Betreiber des Seniorenheims Ebnerstraße ist die S.O.Nursing Homes GmbH. Sie gehört zu Sereni Orizzonti, einem italienischen Konzern.

Mittlerweile sind hier keine pflegebedürftigen Menschen mehr untergebracht - das Heim in der Augsburger Ebnerstraße.

Bildrechte: Barbara Leinfelder/BR
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    Augsburger Skandal-Pflegeheim: Wie geht es weiter?

    Augsburger Skandal-Pflegeheim: Wie geht es weiter?

    Das Augsburger Skandal-Pflegeheim sorgt wieder für Schlagzeilen. Zwei frühere Leiterinnen müssen Geldstrafen zahlen und Angehörige bleiben auf Kosten sitzen. Will das Unternehmen in Augsburg sogar weitermachen?

    Es war ein handfester Pflege-Skandal: BR-Recherchen zufolge hatten einige Bewohner des Heims in der Augsburger Ebnerstraße teilweise zu wenig Essen und Trinken bekommen, die falschen Medikamente erhalten oder ihre Wunden waren unversorgt geblieben. Letztlich ließen die Behörden das Heim räumen.

    Strafrechtliche Folgen für zwei leitende Mitarbeiterinnen

    Für zwei leitende Mitarbeiterinnen des mittlerweile geräumten Pflegeheims in der Augsburger Ebnerstraße haben die Misstände Folgen. Sie sind zu Geldstrafen verurteilt worden, und zwar wegen fahrlässiger Körperverletzung. Wie das Amtsgericht Augsburg auf Anfrage bestätigte, wurde gegen die frühere Pflegedienstleiterin ein Strafbefehl zu 60 Tagessätzen von jeweils 100 Euro erlassen (insgesamt 6.000 Euro). Sie hat keinen Einspruch eingelegt, daher ist der Strafbefehl bereits rechtskräftig. Anders dagegen sieht es bei der Heimleiterin aus: Sie hat ebenfalls einen Strafbefehl erhalten wegen fahrlässiger Körperverletzung, und zwar 90 Tagessätze in Höhe von 150 Euro, das also würde eine Geldstrafe in Höhe von 13.500 Euro bedeuten. Die ehemalige Heimleiterin hat zwar den Strafbefehl akzeptiert, aber gegen die Höhe der Tagessätze Einspruch eingelegt. Daher ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen. Die Vorwürfe gegen die beiden Frauen stammen bereits aus den Jahren 2019 und 2020.

    Pflegeheimbetreiber will weitermachen

    Im Februar 2022 hatte die Stadt Augsburg das Heim geschlossen, nachdem der BR gravierende Pflegemängel aufgedeckt hat. Wie die Stadt auf Anfrage des BR heute mitteilt, hat der Betreiber "S. O. Seniorenzentren GmbH" Widerspruch gegen die Betriebsuntersagung eingelegt. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, könnten derzeit aber keine Auskünfte dazu erteilt werden, so eine Sprecherin der Stadt. Betreiber des Seniorenheims Ebnerstraße ist die "S.O.Nursing Homes GmbH". Sie gehört zu "Sereni Orizzonti", einem Konzern, der in Italien immer wieder Negativschlagzeilen macht. Das italienische Mutterunternehmen sucht indes derzeit eine neue Pflegedienstleitung für eine "Seniorenresidenz" in Augsburg, eine entsprechende Anzeige ist aktuell in einer Internet-Jobbörse geschaltet - auf einer deutschsprachigen Seite und auch auf einer italienischen.

    Angehörige sind wütend

    Was für die Betroffenen schmerzhaft ist: Viele warten auf die Rückerstattung von Kosten. Denn das Geld für den Heimplatz war bereits überwiesen, als das Heim im Februar geschlossen wurde. Angehörige berichten dem BR, dass sie seit Februar diverse Zahlungsaufforderungen an das Heim geschickt hätten, auch per Einschreiben. "In allen Fällen gilt: Keine Reaktion. Bei einem Anruf sagte mir die Mitarbeiterin, dass man selbst kein Geld auszahle. Das komme nur aus Italien", so erzählt ein Mann aus Augsburg, dessen Vater im Heim an der Ebnerstraße untergebracht war.

    Sozialverband VdK: Betroffene müssen das Geld wohl abschreiben

    Der Sozialverband VdK kann den Geschädigten aus Augsburg dabei wenig Hoffung machen. "Nach den Gesprächen, die der Sozialverband VdK selbst mit Betroffenen vom Heimskandal in Schliersee geführt hat, ist leider nicht auszuschließen, dass auch die Augsburger Betroffenen ihr Geld verloren geben müssen oder mit sehr schwierigen und teuren Prozessen gegen den Heimbetreiber rechnen müssen", erklärt eine Sprecherin gegenüber dem BR. Der Verband dürfe die Betroffenen leider nicht vertreten, da es um zivilrechtliche Auseinandersetzungen gehe. "Wir dürfen nur im Sozialrecht juristisch beraten und vertreten."

    Augsburger Staatsanwaltschaft prüft

    Aktuell wird laut Augsburger Staatsanwaltschaft der Fall Ebnerstraße "weiterhin geprüft". Von Angehörigen war jedoch zu erfahren, dass aktuelle Strafanzeigen wegen fahrlässiger Körperverletzung eingestellt worden sind. Sie zeigen sich daher enttäuscht von den Augsburger Strafverfolgern: "Dass die Augsburger Staatsanwaltschaft sich angesichts des Skandals noch nicht einmal die geringsten Mühen macht, die Vorgänge zu überprüfen, verwundert mich schon", erzählt ein Angehöriger. "Allein schon der Umstand, dass mein Vater eine offene und schwerwiegende Wunde hatte, die über einen längeren Zeitraum in der Ebnerstraße nicht behandelt wurde, was ja belegbar ist, hätte eigentlich schon gereicht, mal genauer hinzuschauen, finde ich. Hier sind einem dementen Menschen unnötige Leiden zugefügt worden - das aber hält die Staatsanwaltschaft aber anscheinend nicht für relevant." Die Strafanzeige jedenfalls sei eingestellt worden, weil es "keine konkreten Anhaltspunkt auf Pflegemängel" gegeben habe, so heißt es in dem Schreiben, das dem BR vorliegt.

    VdK: Keine Trendwende hin zu mehr Kontrollen

    Der Sozialverband Vdk Bayern sieht absehbar auch nach dem Augsburger Fall keine grundlegende Trendwende in Sachen Kontrolle der Pflegeheime: "Es ist leider zu befürchten, dass es längst schon wieder solche Vorfälle gibt", so eine Sprecherin. Im März habe es ein Expertengespräch im Bayerischen Gesundheitsministerium gegeben, bei dem auch der Sozialverband VdK seine Vorschläge unterbreitet habe. "Leider haben sich bisher aus dieser Sitzung keine konkreten Maßnahmen ergeben. Unseres Wissens finden auch nicht mehr Kontrollen der Heimaufsicht als zuvor statt. Zusammengefasst also: Nein, es wird nicht genügend unternommen – zumindest für uns nicht sichtbar", so der VdK.

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