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Wie stark hat sich das Corona-Virus in der Bevölkerung verbreitet und sind die zuletzt gestiegenen Zahlen schon der Hinweis auf eine "zweite Welle"? Antworten auf diese Fragen lassen sich auch aus dem Abwasser herauslesen.

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Müffelndes Frühwarnsystem: Corona-Nachweis durch Abwasser

Wie stark hat sich das Corona-Virus in der Bevölkerung verbreitet? Sind die zuletzt gestiegenen Zahlen schon der Hinweis auf eine "zweite Welle"? Antworten auf diese Fragen lassen sich auch aus dem Abwasser herauslesen. Ein Ortstermin in Augsburg.

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Wenn die Bayern in der Früh auf die Toilette gehen, dann landen auch Corona-Viren im Abwasser - von jedem Infizierten, egal ob er Krankheitssymptome hat oder nicht. In Augsburg landet dieses Abwasser sechs Stunden später bei Jürgen Demeter.

Toilettenwasser im Test-Labor

Im Augsburger Klärwerk zieht der Laborleiter seit drei Wochen Corona-Proben in kleinen Kunststoff-Röhrchen. Die werden einmal die Woche tiefgefroren nach München an die Technische Universität geschickt. Denn die Augsburger Stadtentwässerung macht mit bei einer Studie.

Was Abwässer über unsere Lebensweise verraten

Was unter unseren Füßen unbemerkt seiner Aufbereitung entgegenfließt, verrät viel darüber, was unsere Gesellschaft so treibt und was sie umtreibt. Konsum von Medikamenten und Drogen hinterlässt ebenso seine Spuren im Abwasser wie Krankheitserreger.

Und das wollen sich Mikrobiologen auch in Bayern zunutze machen - außer in Augsburg auch in München, Weiden, Starnberg, Freising und Erlangen. Das Ziel: Einen Anstieg von Corona-Infektionen frühzeitig erkennen, nämlich sobald mehr vom Erbgut des Virus im Abwasser nachzuweisen ist. Im Vergleich zu den Abstrich-Tests in den Arztpraxen geht das deutlich schneller.

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Wie kann ein erneuter Corona-Ausbruch möglichst früh erkannt werden? Klar, durch flächendeckende Tests. Es gibt aber eine weitere Möglichkeit, die etwa in den Niederlanden durchgeführt wird: Eine Überwachung des Abwassers.

Vorreiter: Die Niederlande

Wie weit im Vorhinein Infektionen vorhergesagt werden können, haben als erstes Forscher des niederländischen Wasserforschungsinstituts KWR herausgefunden.

"In Amersfoort haben wir das Virus am 5. März im Abwasser entdeckt. Der erste Corona-Patient in dieser Stadt ist erst eine Woche später registriert worden. Daraufhin haben wir nach weiteren Orten gesucht, die noch Corona-frei waren, die Watteninsel Terschelling zum Beispiel. Da haben wir dann ebenfalls gemessen und wurden fündig. " Gertjan Medema, Mikrobiologe

Warum sich Augsburg für die Studie eignet

Das Augsburger Kanalnetz eignet sich besonders für die Studie, denn es gibt vier automatisierte Probenentnahmestellen, an weiteren Knotenpunkten im Kanal können kurzfristig weitere Proben-Automaten installiert werden, etwa wenn es Hinweise auf einen Corona-Hotspot in einem der Stadtviertel gibt.

Erkenntnisse auch für neue Infektionen

Proben nehmen und auswerten und daraus Schlüsse ziehen - die Fachleute bei der Augsburger Stadtentwässerung sehen das auch als Vorbereitung - auf künftige Virus-Epidemien, die uns noch bevorstehen könnten.

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