselberg

Von 1933 bis 1939 fanden die "Frankentage" der Nationalsozialisten auf dem Hesselberg statt. Bis zu 80.000 Menschen besuchten sie. Über diese intensive Zeit im Nationalsozialismus wird in der Region allerdings geschwiegen. Das soll sich nun ändern.

Der Hesselberg soll zur "Denkmallandschaft" werden und dabei seine Geschichte erzählen – vor allem in Hinblick auf die NS-Zeit. Denn dieser Teil der Geschichte des Bergs wurde bisher wenig aufgearbeitet, obwohl hier von 1933 bis 1939 bis zu 80.000 Besuchern jährlich die "Frankentage" der Nationalsozialisten besuchten.

Erstes Konzept vorgestellt

Am Dienstagabend stellten die Verantwortlichen im Evangelischen Bildungszentrum (EBZ) die ersten Pläne für eine "Denkmallandschaft Hesselberg" vor. Diese wurden von der Agentur "Frankenkonzept" aus Würzburg entwickelt. Auf 200 Quadratmetern soll die Geschichte des Hesselbergs vor und während der Zeit des Nationalsozialismus sowie die aktuelle gesellschaftliche Vielfalt mit Ausblick in die Zukunft erzählt werden. Die zweite Komponente sind Stationen in der Landschaft – also Info-Points oder Stelen an verschiedenen für die Nazis wichtigen Orten entlang des Hesselbergs. Dieses Außenkonzept soll dabei nicht zusätzlich zu aktuellen Informationsschildern errichtet werden, sondern das bestehende Konzept soll mit dem neuen verbunden werden.

Konzept am Anfang, Kommunen gefragt

Vor allem bei den Planungen für die Landschaft des Hesselbergs seien Kommunen gefragt, sagte Pfarrer Christoph Seyler, Leiter des EBZ Hesselberg. Ohne die Unterstützung der Anrainergemeinden würde es zum einen finanziell nicht funktionieren, noch viel wichtiger sei aber der Input in Sachen Beschilderung. Daher sei man auch schon mit dem Konzept an die Öffentlichkeit gegangen, bevor es fertig ist, so Seyler. Grundsätzlich gab es bei der Konzeptvorstellung am Dienstagabend keine rein negativen Stimmen, allerdings hatten einige Beteiligte Bedenken, unter anderem regionale Politiker, dass es auf dem Hesselberg bald nur noch um die "braune Vergangenheit" der Region gehe.

Region bestand nicht nur aus Nazis

"Wir würden überhaupt nicht sagen, dass die, die hier gefeiert haben, überzeugte Nationalsozialisten gewesen wären, das ist gar nicht unsere Aussage", erklärte Martin Becher vom Bayerischen Bündnis für Toleranz, Demokratie und Menschenwürde schützen. Allerdings sei es den Nazis gelungen, durch die Anziehungskraft des Berges, die Menschen zu begeistern und das soll dargestellt werden: Wie konnte man damals die Menschen verführen und was heißt das in Bezug auf die heutige Zeit? Die Bedenken der Anwesenden, dass die aktuelle Geschichte des Hesselbergs, der ein großes Identifikationsobjekt in der Region darstellt, kann Becher verstehen und versuchte sie daher auszuräumen.

Bildrechte: BR

Hesselberg erhält Doku-Zentrum

Dissertation ist Grundlage der Ausstellung

Dass die NS-Zeit am Hesselberg so gut erforscht ist, liegt auch an der Dissertation von Thomas Greif über die Geschichte des Hesselbergs. Diese hat er vor 20 Jahren veröffentlicht. Darin beschreibt er, wie bereits in den 1920er-Jahren die Bevölkerung mit über 90 Prozent die NSDAP wählte, auch weil die evangelisch geprägte Region eine neue Leitfigur in Adolf Hitler nach dem Untergang des Kaiserreichs sah. Schließlich etablierte Julius Streicher ab 1933 die "Frankentage" als seine eigenen "Reichsparteitage" auf dem Hesselberg. Ein eigenes Postamt mit eigenen Briefmarken wurde eingerichtet, Filmübertragungen fanden statt und es wurde eine Zeitung zu den "Frankentagen" veröffentlicht. Ein drei Meter hoher "Hoheitsadler" stand am Ortsausgang von Gerolfingen und ein 20 auf 20 Meter großes Hakenkreuz aus Kalkstein wurde beim Röckinger Steinbruch errichtet. Darüber hinaus sollte für Streicher ein Mausoleum am Hesselberg entstehen und eine Adolf-Hitler-Schule war geplant.

Fundstücke aus privater Sammlung

Thomas Greif bekam seine Informationen unter anderem von Hans Spatz aus Ehingen im Landkreis Ansbach. Er baute neben seinem Wohnhaus ein eigenes Museum über viele Jahre auf. Inhalt des Museums sind Sachen, die ihm aus der Nachbarschaft gebracht wurden – darunter auch viele Dinge aus der Zeit des Nationalsozialismus. Nach seinem Tod führt nun sein Sohn Wolfgang Spatz das Erbe weiter. Er erinnert sich noch daran, wie überrascht sein Vater war, als so viel von den "Frankentagen" zum Vorschein kam: Zeitungen von den "Frankentagen", das Schild des eigenen Postamts, Briefe mit "Frankentagen"-Briefmarken. Die Region war damals arm, die Nationalsozialisten boten eine Perspektive, so Spatz. Und da die Gemeindeoberhäupter wie Bürgermeister und Pfarrer Anhänger der Nazis waren, waren es die Bürger auch.

2025 Eröffnung geplant

Bis der Hesselberg an die NS-Zeit erinnert dauert es noch mindestens drei Jahre, hieß es von den Verantwortlichen am Dienstagabend. Das Konzept müsse noch fertiggestellt, Fördergelder final beantragt und die Ausstellungsfläche am Evangelischen Bildungszentrum entsprechend umgebaut werden. Außerdem hänge auch von der Zusammenarbeit mit den Anrainerkommunen ab, wie schnell man das Modul im Außenbereich umsetzen kann.

Bildrechte: BR/Vera Held

Im Museum bei Wolfgang Spatz sind viele Dinge aus der NS-Zeit am Hesselberg zu finden.

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