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Da mehrere Schüler positiv getestet wurden, hat das Gesundheitsamt an der Mittelschule Holderhecke in Bergrheinfeld Corona-Tests angeordnet. Vor dem Schulgebäude organisierte die Bürgerinitiative "Eltern stehen auf" einen Protest.

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Aufregung wegen Corona-Tests an Bergrheinfelder Mittelschule

In Bergrheinfeld haben etwa 40 Personen gegen Corona-Tests protestiert, die an der dortigen Mittelschule stattfinden sollten. Die Bürgerinitiative "Eltern stehen auf" organisierte die Aktion. Die Testmethode wäre für ein Massenscreening unzulässig.

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Von
  • Ralph Wege
  • Corona-Pandemie: Aktuelle Informationen zur Situation in Unterfranken finden Sie hier.

Rund 40 Personen protestierten am Freitagmorgen in Berghreinfeld gegen Corona-Tests, die im Laufe des Tages an der Bergrheinfelder Mittelschule "Holderhecke" durchgeführt werden sollten. Den Protest organisierten vor dem Schulgebäude die Bürgerinitiative "Eltern stehen auf". Wie Schulleiter Peter Friedrich dem BR erklärte, seien mehrere Schüler in der Mittelschule positiv auf das Coronavirus getestet worden. "Darum wurde vom Gesundheitsamt per Allgemeinverfügung dieser Test angeordnet", sagte Friedrich. Friedrich zufolge habe das Gesundheitsamt alle Lehrer und Schüler der Mittelschule "Holderhecke" auf das Coronavirus testen wollen.

Test laut Bürgerinitiative nicht für Massescreening zugelassen

Marco Kister, ein Sprecher der Bürgerinitiative "Eltern stehen auf", teilte dem BR mit: "Wir sind gegen den Test, weil er kein validierter Test ist." Demnach wäre er für das Massenscreening nicht zugelassen. Dies könnte man auf der Verpackung lesen, behauptete Kister. Darüber hinaus vermutete die Bürgerinitiative, dass der Test nicht zuverlässig sei. Somit führe dies zu falschen Positiv-Ergebnissen. Laut Kister würde dies die Corona-Fall-Zahlen "künstlich in die Höhe treiben". Als Folge befürchtete Kister, dass für Eltern und Schüler weitere Sanktionen erlassen würden.

RKI und unabhängige Prüfer: PCR-Tests zuverlässig

Die Frage, ob Tests in einem erheblichen Maß falsch positiv ausschlagen, beschäftigt auch das Robert-Koch-Institut, RKI. Wird eine Person fälschlicherweise positiv getestet, obwohl sie eigentlich nicht infiziert ist, spricht man von "falsch-positiv". Rund um die Frage, wie hoch diese falsch positiven Quoten bei den Tests ausfallen, ranken sich inzwischen auch Verschwörungsmythen im Netz. INSTAND, die "Gesellschaft zur Förderung der Qualitätssicherung in medizinischen Laboratorien" hat Zwischenergebnisse zu einer Studie der Zuverlässigkeit der PCR-Tests veröffentlicht. Demnach lag die Treffsicherheit für den Virusnachweis bei rund 99 Prozent (Sensitivität). Das RKI selbst geht davon aus, dass falsch-positive Ergebnisse "nach derzeitigen Erkenntnissen nur selten" vorkommen. Auch vom RKI unabhängige Experten wie Marc Lütgehetmann, Labormediziner und Oberarzt am Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene an der Universitätsklinik Hamburg Eppendorf (UKE) gehen davon aus, dass die tatsächlichen Erfolgsquoten sogar noch höher liegen, bei fast 100 Prozent.

"Eltern stehen auf" wollte Corona-Test verhindern

Bereits am Donnerstagnachmittag waren Flyer in Bergrheinfeld verteilt worden. Auf den Flugblättern stand unter anderem: "Stoppt den Testwahn". Außerdem waren auf dem Lehrerparkplatz und der Straße vor der Mittelschule mehrere Botschaften mit Kreide geschrieben. So war etwa zu lesen: "Finger weg von unseren Kindern", "Wir wollen keinen PCR-Test". Noch vor Schulbeginn entfernte die Gemeinde Bergrheinfeld die Kreidebotschaften wieder. Als eine mobile Teststation auf dem Schulgelände eintraf, buhten die Demonstranten diese aus. Über einen mobilen Lautsprecher verkündete Kister: "Die Eltern sind nicht informiert und wissen auch nicht Bescheid. Sie hatten keine Wahl, sich mit einem Arzt zu besprechen oder untereinander auszutauschen, weil sie erst gestern nach der Schule vor vollendete Tatsache gestellt wurden. Die Eltern hätten nur die Möglichkeit gehabt, ja anzukreuzen, ich lasse mein Kind testen oder das Kind darf ab Montag nicht mehr in die Schule."

Aktivisten für mehr Mitsprache und Einbeziehung weiterer Experten

Diese Vorgehensweise sei aus Sicht von "Eltern stehen auf" Gruppenzwang. Überdies wünscht sich die Bürgerinitiative eine "neue Diskussion über die aktuellen Maßnahmen". Es sei wichtig, dass man alle Experten anhöre und nicht nur ein paar "Auserwählte". Die Bürgerinitiative fordert somit eine "Neubewertung der Maßnahmen", die in ihren Augen derzeit übertrieben seien. Diese Maßnahmen würden zu stark in das soziale Leben der Menschen eingreifen. Die Protestaktion endete nach knapp zwei Stunden und verlief friedlich.

300 Schüler, Lehrer und Angestellte an mobiler Teststrecke getestet

Laut Gesundheitsamt Schweinfurt wurde auf dem Schulgelände eine mobile Teststrecke aufgebaut und am Vormittag etwa 300 Personen getestet. Neben Schülern, Lehrern und Angestellten der Mittelschule "Holderhecke" wurden auch Proben von Schülern, Lehrern und Angestellten der Außenstelle der Franziskus-Schule genommen. Mit den Ergebnissen ist laut dem Betreiber der mobilen Teststrecke bis Montag zu rechnen. Wie das Gesundheitsamt mitteilt, müssen Schüler, die an der Reihentestung nicht teilgenommen haben, ein ärztliches Attest vorlegen, dass sie sich anderweitig einer Testung auf SARS-CoV-2 unterzogen haben.

Die Schulleitung der Mittelschule hatte gemeinsam mit dem Schulamt beschlossen, dass die Mittelschule "Holderhecke" am Montag geschlossen bleibt.

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