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Bei der Bundestagswahl holte die AfD im Wahlkreis Deggendorf das beste Zweitstimmen-Ergebnis in Westdeutschland
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Andreas Wenleder
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Bei der Bundestagswahl holte die AfD im Wahlkreis Deggendorf das beste Zweitstimmen-Ergebnis in Westdeutschland

20 Prozent plus ein deutliches X erwartet die niederbayerische AfD-Spitzenkandidatin Katrin Ebner-Steiner im Raum Deggendorf für ihre Partei. Schon bei der Bundestagswahl holte die AfD in ihrem Wahlkreis das beste Zweitstimmen-Ergebnis in ganz Westdeutschland. Mit dem Erfolg der Partei, habe sich das politische Klima in Deggendorf verändert, sagt Deggendorfs Landrat Christian Bernreiter von der CSU, der auch von Einschüchterungsversuchen im Wahlkampf berichtet:

"Da fallen dann wirklich wörtlich Zitate: 'Wenn wir regieren werdet ihr alle eingesperrt.' Da träumt man wirklich, dass die Regierungsübernahme bevorsteht und dann ändert sich alles." Christian Bernreiter

Die AfD wiederum berichtet von angezündeten Flyern und zahlreichen zerstörten Wahlplakaten im Raum Deggendorf. Ein raues politisches Klima erlebt derzeit auch der Landtagskandidat der niederbayerischen Grünen, Toni Schuberl aus Eging bei Passau.

"Ich habe von Vorfällen gehört und natürlich kenn ich es, wie es im Internet läuft. Man merkt schon, dass der Ton deutlich extremer wird. Und wenn ich mir vorstelle, ich wäre Ausländer in diesem Land zurzeit, würde ich mich nicht wohlfühlen." Toni Schuberl

Gruppen aus dem rechten Spektrum

Schuberls Sorge gilt aber nicht nur der AfD. Im Raum Deggendorf seien mittlerweile auch andere Gruppen aus dem rechten Spektrum aktiv. Hier ist auch die schlagende Burschenschaft "Markomannia Wien zu Deggendorf" zuhause. Vor knapp zehn Jahren gründet sich die Burschenschaft am jungen Hochschulstandort. Seitdem bezieht sie sich auf eine alte Wiener Studenten-Verbindung. In dieser war unter anderem auch Rudolf Jung aktiv, einer der Ideologen des Nationalsozialismus. Als Mitglied im Dachverband "Deutsche Burschenschaft" zählt Landtagskandidat Toni Schuberl die Markomannia zum rechten Rand der Studenten-Verbindungen. Innerhalb dieses Verbandes hatte es in der Vergangenheit Diskussionen um die Zulassung von Mitgliedern ohne deutsche Abstammung gegeben.

Eine Zusammenarbeit der AfD mit der Burschenschaft gebe es nicht, teilt die Kreisvorsitzende Katrin Ebner-Steiner schriftlich mit. Doch in der Vergangenheit gab es durchaus einzelne Verbindungen. Fotos, die dem Bayerischen Rundfunk vorliegen zeigen ehemalige Mitglieder des Deggendorfer AfD-Kreisvorstandes bei Treffen der Burschenschaft in typischer Kleidung. Auch wenn politisches Engagement für sie Privatsache sei, bestätigt die Burschenschaft, dass einige ihrer Mitglieder in Parteien aktiv sind oder waren: In der CDU, der österreichischen FPÖ und eben auch in der AfD.

Identitäre Bewegung

Neben diesen Verbindungen zur AfD gibt es aber auch noch Berührungspunkte der Burschenschaft mit einer extremeren Gruppe: der Identitären Bewegung, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. So zeigt ein Foto, aufgenommen im Verbindungshaus der Burschenschaft, 17 junge Menschen mit einem Banner der Identitären Bewegung. Der Anlass laut den Identitären: Die Gründung einer Ortsgruppe. Für Kenner der rechten Szene in Niederbayern, wie den Journalisten Jan Nowak, ist das Foto auch ein Hinweis auf personelle Überschneidungen zwischen Burschenschaft und Identitärer Bewegung.

"Wenn man sich die Bilder der Gründungsveranstaltung anschaut, entdeckt man da eben auch mindestens eine Person, die sowohl bei der Markomannia Wien zu Deggendorf aktiv, als auch bei der dieser Gründungsveranstaltung zugegen war. Sodass man da durchaus personelle Überschneidungen annehmen kann." Jan Nowak

Den Identitären habe man selbst keine Räume zur Verfügung gestellt, teilt dagegen die Burschenschaft mit. Bei der Zusammenkunft soll es sich stattdessen um ein privates Treffen auf Einladung eines einzelnen Mitglieds der Burschenschaft gehandelt haben.

Den Gruppen entgegenstellen

Auch wenn die Gruppen offiziell um Abgrenzung von einander bemüht sind, zeigen die Beispiele personelle Verbindungen. Den selbstbewusster werdenden rechten Gruppen in Deggendorf müssten sich alle entgegenstellen, fordert Landrat Bernreiter. Er selbst gibt sich jedenfalls kämpferisch.

"Wir müssen uns jeglicher Form von Extremismus entgegensetzen. Wer unsere Grundfesten angreifen möchte, der wird natürlich unseren erbitterten Widerstand erfahren. Und da müssen wir auch aufstehen und den Menschen das sagen. Die Maske runterreißen: Was steckt wirklich hinter solchen Leuten. Und das muss man den Menschen auch mitteilen." Christian Bernreiter