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Augsburger Prostituiertenmord: Schwierige Wahrheitsfindung | BR24

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© BR/Sylvia Bentele

Vor dem Landgericht Augsburg versucht der Richter herauszufinden, was genau vor 25 Jahren geschehen ist.

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Augsburger Prostituiertenmord: Schwierige Wahrheitsfindung

Ein Mann soll vor 25 Jahren eine Prostituierte ermordet haben. Eine DNA-Probe hat die Polizei auf die Spur eines Tatverdächtigen gebracht. Der Prozess gegen den Mann gestaltet sich aber schwierig. Die meisten Zeugen können sich kaum mehr erinnern.

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Es ist alles andere als einfach, nach 25 Jahren einen Mord aufzuklären: Das zeigt sich jetzt in aller Deutlichkeit vor dem Augsburger Landgericht. Das sitzt seit vergangenem Donnerstag ein Mann auf der Anklagebank, der 1993 eine Prostituierte umgebracht haben soll.

Doch nicht nur die Zeugen aus dem Drogenmilieu, in dem der Angeklagte zuletzt unterwegs war, offenbaren große Lücken in der Erinnerung. Auch gestandene Ermittler der Polizei haben Schwierigkeiten, sich an die Umstände des Mords und die Einzelheiten aus der Dokumentation des Tatorts zu erinnern.

25 Jahre alte Ermittlungen - Zeuge nicht vorbereitet

Der erste Zeuge heute, ein mittlerweile pensionierter Polizeibeamter, kassiert eine Rüge des Gerichts, weil er zu seiner Zeugenaussage gekommen war, ohne noch mal einen Blick auf seine damaligen Notizen und Protokolle zu werfen. Das muss er in einer halbstündigen Verhandlungspause nachholen. Sich noch einmal einzuarbeiten, das gehöre dazu, so Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser.

Schließlich könne sich beispielsweise auch der Gerichtsmediziner Wolfgang Eisenmenger, der damals die Obduktion durchgeführt habe, nicht darauf berufen, dass der Fall zu lange zurück liege und er seither tausend andere Leichen seziert habe. Eisenmenger begleitet als Sachverständiger des Gerichts das Verfahren.

Die grausamen Details des Prostituiertenmords

Der befragte Polizeibeamte sagt dann aus, dass die Leiche der Getöteten deutliche Würgemale am Hals aufgewiesen habe, die rechte Kopf- und Gesichtsseite sei blutverschmiert gewesen, der Täter hatte mit einem Möbelbein gegen den Kopf der Frau geschlagen. Das rund 20 Zentimeter lange Teil liegt als Asservat in einer Plastiktüte auf dem Richtertisch. In der linken Doppelsocke der Frau habe man einen Hundert-D-Mark-Schein gefunden, so der frühere Ermittler.

Ein anderer Polizist, der mittlerweile 72 Jahre alt ist, kommt mit dem Rollator in den Gerichtssaal, und sagt, er sei gesundheitlich nicht in der Lage gewesen, sich auf seine Aussage vorzubereiten. Auch er kann sich an vieles nicht mehr erinnern, was er im Zuge der Ermittlungen in die Akten eingetragen hatte.

Er hat als Erkennungsdienstler unter anderem Fotos vom Fundort der Leiche gemacht. Um die Bilder anzusehen, müssen Richter und Schöffen an den Zeugentisch kommen, weil der Zeuge nicht mehr lange stehen kann. Andere Zeugen, wie der damalige Notarzt, lassen sich per Attest entschuldigen, liefern aber zumindest schriftliche Antworten auf die Fragen des Gerichts.

Der Angeklagte sitzt währenddessen regungslos mit verschränkten Armen auf der Anklagebank, ganz zurückgelehnt, wie ein Passant, der gar nicht dazugehört.

Eine Leiche im Graben - Zeuge holt Hilfe

Dann die Aussage eines heute 41 Jahre alten Zeugen, der als Schüler die Leiche der Angelika B. gefunden hatte: Er sei damals gegen 8 Uhr mit dem Rad und dem Hund unterwegs gewesen, und da sei im Graben eine leblose Person gelegen. Er habe gedacht, dass die Person von einem Auto überfahren worden sei oder sich vor den Zug geworfen habe, weil neben der Fundstelle ein Zuggleis verläuft. "Ich bin wie ein Irrer heimgefahren, weil ich dachte, vielleicht lebt sie noch." Die Aussage des Zeugen wurde aber wohl anscheinend damals nicht protokolliert.

Eine DNA-Probe führt zu dem Angeklagten

Wie aus gerichtsnahen Kreisen zu hören war, hat die Polizei zuletzt jedoch sehr aufwändig ermittelt: Als durch einen DNA-Treffer ein erster Verdacht auf den Angeklagten gefallen war, ist er wohl mehrere Monate beschattet worden durch verdeckte Ermittler. Auch das soll im Verfahren noch zur Sprache kommen.