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Augsburger Start-Up "Boxbote": Lieferservice für lokale Händler | BR24

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Als normaler Lieferdienst ist er gestartet - jetzt will "Boxbote" die digitale Innenstadt für Augsburg sein und Einzelhändlern vor Ort ermöglichen, den Online-Markt zu erobern.

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Augsburger Start-Up "Boxbote": Lieferservice für lokale Händler

Durch die Corona-Beschränkungen büßt der stationäre Einzelhandel Umsatz ein, während der Onlinehandel wächst. Das Start-Up "Boxbote" verbindet beides: Es bietet eine Plattform und einen Fahrrad-Lieferservice für lokale Händler in Augsburg.

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Von
  • Florian Danner

Viele Innenstädte geben derzeit ein trauriges Bild ab. Seit Mitte Dezember sind die meisten Läden gezwungenermaßen zu. Der Einzelhandel in Bayern verliert so täglich 150 Millionen Euro Umsatz, schätzt der Einzelhandelsverband, 5.000 Unternehmen sind in ihrer Existenz gefährdet.

Im Internet gehen die Umsätze dagegen in die Höhe, das statistische Bundesamt beziffert den Zuwachs des Online- und Versandhandels in 2020 auf mehr als 30 Prozent.

Das Geschäft im Netz spielt sich vor allem auf den großen Plattformen ab, wie soll der regionale Einzelhandel nur dagegen ankommen?

Nachfrage nach digitalem Marktplatz steigt

In Augsburg will das Start-up "Boxbote" das „lokale Amazon“ sein. Konkret heißt das: Einzelhändler können ihre Produkte über die "Boxbote"-Plattform verkaufen, die Ware wird umweltfreundlich von Fahrradkurieren ausgeliefert. "Boxbote" ist vor fünf Jahren als normaler Lieferdienst gestartet – bis heute macht das reine Liefergeschäft immer noch mehr als Zweidrittel des Umsatzes aus. Seit Corona steigt unter den Einzelhändlern aber die Nachfrage nach dem digitalen Marktplatz.

Wir haben eigentlich täglich ein bis zwei Anfragen von Händlern und Gastronomen, die bei uns auf der Plattform gelistet werden wollen. Es gibt in Augsburg schon noch eine gewisse Behäbigkeit, bei sowas mitzumachen, wir leisten ein bisschen Missionarsarbeit, aber ich glaube 2020 ist bei den Händlern der Groschen gefallen. Wir kommen gut voran mit unserer Idee, den Handel zu digitalisieren." Raimund Seibold von "Boxbote"

Inzwischen bieten 40 Händler ihre Produkte auf der "Boxbote"-Homepage an, das sind aber weniger als zehn Prozent des innerstädtischen Einzelhandels. "Siller & Laar" ist eines der ältesten Augsburger Fachgeschäfte und seit Generationen in Familienhand. Im Lockdown ist das Geschäft aber zu.

Online rechnet sich für uns nicht, weil unsere Sortimente einfach zu vielfältig und nicht online-affin sind. Uns macht es besonders, bei uns stationär einzukaufen, vorbeizukommen, sich wohl zu fühlen. Wir haben spezialisierte, gut ausgebildete Mitarbeiter, all das zusammen macht "Siller & Laar" aus. Nichts davon können sie ins Internet übertragen." Michael Berz von Haushaltswaren "Siller & Laar"

"Siller & Laar" hat darüber nachgedacht, mit "Boxbote" zu kooperieren. Dazu braucht es Fotos und Produktbeschreibungen für viele tausend Artikel, die das Traditionshaus selbst herstellen müsste - nicht finanzierbar.

Nur dann erfolgreich, wenn möglichst viele mitmachen

Damit das "lokale Amazon" aber funktionieren kann, muss ein großer Teil des Einzelhandels auch dort zu finden sein. Nur dann wird die Produktauswahl annähernd so groß sein wie bei den Global Playern, genau das erwartet der Kunde von einer solchen Plattform. Das Problem: weite Teile des Einzelhandels sind sich überhaupt nicht im Klaren, was sie in Sachen Digitalisierung überhaupt wollen, sagen Experten.

Die Frage ist: Was mache ich eigentlich im Internet? Wie stark möchte ich mich digitalisieren? Mache ich selbst einen eigenen Online-Shop? Wenn man es ernst meint, ist das wie die Gründung eines zweiten Unternehmens. Wenn ich das nicht will, bietet mir eine Plattform die schnellere Professionalisierung zumindest in der Grundsichtbarkeit." Christian Hörmann vom Beratungsunternehmen CIMA

Und ohne diese Grundsichtbarkeit werden in Zukunft nur die wenigsten überleben. "Boxbote" bietet das und verbindet den Plattformgedanken mit einem jungen, grünen Image. Und begreift sich als Partner des Einzelhandels.

Wir sind ein Instrument, um ein Online-Einkaufserlebnis zu haben und parallel den Offline-Handel zu unterstützen. Wir möchten dem Einzelhandel ein Instrument an die Hand geben, um selber einen neuen Vertriebskanal aufzubauen und um dem Endverbraucher eine Alternative zu schaffen." Raimund Seibold von "Boxbote"

Händler schätzen zusätzliche Vertriebsmöglichkeit

Die "Blumenmanufaktur" beispielsweise ist seit Sommer bei "Boxbote" gelistet. Denn: das Hauptgeschäft - Hochzeiten und Veranstaltungen - findet kaum mehr statt und der eigene Webshop war den Betreibern zu aufwändig.

"Boxbote" war die Möglichkeit, online Blumen anzubieten, ohne sich wieder so einen Webshop anzutun. Wir haben keine Lust darauf, stundenlang am Computer zu sitzen. Wir sagen, wir möchten das verkaufen, hier sind die Bilder, hier sind die Produktbeschreibungen, hier sind die Preise. Die stellen alles für uns ein, die managen alles und geben uns Bescheid, wenn bei ihnen eine Bestellung reinkommt. Also ganz easy." Kathrin Uhl-Duttler von der "Blumenmanufaktur"

Sicher ist: Die Pandemie ist für den Einzelhandel eine riesige Herausforderung. Sicher ist auch: Corona-Gewinner wird es nur wenige geben. "Boxbote" könnte vielleicht helfen, dass Augsburger Einzelhändler wenigstens nicht zu den Corona-Verlierern zählen.

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