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Seit einem Jahr protestieren direkt neben dem Augsburger Rathaus junge Aktivisten für mehr Klimaschutz in ihrer Stadt. Ihnen geht es um Strom ohne Kohle und einen besseren Nahverkehr. In diesem einen Jahr sei nicht viel passiert, beklagen sie.

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Augsburger Klimacamp: Protest auch nach einem Jahr

Seit einem Jahr protestieren direkt neben dem Augsburger Rathaus junge Aktivisten für mehr Klimaschutz in ihrer Stadt. Ihnen geht es um Strom ohne Kohle und einen besseren Nahverkehr. In diesem einen Jahr sei nicht viel passiert, beklagen sie.

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Von
  • Christian Wagner

Die Demonstrationen der Jugendbewegung Fridays for Future sind von der Corona-Pandemie ausgebremst worden. Aber das Augsburger Klimacamp, direkt neben dem Rathaus, hat sich gehalten. Seit genau einem Jahr harren dort junge Aktivisten aus, um - wie sie sagen - die Mitglieder des Stadtrats tagtäglich an ihre Forderungen zu erinnern. Ein zäher - und überzeugter - Protest.

Augsburger Klima-Aktivisten verbuchen einen Erfolg

Immerhin habe die Stadtspitze inzwischen ein CO2-Budget festgesetzt, lobt Klimaaktivist Ingo Blechschmidt. Mit der Marke von maximal 9,7 Millionen Tonnen CO2-Emission bis zum Erreichen einer Klimaneutralität habe der Stadtrat sogar die Forderung aus dem Klimacamp übernommen.

Der 32 Jahre alte Blechschmidt, im Beruf Mathematik-Dozent an der Universität, zeigt sich gleichzeitig verbittert über die sonstigen Klima-Bemühungen der Stadt: Augsburg sei "nicht im geringsten auf dem Pfad", dieses Ziel auch einzuhalten.

Klimaschutz lokal: Sie verlangen Ökostrom und besseren Nahverkehr

Konkret fordern die Klimaschützer deutlich mehr Geld für den Öffentlichen Personennahverkehr. Die 18-Jährige Paula Stoffels erklärt, das Angebot von Straßenbahn- und Bus-Verbindungen müsse so attraktiv und günstig werden, dass die Menschen gerne auf eine Fahrt mit dem Auto verzichten würden. Sie wolle auch niemanden zwingen, ein kaum zufriedenstellendes System nutzen.

Abgesehen vom Verkehr nehmen ihre Forderungen vor allem den Energieverbrauch in den Blick: Augsburg müsse dafür sorgen, dass nur noch nachhaltig produzierter Strom eingekauft und den Bürgern angeboten werde. Diese Bereiche könne eine Großstadt wie Augsburg allein verantworten; hier müsse die Kommune deshalb auch vorangehen.

Grüne Bürgermeisterin weist Kritik zurück

Augsburgs Zweite Bürgermeisterin Martina Wild von den Grünen hält der Kritik entgegen, die Stadt unternehme schon Vieles, um für Klimagerechtigkeit zu sorgen. So werde das Straßenbahnnetz ausgebaut, der Radverkehr werde gefördert.

Wild forderte im Gespräch mit dem BR die Klimaaktivisten auf, sich in Gremien wie dem Klimabeirat zu beteiligen. Der "jüngeren Generation" will die Grünenpolitikerin zwar das Recht zugestehen, ungeduldig zu sein; andererseits werde Klimaschutz nur funktionieren, wenn alle Bürger überzeugt werden könnten.

Klimacamp: Mindestens zwei Aktivisten übernachten auch dort

Im Augsburger Klimacamp sind seit Juli 2020 bei Tag und Nacht mindestens zwei Klima-Aktivisten anwesend, um die Genehmigung als Versammlung nicht zu gefährden: Sie schlafen auf Matratzen und Holzpaletten, über die Planen gespannt sind. Es gebe viel Unterstützung, sagen sie; immer wieder fragten Passanten, wie sie helfen könnten.

Einige haben Material für den Ausbau des Camps vorbeigebracht, andere spenden Geld oder bringen regelmäßig warmes Essen. Stoffels, angehende Medizin-Studentin, sagt, sie wolle rückblickend sagen können, sie habe "in dieser krassen Krisensituation" das Richtige getan. Schließlich warnen Klimaforscher, dass verheerende Entwicklungen schon bald unumkehrbar sein werden, wie die Eis-Schmelze auf Grönland.

Das Klimacamp abbauen? Nur wenn etwas erreicht ist

Die im Herbst anstehende Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs zu ihrem Dauerprotest fürchten sie nicht und appellieren an die Stadt, statt zu klagen, lieber den Klimaschutz voranzutreiben.

Auf die Frage, wie lange das Klimacamp denn noch den kleinen Kopfsteinpflaster-Parkplatz zwischen Rathaus und Perlachturm blockieren soll, antwortet Blechschmidt: "So kurz wie möglich, so lange wie nötig." Denn: Spaß mache es - unter dem Strich - jedenfalls nicht.

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