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Auftakt der 67. Festspiele Europäische Wochen Passau | BR24

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Die Europäischen Wochen Passau gehen in ihre 67. Festspielsaison. Kunstminister Bernd Sibler (CSU) hat das Musikfestival am Freitag eröffnet. In der Spielzeit 2019 stehen hochklassige Sinfonie- und Kammerkonzerte sowie Liederabende auf dem Programm.

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Auftakt der 67. Festspiele Europäische Wochen Passau

Die Europäischen Wochen Passau gehen in ihre 67. Festspielsaison. Kunstminister Bernd Sibler (CSU) hat das Musikfestival am Freitag eröffnet. In der Spielzeit 2019 stehen hochklassige Sinfonie- und Kammerkonzerte sowie Liederabende auf dem Programm.

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Sie sind einer der Höhepunkte im Bayerischen Festspielkalender: die Europäischen Wochen Passau (EW). Am Freitagabend war im Rathaus die feierliche Eröffnung der 67. Festspiele.

Feierliche Eröffnung mit Konzert

Kunstminister Bernd Sibler (CSU) hat das grenzübergreifende Musikfestival eröffnet. An 20 Orten in Bayern, Österreich und Tschechien finden bis Ende Juli 50 Veranstaltungen statt. Die Künstler greifen den Angaben nach dabei auch politische Themen auf, etwa die Flüchtlingssituation, den Brexit oder die Entwicklung in Ungarn. Das Festival bringe Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammen und feiere "was Europa stark macht: Vielfalt, Integrationskraft und die Schönheit der europäischen Kultur", sagte Sibler. Zum Auftakt stand ein Konzert mit Streichern und Klarinette auf dem Programm.

Bis Ende Juli folgen etwa 50 Veranstaltungen: Konzerte, Theateraufführungen, Vorträge, Lesungen und Diskussionsveranstaltungen. Nach der turbulenten und schwierigen Spielzeit im letzten Jahr will der Trägerverein die Festspiele heuer in ruhigeres Fahrwasser führen. Die Kritik am Verein bzw. dessen Vorstand hält dennoch an.

Internationale Starmusiker in Passau

An Höhepunkten mangelt es den diesjährigen Festspielen nicht. Dazu gehören beispielsweise Konzerte mit der Amsterdam Sinfonietta, den Regensburger Domspatzen und die Rekonstruktion von Beethovens erstem Wiener Akademiekonzert aus dem Jahr 1800 mit dem Weltklasse-Pianisten Kristian Bezuidenhout. Zu Gast sind auch Stargeiger Frank Peter Zimmermann, die russische Sopranistin Julia Lezhneva und das zwölfjährige Geigen-Wunderkind Leia Zhu. Theaterfreunde können sich beispielsweise auf Victor Hugos "Der Glöckner von Notre Dame" oder die deutsche Erstaufführung von "Lampedusa Way" mit Lina Prosa als Regisseurin freuen. Dazu gibt es etwa ein Dutzend Veranstaltungen, die sich um Fragen rund um Europa drehen. Festspielleiter Carsten Gerhard im BR-Interview:

"Wir haben uns die Frage gestellt, was Kulturfestspiele zum Europäischen Gedanken beitragen können. Die Europäischen Wochen wollen ihrem Namen gerecht werden und an das Friedensprojekt Europa erinnern." Carsten Gerhard, Festspielleiter

Schwierigkeiten bei den Festspielen im letzten Jahr

"Ich sehe den diesjährigen Festspielen deutliche entspannter als im letzten Jahr entgegen", sagte Rosemarie Weber, Vorsitzende des Festspielvereins. 2018 war geprägt von Turbulenzen. Wenige Wochen vor Beginn der Festspiele musste der bei seinem Antritt hochgejubelte Intendant Thomas E. Bauer nach nur einer Spielzeit gehen. Hauptgrund war eine Finanzierungslücke von über 300.000 Euro, die laut Festspielverein Bauer zu verantworten hatte. Die EW 2018 standen kurz vor dem Aus, wurden dennoch – wenn auch in deutlich abgespeckter Version – durchgezogen. Die Finanzierung der diesjährigen EW mit einem Budget von etwa 1,2 Millionen Euro steht, versichert Weber. Ebenso die Neuausrichtung des Trägervereins.

Entmachtung des Intendanten?

Vor einigen Wochen segneten die Vereinsmitglieder eine neue Satzung ab – unter anderem mit der Zielrichtung, dass alle unternehmerische Verantwortung beim Vereinsvorstand liegt. Der künstlerische Leiter ist mehr oder weniger außen vor. Eine Entmachtung des Intendanten? Vorstand Weber:

"Hier geht es nicht um mehr Macht, sondern um mehr Kontrolle, die jetzt beim Vorstand bleibt." Rosemarie Weber, Vorsitzende Festspielverein

Kritik an Verein

Eine Neuausrichtung, die nicht allen gefällt. Es gibt namhafte Kritiker. Zum Beispiel Pankraz Freiherr von Freyberg, EW-Intendant von 1995 bis 2011, und der bekannte Kulturkritiker Hermann Schmidt. Letzterer ist nach jahrzehntelanger Mitgliedschaft aus dem Trägerverein ausgetreten. Schmidt zum BR:

"Die EW waren mein Herzenskind, jetzt sind sie für mich ein Scherbenhaufen." Hermann Schmidt, Kulturkritiker

Die völlige Entmachtung des künstlerischen Leiters könne er nicht mittragen. Ebenso wenig die Art, wie die Vorstandschaft mit der Krise im letzten Jahr umgegangen sei. Es habe nie eine echte Aufklärung gegenüber den Mitgliedern gegeben. Das Programm 2019 bezeichnet Schmidt als "Rückschritt in der Qualität".

Europäische Wochen als eines der größten Kulturfestivals in Bayern

Die Festspiele Europäische Wochen sind eines der größten Kulturfestivals in Bayern, das größte in der Dreiländerregion Ostbayern, Böhmen und Oberösterreich. Amerikanische Kulturoffiziere haben sie 1952 aus der Taufe gehoben. Neben der kulturellen ging es immer auch um die politische Ausrichtung. Die EW sind Mitglied der Association Européenne des Festivals, einem Verband, dem etwa 100 europäische Kulturfestivals angehören. Außerdem sind sie mit Europäischen Kulturpreis und als "spartenreichstes Kulturfestival in Deutschland" ausgezeichnet worden.