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Aus Solidarität mit Juden: Kippa tragen gegen Antisemitismus | BR24

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Können Juden in Deutschland öffentlich eine Kippa tragen oder nicht? Aus dieser kontrovers diskutierten Frage ist mittlerweile ein Aktionstag geworden. Am Samstag sollen Menschen aus Solidarität Kippa tragen - auch in Regensburg.

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Aus Solidarität mit Juden: Kippa tragen gegen Antisemitismus

Können Juden in Deutschland öffentlich eine Kippa tragen oder nicht? Aus dieser kontrovers diskutierten Frage ist mittlerweile ein Aktionstag geworden. Am Samstag sind Menschen dazu aufgerufen, aus Solidarität Kippa zu tragen - auch in Regensburg.

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Es war der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, der Mitte Mai für eine deutschlandweite Diskussion sorgte. Klein sagte in einem Zeitungsinterview, dass er jüdischen Männern nicht empfehlen könne "jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen".

Der Widerspruch kam direkt, unter anderem von Michel Friedman oder dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Als Reaktion auf die Diskussion rief Felix Klein dazu auf, an diesem Samstag die Kippa zu tragen - als Zeichen der Solidarität mit jüdischen Mitbürgern und als Statement gegen Antisemitismus.

Regensburger Rabbiner trägt Kippa nicht öffentlich

Auch in Bayern fühlen sich Juden beim Tragen der Kippa unwohl. In der Neuen Synagoge in Regensburg erklärt Ephraim Jehud Desel, ausgebildeter Rabbiner und Religionslehrer in der Jüdischen Gemeinde, dass er eine Kippa trägt - diese aber nicht immer sichtbar ist.

"Ich trage draußen auf der Straße keine Kippa. Meine Kippa ist unter meiner Mütze oder manchmal in meiner Tasche. Ich gebe nicht öffentlich zu erkennen, dass ich Jude bin, weil die Lage in Deutschland wird immer unsicherer für Juden." Ephraim Jehud Desel, Jüdische Gemeinde Regensburg

Jüdische Gemeinde begrüßt Diskussion - Anlass mache jedoch traurig

Die Kippa verstecken, um sich nicht der Gefahr antisemitischer Angriffe auszusetzen - dagegen soll nun am Samstag ein Zeichen gesetzt werden. Ilse Danziger, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde unterstützt die Aktion und begrüßt es, dass "sich Menschen solidarisch zeigen mit der Jüdischen Gemeinde".

Dieter Weber und Josef Eckstein, die in Regensburg einen Förderverein ins Leben gerufen haben, um den Bau der Synagoge mitzufinanzieren, finden es furchtbar, dass sich Menschen wie Ephraim Jehud Desel nicht mehr trauen, öffentlich die Kippa zu tragen. Sie sagen, es solle selbstverständlich sein, in Deutschland eine Kippa tragen zu können und sich dabei sicher zu fühlen. Die öffentliche Diskussion über das Thema begrüßen die beiden - auch wenn der Anlass ein trauriger sei. Denn deutschland- wie bayernweit sind die Zahlen antisemitischer Straftaten im vergangenen Jahr gestiegen.

Kippot-Verleih in Regensburger Synagoge

Das Tragen der Kippa als Zeichen gegen Antisemitismus begrüßen alle in der Regensburger Jüdischen Gemeinde. Deswegen verleiht Ilse Danziger auch Kippot.

Wir hatten in der Jüdischen Gemeinde einige Anfragen, ob man eine Kippa haben kann, weil man sich gerne solidarisch zeigen möchte. Und wir haben selbstverständlich nichts dagegen. Und wer eine Kippa haben möchte kann gerne kommen und sich eine von uns ausleihen." Ilse Danziger, Jüdische Gemeinde Regensburg

Man habe ausreichend Kippot auf Lager, sagt Danziger, da man zur Eröffnung der Synagoge im Februar insgesamt 300 Stück bestellt hatte.