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Aufregung um Jägerstand in Nürnberg | BR24

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Ein neuer Hochsitz zwischen dem Nürnberger Tiergarten und einem Wohngebiet sorgt für Unmut. Teile der Anwohner fühlen sich nicht mehr sicher, wenn sie durch den Wald spazieren gehen.

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Aufregung um Jägerstand in Nürnberg

Ein neuer Hochsitz im Nürnberger Siedlerwald, zwischen Tiergarten und Wohngebiet, sorgt für Unmut. Teile der Anwohner fühlen sich nicht mehr sicher, wenn sie mit Hund durch das Naherholungsgebiet am Rande der Stadt gehen.

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Noch ist hier kein Schuss abgegeben worden – doch die Aufregung ist groß. Die Bayerischen Staatsforsten sehen sich gezwungen, die frisch aufgeforsteten Bäume zu schützen – schließlich haben die vergangenen zwei trockenen Jahre für ein massives Kiefernsterben auch in diesem Waldstück gesorgt.

Wald wird vielseitig genutzt

Rainer Kadner hat sich extra aufs Fahrrad geschwungen, als er von dem neuen Hochstand gehört hat. Sein Ziel – der neue Hochstand, keine 50 Meter entfernt von einem der Fuß- und Radwege durch den Stadtwald. Der verbindet das Wohngbiet an der Siedlerstraße mit dem Tiergarten. Mitten im Nürnberger Stadtteil Zerzabelshof, "Zabo", wie sie hier sagen. Rainer Kadner ist auch aktiv im Vorstadtverein Zabo. Ein Jägerstand, hier im kleinen Naherholungswald, das kann er kaum glauben.

„Der Bereich dieses Wäldchens ist derartig stark frequentiert, von uns 'Zaboranern', mit Hund, ohne Hund, mit Fahrrad, mit Rollstuhl, die Sportvereine joggen hier durch, auch in der Nacht, die Verbindung vom Tiergarten runter ins Wohngebiet ist auch nachts frequentiert, und hier in dem Bereich eine Jagdkanzel aufzubauen, Tiere zu schießen, ist völlig falsch.“ Rainer Kadner, Anwohner

Der Jagdpächter hat den Hochstand aufgebaut, und macht das im Auftrag der Bayerischen Staatsforsten. Die haben gerade in diesem Waldstück mit der Dürre der vergangenen zwei Jahre zu kämpfen, zahlreiche Kiefern mussten geschlagen werden, andere, hitzeresistentere Laubbäume werden gerade aufgeforstet. Und da sind vor allem Rehe der größte Feind.

„Wir hatten gerade erst hier westlich vom Tiergarten letztes Jahr sehr hohes Medieninteresse, weil eine große Fläche abgestorben ist an alten Kiefern. Und jetzt besteht auch die Notwendigkeit, die Fläche zu bestocken und in den richtigen Baumarten zu bestocken, und dann sind wir wieder bei dem Punkt, dass wir die Balance brauchen zwischen Wildbestand und den jungen Bäumen, die da frei aufwachsen können müssen.“ Johannes Wurm, Betriebsleiter Bayerische Staatsforsten

Der etwa fünf Meter hohe Ansitz soll dafür sorgen, dass bei einem Schuss schon alleine aufgrund des Winkels keine Gefahr durch Abpraller drohe. Bei einem potenziellen Abschuss würden alle Vorsichtsmaßnahmen eingehalten und keine Anwohner gefährdet.

„Das ist eine Besonderheit von der Jagd hier im Nürnberger Reichswald, wir sind uns dessen bewusst, das eine ist nah an der Wohnbebauung jagen, das andere ist die Erholungsnutzung. Sie müssen hier grundsätzlich höchste Vorsicht walten lassen bei der Jagd, und da gibt es auch einschlägige Sicherheitsvorschriften die einzuhalten sind, grundsätzlich bei der Jagd, und wenn man in einem so eng verzahnten Bereich ist umso mehr.“ Johannes Wurm, Betriebsleiter Bayerische Staatsforsten

Der Pächter sei sich der besonderen Situation hier im Siedlerwald durchaus bewusst, erklärt der Betriebsleiter der Staatsforsten. Das Wild müsse dort gejagt werden, wo es sich aufhält. Das sieht auch der Bund Naturschutz so.

„Ohne eine Jagd wird ein zukunftsfähiger Wald, der dem Klimawandel auch angepasst ist, und dem Klimawandel gewachsen ist, nicht entstehen können. Das heißt, wenn die Leute hier vor der Haustür auch noch in zehn, 20, 30 Jahren noch einen Wald haben wollen, wo sie spazieren gehen, dann muss die Jagd auch dafür sorgen, dass entsprechende Baumarten auch wachsen können.“ Ralf Straußberger, Wald- und Jagdreferent BUND Naturschutz in Bayern

Andere Methoden zum Schutz der junge Bäume, etwa eine Einzäunung, ist in diesem Bereich sehr schwierig und nicht praktikabel – auch wegen der vielen Wege für die Wanderer. Ein großflächiges Einzäunen widerspreche dem Erholungsbedürfnis der Anwohner. Und selbst dann müsse man vorher das Wild aus diesem Gebiet vertreiben oder jagen.

„Der zweite Problempunkt bei den Zäunen ist, dass wir in den letzten Jahren sehr viel Schwarzwild haben, das sehr stark zugenommen hat, und das Schwarzwild überrennt regelmäßig diese Zäune. Das heißt, diese Zäune sind überhaupt nicht mehr dichtzuhalten, von daher scheidet eine Zäunung für die Waldverjüngung auf größeren Flächen aus.“ Ralf Straußberger, Wald- und Jagdreferent BUND Naturschutz in Bayern

Und die Wildschweine will ja auch keine hier haben – weder im Wald, noch im Vorgarten. Auch die könnten theoretisch von solch einem Jägerstand geschossen werden. Rainer Kadner aus Zabo überzeugt das nicht: „Bejagung finde ich so nah am Wohnraum grenzwertig, da muss man andere Lösungen finden“. Noch ist im Siedlerwald kein Tier erlegt worden. Doch die Skepsis der Anwohner gegen die Jagd im Stadtwald ist da. Und auch für die Staatsforsten und die beauftragten Pächter und Jäger wird es immer ein Balanceakt bleiben.

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