Im Inneren des AKW Gundremmingen

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Aus für das AKW Gundremmingen: Was wird aus dem Zwischenlager?

Aus für das AKW Gundremmingen: Was wird aus dem Zwischenlager?

Ende des Jahres ist Schluss gewesen: Mit Block C ist das AKW Gundremmingen endgültig vom Netz gegangen. Was sagen Menschen und Verantwortliche zum Zwischenlager, das es noch auf Jahrzehnte hin geben wird?

Im Atommüll-Zwischenlager auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Gundremmingen befinden sich derzeit 115 Castoren. Platz wäre für insgesamt 192 Behälter. Genehmigt ist das Zwischenlager bis 2046. Ein Endlager muss bis 2030 gefunden, dann gebaut werden. Noch ist keine Lösung gefunden. Experten wie Michael Sailer, Vorsitzender der deutschen Reaktorsicherheitskommission, rechnet damit, dass der Atommüll noch bis 2080 in Gundremmingen gelagert wird. Denn allein der Abtransport ist extrem aufwendig und wird Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

Landrat Reichhart: "Lagerung bis 2080 inakzeptabel"

Im Landratsamt Günzburg sieht man solche Zeithorizonte kritisch: "2080 ist für uns inakzeptabel, wir haben momentan ein Enddatum und für uns ist klar, dass wir das auch nicht beliebig verlängern können“, sagt Günzburgs Landrat Hans Reichhart (CSU). Er forderte den Bund auf, frühzeitig mit der Region über das Thema zu sprechen. Denn noch gibt es wenige Erkenntnisse darüber, wie sich ein Castorbehälter über Jahrzehnte hinweg bei hochradioaktiver Strahlung entwickelt. "Wir müssen natürlich die technischen Nachweise erbringen, dass die Abfälle auch mehr als 40 Jahre sicher verwahrt werden können", sagt Stefan Mirbeth von der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung. "Wir haben ein Forschungsprogramm aufgelegt, bei dem wir international zusammenarbeiten und zum Beispiel die längerfristige Veränderung der Materialen untersuchen."

Einblick ins Innere des Zwischenlagers

"Wir haben derzeit noch viele Brennelemente im Abklingbecken, die kommen dann noch aus dem Kraftwerk dazu", sagt Mirbeth. Ein Castor ist ungefähr sechs Meter hoch und zweieinhalb Meter im Durchmesser, voll beladen wiegt er 123 Tonnen. Die Castoren werden deshalb auf Schienen ins Zwischenlager gebracht, wo sie ein großer Kran in Position hebt.

In der eigentlichen Halle des Zwischenlagers ist es warm, die Brennelemente in den Castoren geben noch viel Energie ab, die beim Zerfall des hochradioaktiven Materials entsteht. Die Castoren werden permanent von mehreren Kameras überwacht, auch die Internationale Atomenergiebehörde mit Sitz in Wien beobachtet sie per Livestream. Jeder Behälter ist mit Kabeln an ein weiteres Überwachungssystem angeschlossen. "Die Castoren haben zwei Deckel und wir messen den Druck dazwischen und können sofort feststellen, wenn sie undicht werden würden", sagt Ulrich Kastner, der das Zwischenlager leitet. Kritiker wie der BUND mahnen, dass es im Zwischenlager noch keine sogenannte "heiße Zelle" gibt, also einen Bereich, in dem man defekte Castoren sicher reparieren könnte. Die BGZ wiederum verweist auf eine Reparaturmöglichkeit, die ohne eine heiße Zelle auskommt. Deutschlandweit sei zudem noch kein Behälter in den Zwischenlagern undicht geworden.

Sicherheit soll laut BGZ gewährleistet sein

Auch Sorgen vor möglichen Terroranschlägen weist Mirbeth zurück. Die Halle des Zwischenlagers hat vor ein paar Jahren eine zweite Schutzwand bekommen. Die Anlage gleicht einer Art "Fort Knox". Wer auf das Gelände möchte, muss erst mehrere Schleusen und bewaffnete Sicherheitsleute passieren und dann durch eine tonnenschwere Stahltüre. Wer sich im Zwischenlager aufhält, bekommt am Eingang zudem ein Dosimeter. Es misst die Strahlung und schlägt bei zu langer und hoher Belastung Alarm. "In der Nähe der Castoren ist die Radioaktivität ungefähr so hoch wie beim Röntgen", sagt James Carter, der Strahlenschutzbeauftragte. Offiziell genehmigt ist das Zwischenlager in Gundremmingen bis zum Jahr 2046, doch ein Endlager dürfte nach derzeitigen Planungen erst 2050 oder später fertig werden. Der ehemalige Vorsitzende der Entsorgungskommission Michael Sailer rechnet damit, dass das Zwischenlager sogar erst 2080 leer sein könnte, weil die Castortransporte und die Einlagerung in ein Endlager entsprechend lange dauern.

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