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Augsburg plant neue Kultur für gemeinschaftliches Wohnen | BR24

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Erstmals will Augsburg beim Verkauf von Grundstücken eher nach Idee und Konzept für soziales Wohnen entscheiden als nach dem erzielbaren Preis. Deswegen hofft eine kleine Wohnbaugenossenschaft auf den Zuschlag für ein altes Kasernengelände.

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Augsburg plant neue Kultur für gemeinschaftliches Wohnen

Erstmals will Augsburg beim Verkauf von Grundstücken eher nach Idee und Konzept für soziales Wohnen entscheiden als nach dem erzielbaren Preis. Deswegen hofft eine kleine Wohnbaugenossenschaft auf den Zuschlag für ein altes Kasernengelände.

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Hilde Strobl und ihre Mitstreiter stehen auf dem Gelände der früheren Sheridan-Kaserne im Augsburger Westen. Wo einst Baracken und Unterkünfte standen, pfeift aktuell nur der Wind über die riesige brachliegende Fläche. Hilde Strobl von der "WOGENAU" kann sich hier schon bald eine belebte Wohnanalage vorstellen. "Es ist ein sympathisches Gelände – ruhig und doch in der Stadt", meint Strobl. Die Fläche ist eine der letzten verfügbaren im Augsburger Stadtgebiet und die kleine Bürger-Genossenschaft bewirbt sich darum.

Zu den 50 Mitgliedern der Genossenschaft gehört auch Holger Werner. Seit acht Jahren sei er Mieter in Augsburg, erzählt er. Eine Freundin habe ihn auf die Idee aufmerksam gemacht. Die Vorstellung, gemeinsam zu bauen, gefiel ihm. Und, sagt er, "mit Leuten in so einer Gemeinschaft, mit diesen Freiräumen und Gemeinschaftsräumen zusammenzuleben – also gerade auch fürs Alter finde ich das sehr attraktiv."

Großes Interesse am Sheridan-Gelände

Ende letzter Woche informierte die Stadt Augsburg über die Bedingungen, zu denen Flächen der ehemaligen Sheridan-Kaserne verkauft werden sollen. Gut 200 Interessierte drängten sich in einem kleinen Saal. Augsburg kündigte an, Konzepte wie das der "WOGENAU" erstmals bei einer Ausschreibung zu berücksichtigen. "Augsburg hat die Kultur für gemeinschaftliches Wohnen. Bei uns wächst eine Pflanze und es ist unsere Aufgabe als Stadtverwaltung, das zu unterstützen", erklärte die Projektleiterin für Konversionsflächen in Augsburg, Nicole Christ.

Genossenschaft hofft auf Zuschlag

Neben der reinen Wohnfläche umfassen die Ideen der "WOGENAU" auch Gemeinschaftsräume wie Partykeller oder eine Werkstatt. Die Hoffnungen der kleinen Bauherren-Genossenschaft ruhen auf den Plänen der Stadt, ihre Grundstücke nicht allein nach dem zu erzielenden Preis, sondern vor allem nach der Idee und dem Konzept für gemeinschaftliches und sozial verträgliches Wohnen zu vergeben.

Bürger sollen neues Quartier mitgestalten

Christ beschäftigt sich seit Monaten mit der künftigen Nutzung des ehemaligen Militärgeländes. Unterstützung bekommt sie von Natalie Schaller von der Stattbau München GmbH. Der Bürger könne mit solchen Projekten wieder vom reinen Konsumenten zum Produzenten einer Stadt werden, formuliert Schaller. Was dabei entstehe, seien Quartiere, in denen die Leute nicht nur wohnen, sondern wo sie auch ihre Nachbarschaft mitgestalten.

Die vielen unterschiedlichen Charaktere sind dabei Chance und Herausforderung zugleich. Denn Projekte wie das der "WOGENAU" fordern reichlich Kompromisse, unterstreicht Volker Bogatzki, der als Familienvater ebenfalls auf einen Platz im Konzept der Genossenschaft hofft. Es gehe nicht nur ums Bauen, sagt Bogatzki, sondern darum, sich kennenzulernen, Kompromisse zu schließen und eine Gemeinschaft zu finden, mit der man das Projekt umsetzen könne.

Im Herbst bewertet eine Jury die Wohnkonzepte

Noch sucht die "WOGENAU" nach weiteren Mitgliedern. Je größer die Gemeinschaft ist, desto größer auch die Chance auf den Zuschlag für die Flächen auf dem Sheridan-Gelände. Im Sommer soll die Preisvorstellung der Stadt vorliegen. Nur wenn der Preis stimmt, können Gemeinschaftseinrichtungen wie Partykeller - Werkstatt oder Freiflächen - realisiert werden.

Im Herbst muss dann die "WOGENAU" ihr Baukonzept bei einer Jury aus Experten und Vertretern der Stadt abgeben. Bis zum kommenden Frühjahr hofft Hilde Strobl auf ein Ergebnis.

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Mittags in Schwaben

Von
  • René Kirsch
  • Kilian Geiser
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