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Totes Hirschkalb

Tierfreunde sind in Aufregung und fragen sich, ob man die jungen Hirsche nicht hätte schützen müssen. Zudem erheben Wildverbände schwere Vorwürfe: Jäger hätten die Muttertiere geschossen und so den Tod der Kälber verschuldet.

Die Nationalparkverwaltung weist die Anschuldigungen zurück. Sie sieht den Fall leidenschaftsloser: Allein der strenge Winter habe den Tod der Kälber verursacht. Das sei ein ganz normaler, natürlicher Vorgang. Nur wir Menschen täten uns schwer, die rauen Gesetze der Wildnis zu akzeptieren.

Tiere schützen? Oder Natur Natur sein lassen?

So ist eine Diskussion entstanden: Was ist das richtige Vorgehen im Nationalpark: Tiere schützen? Oder Natur Natur sein lassen?

Kadaver sind wichtig fürs Ökosystem

Auf einer kleinen Insel im hinteren Teil des Königssees hatte ein Jäger tote Hirschkälber und Gämsen als Futter für andere Lebewesen abgelegt. Kein schöner Anblick, aber wichtig für das Ökosystem, sagt der Leiter vom Nationalpark Berchtesgaden, Roland Baier:

"Das Leben und Vergehen gehört zum Nationalpark. Es ist Teil des natürlichen Kreislaufes und deshalb führen wir das Fallwild anderen Tieren zur Nutzung zu, wichtig im Ökosystem." Roland Baier, Leiter des Nationalparks Berchtesgaden.

Baier wehrt sich gegen anhaltende Kritik. Viele fragen sich nämlich noch immer, wie es kommt, dass so viele Tiere an einem begrenzten Ort tot aufgefunden wurden. Das sei noch nie der Fall gewesen.

Kritiker: Keine Kontrolle durch Jäger

Zu den Kritikern gehört Michi Gröll. Er war 32 Jahre lang im Nationalpark Berchtesgaden beschäftigt und bis vor kurzem noch Jagdleiter in der Gemeinde Ramsau. Er sagt, die Zahl der toten Tiere im Nationalpark sei ungewöhnlich hoch, eine Kontrolle der Jäger nicht da und vielleicht der Druck zu hoch, um genauer zu schauen, was da vor die Flinte komme. So würden Muttertiere wohl nicht immer erkannt.

Nationalparkverwaltung: "Muttertiere nicht geschossen"

Ein langjähriger Berufsjäger vermutet, dass die Muttertiere möglicherweise bereits im vergangenen Jahr bejagt und erschossen wurden, und ihre Kälber im Winter allein deshalb nicht den Weg zu den beiden Futterstellen fanden. Das wiederum schließt die Nationalparkverwaltung kategorisch aus: „Es hat nachweislich keinen Abschuss von Alt-Tieren gegeben….Wir schießen keine Muttertiere", sagt der Leiter des Nationalparks, Roland Baier. Er beharrt darauf, dass die Tiere krank oder schwach waren oder durch Lawinen ums Leben gekommen sind.

Extrembergsteiger Alexander Huber kritisiert Nationalpark

Extremkletterer Alexander Huber forderte im Bayerischen Rundfunk lückenlose Aufklärung. Es gehe hier nicht nur um einige verendete Hirschkälber, sondern um die Handlungsfähigkeit des Nationalparks, betonte er. Die Erklärungen der Verantwortlichen hätten die Lage bisher nicht beruhigt. Es seien noch viele Fragen offen, so Huber.

Der Verein "Wildes Bayern" will nun das Umweltministerium einschalten, um die Vorwürfe aufklären zu lassen. Der Nationalpark Berchtesgaden in seiner jetzigen Form ist für den Verein ohnehin ein Etikettenschwindel. Denn er werde von Forstleuten geleitet, die sich vor allem an Verbiss-Statistiken und Baumarten-Zusammensetzungen orientierten. Rotwild sei deswegen unter Dauerbeschuss, sagte eine Vereinssprecherin dem BR.

Totes Hirschkalb im Nationalpark Berchtesgaden.

Totes Hirschkalb im Nationalpark Berchtesgaden.

Autoren

Christine Haberlander

Sendung

Regionalnachrichten aus Oberbayern vom 15.05.2019 - 09:30 Uhr