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Ausbildung: Verlorenes Jahr für Oberfrankens Wirtschaft droht | BR24

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In Oberfranken sind zum Start des Ausbildungsjahres fast 3.000 Lehrstellen unbesetzt.

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    Ausbildung: Verlorenes Jahr für Oberfrankens Wirtschaft droht

    In Oberfranken sind zum Start des Ausbildungsjahres noch fast 3.000 Lehrstellen unbesetzt. Azubis haben also die Qual der Wahl. Wirtschaftsvertreter hingegen warnen vor einem verloren Jahr für junge Menschen und die Unternehmen in der Region.

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    Von
    • Annerose Zuber

    Zumindest aus Sicht der Auszubildenden ist die Situation auf dem oberfränkischen Arbeitsmarkt überdurchschnittlich gut. Noch gibt es 3,4 freie Stellen pro Bewerber. "Ran an die Ausbildungsplätze", appellieren Unternehmer und Gewerkschafter. Denn sie fürchten die Kehrseite der Medaille: dass sich der Fachkräfte-Mangel verschärft.

    Aktuell noch 881 unversorgte Bewerber

    2.955 freie Ausbildungsstellen und 881 unversorgte Bewerber: Das sind die aktuellen Zahlen der Arbeitsagentur für Oberfranken zum Start des neuen Ausbildungsjahres. Mit einer Quote von 3,4 offenen Lehrstellen pro Bewerber liegt Oberfranken damit über dem bayerischen Durchschnitt von drei Stellen.

    Fast ein Viertel weniger Ausbildungs-Verträge

    So gut diese Zahlen für die potenziellen Auszubildenden sind, die sich aus vielen freien Ausbildungsplätzen den geeigneten aussuchen können, so schwierig sind sie für die Unternehmen. Den Verantwortlichen bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Handwerkskammer (HWK) treiben die vielen offenen Stellen die Sorgenfalten in die Gesichter. So meldet die IHK für Oberfranken ein Minus von 24 Prozent bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Vergleich zu 2019. Die HWK meldet einen Rückgang von 12,8 Prozent. Dieser starke Rückgang sei in erster Linie auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. Denn unter anderem fielen die Ausbildungsmessen aus und Bewerbungsgespräche konnten kaum stattfinden.

    Gastronomie, Automobilzulieferer und Einzelhändler leiden unter Pandemie

    Aber auch Betriebe in den von der Corona-Pandemie besonders gebeutelten Branchen bilden kaum aus. So ist bayernweit die Zahl der Ausbildungsverträge im Handwerk im Vergleich zum Vorjahr um 8,6 Prozent gesunken. In den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistungen sogar um 15 Prozent. Vor allem Hotels und Gaststätten, Autozulieferer und der Einzelhandel sind vom Rückgang betroffen.

    Offene Angebote in allen Branchen

    Gleichzeitig werden die Nachwuchskräfte händeringend gesucht. Und zwar in allen Branchen. Da sind sich die Kammern mit der Arbeitsagentur einig. Ob für angehende Kfz-Mechatroniker, Kaufleute oder zum Beispiel auch bei den Friseuren und Lebensmittelhandwerkern – überall gibt es noch offene Lehrstellen-Angebote.

    "Die Botschaft für Jugendliche und ihre Eltern lautet: Das Handwerk bildet weiter aus! Auch in diesem Krisenjahr hat sich gezeigt, dass das Handwerk Ausbildungsplätze erhält und neue schafft." Bernd Sauer, HWK-Geschäftsführer

    Der älteste Lehrling, der heute in Oberfranken startet, ist übrigens 42 Jahre: Josef Wirtz lernt in Prebitz bei Bayreuth Zimmerer.

    Ausbildungsstart auch nach dem 1. September möglich

    Die Verantwortlichen bei den Kammern appellieren an die Schulabgänger und auch an deren Eltern: "Ran an die Ausbildungsplätze." Auch wenn das Ausbildungsjahr traditionell zum 1. September startet, könnten die jungen Leute auch noch später ihre Lehre beginnen. Konkrete Infos über freie Stellen gibt es bei der Arbeitsagentur oder auch über auch die Lehrstellen-Börse im Internet. Und der Appell richtet sich auch an die Unternehmer:

    "Sie sollten auch jetzt in der Corona-Krise ausbilden. Damit investieren sie in die Zukunft. Das sichert den Fachkräftebedarf 2024, wenn diese jungen Leute dann fertig sind." Michael Stammberger, Vorsitzender des IHK-Fachkräfteausschusses

    Wirtschaft und Azubis droht ein verlorenes Jahr

    Wenn jetzt zu viele Lehrstellen unbesetzt blieben, drohe ein "verlorenes Jahr" und zwar in doppelter Hinsicht, sagt auch Mathias Eckhart , der oberfränkische Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbunds und Vorsitzende des IHK-Berufsbildungsausschusses: Zum einen für die jungen Leute, die sich trotz freier Stellen nicht bewerben und zum anderen für die Unternehmer, denen dann die Fachkräfte fehlten.

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