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Augsburgerin von Pflegediensten allein gelassen | BR24

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Augsburgerin von Pflegediensten allein gelassen

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Augsburgerin von Pflegediensten allein gelassen

“Pflegenotstand” - ein Begriff, der erst so richtig verständlich wird, wenn man die Personen trifft, die täglich Pflege brauchen. Wie bei Andrea Kroße aus Augsburg. Ihr Pflegedienst hat ihr von heute auf morgen gekündigt.

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"Da hab ich gedacht: hoi, damit hätte ich jetzt nicht gerechnet. Ich war wütend und aufgebracht und hab gedacht, ok, dann such ich mir eben einen neuen Pflegedienst. Aber was dann passiert ist, damit hätte ich auch nicht gerechnet."

Seit einer Muskelentzündung in jungen Jahren ist Andrea Kroße auf den Rollstuhl angewiesen. Die 49-Jährige vermutet, dass ein Virus nach einem Pfeifferschen Drüsenfieber dazu geführt hat. Den Rollstuhl braucht sie, seit sie 21 ist. Die 49-jährige Frau kann deswegen ihren Alltag in Augsburg nur mit Hilfe bestreiten. Sie braucht Pflegekräfte für das Allernötigste.

Nach der Uhr auf die Toilette

"Das sind hauptsächlich Toilettengänge, die hab ich bisher drei mal am Tag bekommen, weil ich auch nach Uhrzeit trinke tatsächlich. Und eben auch nach Uhrzeit zur Toilette geh. Und die Dusche und das Ankleiden am Morgen."

Ein Pflegedienst hat diese Hilfe in den vergangenen Jahren geleistet. Drei mal am Tag. Als dort aber die Geschäftsführung wechselte, wurden für Andrea Kroße auch die Pflegeleistungen teurer. Hunderte Euro pro Monat sollte sie auf einmal mehr bezahlen. Sie protestierte und bekam statt Entgegenkommen die Kündigung ins Haus. Am 31.Oktober war das.

17 Anrufe, 17 Absagen

Also musste sich Andrea Kroße einen neuen Pflegedienst suchen. Doch sie fand keinen. 17 Pflegedienste in Augsburg und Umland hat sie angerufen. Überall nur Absagen: "Ich konnte teilweise noch nicht mal mein Anliegen vortragen. Die haben gesagt, wir fahren nicht in die Innenstadt, das ist uns zu weit. Oder wir haben keine Kapazitäten frei, die Leute fehlen uns. Da ist mir auch teilweise die Spucke weggeblieben und ich war den Tränen nahe."

Den Pflegenotstand bei Andrea Kroße zuhause versuchen Freunde und Familie abzumildern, so gut es geht. Trotzdem ist sie am Nachmittag auf sich selbst gestellt. "Wann darf ich denn das nächste Mal zur Toilette. Und das ist kein angenehmes Leben. Das ist total unbestimmt. Ich fühle mich nicht mehr selbstbestimmt. Ich denke eigentlich nur noch über die Toilette nach und das macht keinen Spaß. Das ist kein schöner Alltag."

"Ich wünsche mir den Zivildienst zurück"

Mit ihrer Geschichte ist Andrea Kroße an die Öffentlichkeit gegangen. Sie will, dass über Probleme in der Pflege gesprochen wird, und dass sich in der Pflege was bessert. Früher, lief das irgendwie besser, sagt die 49-Jährige.

"Um ehrlich zu sein, würde ich mir wünschen, dass es wieder Zivildienst gibt. Denn als es noch den Zivildienst gegeben hat, da sind solche Engpässe gar nicht entstanden. Ich bin ja kein schwerer Pflegefall. Zu mir müssen keine Fachkräfte kommen. Ich brauch Hilfe bei den Toilettengängen und bei der Dusche. Und da würde ich mir tatsächlich die Zivildienstleistenden wieder wünschen."

Zum Glück gibt es nun einen kleinen Hoffnungsschimmer für Andrea Kroße: Ein Pflegedienst aus Augsburg hat sich doch noch bei ihr gemeldet und Andrea Kroße eine Kooperation in Aussicht gestellt.