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Die schleppende Aufarbeitung des Missbrauchsskandals kostet die Kirche Vertrauen. Nicht erst seit dem Rücktrittsangebot von Kardinal Marx tobt der Reformstreit in der katholischen Kirche. Scheitert die Kirche an sich selbst?

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Augsburger Bischof Bertram Meier will Homosexuelle segnen

Nachdem sich der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing für die Segnung homosexueller Paare ausgesprochen hatte, zieht nun ein weiteres hochrangiges Kirchenmitglied nach: Betram Meier, der Bischof von Augsburg.

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Von
  • Ferdinand Meyen

"Ich lehne niemals einen Segen ab für Menschen, die zu mir kommen, um sich segnen zu lassen", so antwortete der Augsburger Bischof Bertram Meier am Mittwochabend in der Münchner Runde im BR Fernsehen auf die Frage, ob er homosexuelle Paare segnen würde. Damit stellt er sich gegen die katholische Kirche, die das durch die Glaubenskongregation verbietet. "Wenn Menschen sagen, sie wollen Werte wie Treue und Verbindlichkeit leben, dann gebe ich ihnen den Segen. Gutes Sprechen aus dem Munde Gottes sollten wir niemandem verweigern", so Meier weiter.

Meier stelle sich damit aber nicht offen gegen Rom, sagte er. Weltkirchliche Lehren könne er trotzdem noch verantworten, auch wenn sie zunächst nicht im Sinne der vatikanistischen Idee erscheinen würden. Gleichzeitig dürfe bei der Segnung aber nicht der Eindruck erweckt werden, es handele sich um eine Ehe, so Meier weiter. "Ich würde nicht mit der Stola die Hände umwickeln und Formeln sprechen, die zu einer sakramentalen Eheschließung gehören", erklärte er weiter.

Maria 1.0 Gründerin widerspricht Bischof

Clara Steinbrecher widersprach dem Ansatz des Bischofs in der Sendung. Die Gründerin der Initiative Maria 1.0, die sich als Gegenspielerin der Gruppe Maria 2.0 versteht, will nicht, dass die katholische Kirche homosexuelle Paare segnet. "Dass Homosexualität eine Sünde ist, kommt aus der heiligen Schrift", sagte die 23-jährige Studentin. Menschen würden sich in ihrer Geschlechtlichkeit ergänzen. Insofern sei es nachvollziehbar, dass sie gleichgeschlechtliche Paare nicht gutheiße. Steinbrecher weiter: "Kirche muss an dieser Stelle nicht darüber nachdenken, ob man das segnet, sondern sie müsste sich fragen, wie man solchen Menschen helfen kann". Außerdem, so die überzeugte Katholikin, dürfe Kirche nicht das vertreten, was alle vertreten. Ihr Argument: "Die Mehrheit ist nicht immer die Wahrheit".

Betroffenenrat fassungslos

Kai Christian Moritz vom Betroffenenrat der Deutschen Bischofskonferenz nannte diese Argumente "geistige Brandstiftung". Der Schauspieler, der in seiner Kindheit in der Kirche sexuell missbraucht wurde, zeigte sich fassungslos: "Dass man hier so tut, als sei das eine Krankheit, das ist schon eine neue Qualität. Wir wollen die Liebe als Kirche segnen lassen. Wir sind offen für alle anderen Lebensformen". Die Liebe sei das Stärkste, was die Kirche zu bieten habe und darum soll es laut Kai Christian Moritz in erster Linie gehen. Das betreffe sowohl homosexuelle, als auch LGBTQ-Paare.

Bischof gegen Frauen als Priesterinnen

In der Diskussionsrunde ging es auch um andere Reformen der katholischen Kirche, damit das durch die Missbrauchsfälle verlorene Vertrauen vieler Gläubiger zurückgewonnen werden kann. Eine Priesterweihe für Frauen lehnt Bischof Bertram Meier aus Augsburg anders als die Segnung Homosexueller aber ab. Darin sieht er einen zu großen Quantensprung. "Der Weg der katholischen Kirche als Global Player ist ein Weg der kleinen Schritte", so Meier. Dabei bezog er sich auf den früheren Papst Johannes Paul II., der die Priesterweihe für Frauen ablehnte, worin er eine "bindende Lehre" sieht.

Kritik gab es dazu von der Schweizer Theologin und Journalistin Jacqueline Straub. Sie mahnte: "In Brasilien, dem größten katholischen Land der Welt, befürworten 78 Prozent der Katholiken das Frauenpriestertum und ungefähr im gleichen Maße den freiwilligen Zölibat". Deshalb müsse sich die katholische Kirche weltweit modernisieren, forderte Straub.

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