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So reagiert Augsburg auf die Umbenennung des "Drei Mohren" | BR24

© BR/Christian Wagner

Jahrelang wurde immer wieder über den Namen des Hotels "Drei Mohren" in Augsburg diskutiert. Jetzt hat das Hotel angekündigt seinen Namen zu ändern - in "Maximilian's".

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So reagiert Augsburg auf die Umbenennung des "Drei Mohren"

Seit Jahren wird über den Namen des Hotels "Drei Mohren" an der Augsburger Maximilianstraße diskutiert. Dieser sei diskriminierend und rassistisch, so die Kritiker. Nun reagiert das Hotel und benennt sich um.

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Es ist ein traditionsreiches Luxushotel in bester Augsburger Lage an der Maximilianstraße – doch im Gespräch war das Hotel "Drei Mohren" in den letzten Jahren vor allem wegen seines Namens. Dieser sei rassistisch und diskriminierend, hieß es von den Kritikern. Die Amnesty Jugendgruppe Augsburg hatte in einer Petition sogar die Umbenennung in Hotel "Drei Möhren" gefordert.

"Maximilian's" als neuer Name

Nach dem gewaltsamen Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd Ende Mai wird nun auch in vielen deutschen Städten wieder über die Verwendung des Begriffs "Mohr" diskutiert. Und nun reagiert auch die Hotelleitung in Augsburg: In Zukunft solle das Haus "Maximilian's" heißen, so die Hotelleitung.

Drei Köpfe an der Fassade bleiben erhalten

Bis zum Jahresende soll die Änderung nun abgeschlossen sein. Der Name "Maximilian's" ist dabei für die Hotelgäste nicht ganz neu, denn er wird bereits für eines der hauseigenen Restaurants verwendet. Und auch mit neuem Namen wird weiterhin etwas an die Geschichte des Hauses erinnern: die drei Köpfe an der Fassade. Diese gehören laut Hoteldirektor Gandenheimer zum historischen Ensemble und werden deshalb bleiben.

Geschichte nicht vergessen

Simone G. Bwalya von der "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland" warnt davor, Teile der Kolonialgeschichte einfach aus dem Stadtbild zu tilgen, indem beispielsweise die drei Köpfe von der Fassade entfernt werden, auch wenn sie der Umbenennung grundsätzlich zustimme. "Die Geschichte darf nicht vergessen werden", mahnte Bwalya. Eine Lösung könnte eine Infotafel neben der Fassade sein. So könnten auch Nicht-Augsburger nachvollziehen, welche Bedeutung die Skulpturen des Hotels haben. Generell sei es wichtig, dass die Debatte über Rassismus geführt werde - und nicht totgeschwiegen.

Reaktionen aus Augsburg und Umgebung

In Augsburg ruft die Umbenennung unterschiedliche Reaktionen hervor: Bei einer (nicht repräsentativen) Straßenumfrage bedauerten die Befragten einerseits "den Verlust von Tradition", andere lobten den Schritt als "fortschrittliche Entscheidung".

Der Betreiber des Gasthofs "Zum Mohren" aus Ottobeuren sieht die Umbenennung dagegen kritisch: Neben der 450-jährigen Geschichte der Gaststätte verwies der Wirt Richard Kaulitz auf den Migrationshintergrund, den die Mehrheit seiner Mitarbeiter habe. Die ausländischen Mitarbeitenden seien nicht nur Spülkräfte, sondern in leitenden Positionen tätig. Deshalb wünsche Kaulitz sich eine andere Diskussion.

Hotel berief sich bisher auf Tradition des Namens

Bislang hatte sich die Hotelleitung stets gegen die Forderungen nach einem neuen Namen gestellt, mit Verweis auf die Tradition des Hauses. Der Legende nach sollen im 15. Jahrhundert abessinische Mönche in Augsburg Quartier bezogen haben und mit offenen Armen empfangen worden sein. Der Name sei zu Ehren dieser drei Mönche gewählt worden und stehe für Toleranz und Offenheit, argumentierte Hoteldirektor Theodor Gandenheimer noch im November 2019.

Neuer Name passe zu den internationalen Gästen

Der neue Name "passe besser zur internationalen Vermarktung des Hauses", so Hoteldirektor Gandenheimer. Es habe im Vorfeld viele Diskussionen mit den internationalen Gästen gegeben. Dabei habe man auch einen gesellschaftlichen Wandel erkannt, dem man mit einem neuen Namen Genüge tue.

Im Hinblick auf den langen Weg zur Namensänderung erklärte Gandenheimer, dass eine solche Entscheidung eine gewisse Zeit benötige. 2015 oder 2017 wäre es seiner Meinung nach noch nicht der richtige Zeitpunkt für einen neuen Namen gewesen.

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