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Aufklärung gefordert: Polizei-Munition bei Rechtsextremen? | BR24

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Nach Recherchen des BR handelt es sich bei einem Teil der gefundenen Munition um Material, das zuvor an die Bayerische Polizei geliefert wurde.

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    Aufklärung gefordert: Polizei-Munition bei Rechtsextremen?

    Bei der mutmaßlich rechtsextremen Gruppe "Nordkreuz" ist Munition gefunden worden, die für die bayerische Polizei bestimmt war. Bis heute ist unklar, wie die Munition dort hin gelangte. Die Grünen verlangen nun Aufklärung von der Staatsregierung.

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    Von
    • Jonas Miller
    • Martin Hähnlein

    Marko G. war lange Jahre Polizist beim Spezialeinsatzkommando (SEK) in Mecklenburg-Vorpommern. Erst durch Ermittlungen gegen den rechtsextremen Bundeswehrsoldaten Franco A. war der LKA-Beamte ins Visier der Fahnder geraten.

    Munition war für Bayerische Bereitschaftspolizei gedacht

    G. gründete die Chatgruppe "Nordkreuz", deren Mitglieder sich auf einen Umsturz vorbereitet haben sollen. Dazu horteten sie Munition und zahlreiche Waffen, darunter eine Maschinenpistole. Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks handelt es sich bei einem Teil der gefundenen Munition um Material, das zuvor an die Bayerische Bereitschaftspolizei geliefert worden war.

    Das geht aus Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Schwerin hervor, die dem BR vorliegen. Konkret handelt es sich um 100 Schuss Munition, 9mm Vollmantelgeschosse. Auf BR-Anfragen verwies das Bayerische Innenministerium in der Vergangenheit immer wieder auf das laufende Verfahren gegen den früheren Elitepolizisten Marko G. in Mecklenburg-Vorpommern.

    Wie die bayerische Munition nach Norddeutschland kam, blieb ungeklärt. Das Verfahren gegen Marko G. ist nun jedoch abgeschlossen. Der ehemalige SEK-Beamte wurde bereits im Dezember 2019 wegen illegalen Waffenbesitzes zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, das Urteil ist seit Mitte Februar rechtskräftig.

    LKA prüft Verbindungen nach Bayern

    Doch eine Auskunft bleibt das Innenministerium in München auch auf eine erneute BR-Anfrage schuldig. Stattdessen heißt es nun: "Zu konkreten Details von Strafverfahren, die unter der Sachleitung außerbayerischer Behörden geführt werden, können wir von hier aus grundsätzlich keine Angaben machen (…)." Das Bayerische Landeskriminalamt sei demnach aber im Austausch mit den Behörden in Schwerin und prüfe Verbindungen nach Bayern. Im Klartext heißt das wohl: Passiert ist seit Jahren nichts.

    Landtags-Grüne fordern Aufklärung

    Das stört die Opposition im Maximilianeum gewaltig. Die Fraktionsvorsitzende der Bayerischen Grünen, Katharina Schulze, fordert, dass endlich Bewegung in die Sache kommen soll. Dem BR sagte sie: "Mögliche Verbindungen von Nordkreuz nach Bayern müssen endlich aufgeklärt werden."

    Schulze stellte deswegen eine erneute Anfrage im Bayerischen Landtag. Von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erwartet sie, dass er das Thema ernst nimmt. Nur wenn klar ist, wie die Munition damals verschwinden konnte, können die Sicherheitsbehörden Vorkehrungen treffen, um weitere Fälle von möglichen Munitionsdiebstählen zu verhindern.

    Ex-SEK-Polizist hortete Munition

    Bei dem SEK-Mann in Mecklenburg-Vorpommern fanden die Ermittler rund 55.000 Schuss Munition und etliche Waffen, darunter zum Beispiel eine illegale Kriegswaffe. Auch Munition aus Beständen anderer Landespolizeien wie Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen, der Bundespolizei und des Zolls bunkerte der LKA-Beamte. Wie die Munition von verschiedenen Polizeidienststellen in mehreren Bundesländern nach Mecklenburg-Vorpommern kam, wurde bis heute nicht geklärt.

    Soldaten und Polizisten bildeten "Nordkreuz"-Chatgruppe

    Bei "Nordkreuz" handelt es sich um eine mutmaßlich rechtsextreme Chatgruppe, deren Mitglieder sich teilweise auf einen nicht näher beschriebenen "Tag X" vorbereiteten und offenbar Listen politischer Gegner führten. Inhalte von Chats des "Nordkreuz"-Gründers Marko G. wurden von Ermittlern als "rechtsradikal und ausländerfeindlich" beschrieben. Laut NDR bezeichnete G. die Nachrichten als "schwarzen Humor".

    Seit mehreren Jahren ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen mehrere "Nordkreuz"-Mitglieder, die im Verdacht stehen, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat geplant zu haben. Die insgesamt 30 Chat-Teilnehmer stammten laut Verfassungsschutz meistens aus dem Umfeld von Polizei und Bundeswehr. Alle Mitglieder seien geübte Schützen und hätten Zugang zu Waffen. Marko G. und ein weiteres Mitglied waren laut Medienberichten zudem Mitglieder der AfD.

    © BR/Jonas Miller
    Bildrechte: BR/Jonas Miller

    Aktenausschnitt der Ermittler

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