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Wie die Krähe Rudi vor dem Erblinden gerettet wurde | BR24

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Wie die Krähe Rudi vor dem Erblinden gerettet wurde

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Wie die Krähe Rudi vor dem Erblinden gerettet wurde

Ludwig Eder aus Steindorf bei Augsburg hat hunderte Tiere unter seinen Fittichen - vom Hirsch bis zum Huhn. Sogar das Erdgeschoss haben er und seine Frau für notleidende Tiere geräumt. Nun ist ein neues Sorgenkind dazugekommen: Die Krähe Rudi.

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Von
  • Andreas Herz

Wenn er nicht gerade kräht, nutzt die Krähe Rudi ihren Schnabel, um sich mit pickenden Bewegungen voran zu tasten. Anders findet er sich nicht mehr zurecht, erklärt Ludwig Eder, der den Vogel pflegt: "In seinen Pupillen sieht man so einen grauen Fleck. Das sind Eiweiß-Ablagerungen. Das ist so, wie wenn man im Auto eine verdreckte Scheibe hat und dann gegen das Sonnenlicht schaut. Da sieht man nichts mehr."

Rudi wird in Berlin operiert

Deswegen will er die Krähe operieren lassen. In München hätte Ludwig Eder tausende Euro dafür bezahlen müssen. Deshalb geht es gleich auf nach Berlin. Dort ist es billiger. Doch der Erfolg bleibt ungewiss. "Am gefährlichsten ist die Narkose. Der Kreislauf von Vögeln ist extrem empfindlich, viele Tiere haben einen extremen Ruhepuls. Wenn sie erschrecken, können sie leicht sterben", erklärt Eder.  

Bange Momente im OP

Im provisorischen Zuhause darf Rudi noch ein paar Obststücke picken und im Trinkbecken plantschen. Dann geht es los nach Berlin. Einige Stunden später hat eine Arzthelferin Rudi in ein Handtuch gewickelt. Über seinen Kopf ist eine durchsichtigen Glocke gestülpt, über die Betäubungsgas in Rudis Lungen strömt. Bange Momente, doch Rudi überlebt die Betäubung. Nun schneidet die Tierärztin die Linse auf, zertrümmert das blindmachende Eiweiß und saugt es ab. Danach wird die Hornhaut der Linse wieder zugenäht.

Am Tag danach besuchen wir Ludwig Eder erneut. Rudi scheint sein Augenlicht wieder zu haben, berichtet Ludwig Eder: "Heute ist er schon auf die Schaukel gesprungen und überhaupt findet er sich wieder besser zurecht. Vorher hat er sich ja immer mit seinem Schnabel voran getastet."

"Warum soll ich Rudi nicht helfen"

Hunderte Euro hat er sich das kosten lassen, plus eine lange Fahrt nach Berlin. Und alles für eine Krähe. Verrückt sagen manche. Doch Ludwig Eder ist das egal: "Natürlich ist es einfacher, wenn einem alles egal ist und man so narzisstisch durch die Welt geht wie Donald Trump. Aber mir liegen alle Lebewesen am Herzen. Und wenn ich dem Rudi helfen kann, warum soll ich es nicht tun?"

Wenn es geht, will Ludwig Eder Rudi auswildern. Ein Vogel, der sieht wohin er fliegt, gehöre in die Luft und nicht in einen Käfig.

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