BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR

Bistum Regensburg sieht keinen Bedarf mehr eine neue Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch zu gründen

12
Per Mail sharen

    Aufarbeitung in Bayerns Bistümern startet nur langsam

    Eigentlich wollten die Bistümer schon zum Jahreswechsel Kommissionen zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch einsetzen, doch eine entscheidende Komponente fehlt vielfach. Und zum Regensburger Sonderweg gibt es sehr unterschiedliche Einschätzungen.

    12
    Per Mail sharen
    Von
    • BR24 Redaktion

    Die Kommissionen zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in den katholischen Bistümern in Bayern kommen nur langsam in Gang. Neben dem größten Erzbistum München und Freising, das in dieser Woche die erste, konstituierende Sitzung der Kommission meldete, ist zwar in den meisten Bistümern alles vorbereitet - doch ein entscheidender Faktor fehlt oft noch: Vielfach scheitert es an Betroffenen, die bereit sind, mit dem, was sie als "Täterorganisation" empfinden, zusammen zu arbeiten. Und im Bistum Regensburg, wo zunächst nach dem Willen von Bischof Rudolf Voderholzer gar keine neue Kommission eingerichtet werden sollte, stellen Bistum und Missbrauchsbeauftragter die Situation unterschiedlich dar.

    Verbindliche Kriterien für Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch

    Vor rund einem Jahr hatte der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) sich auf eine «Gemeinsame Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland» geeinigt und beschlossen, unabhängige Aufarbeitungskommissionen in allen 27 Bistümern einzusetzen. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sprach damals von einer «historischen Entscheidung».

    Wird Aufarbeitung durch innere Strukturen erschwert?

    Die Kommissionen sollen nicht nur die Fallzahlen von sexuellem Missbrauch erheben, sondern auch untersuchen, wie mit Opfern und Tätern umgegangen wurde. Außerdem sollen sie herausarbeiten, ob Strukturen innerhalb des jeweiligen Bistums «sexuellen Missbrauch ermöglicht oder erleichtert oder dessen Aufdeckung erschwert haben», wie ein Sprecher des Erzbistums München und Freising sagte.

    Während neben München auch das Bistum Würzburg kürzlich meldete, dass die Kommission dort nach Gründung eines unabhängigen Betroffenenbeirats nun die Arbeit aufnehmen kann, sieht es in anderen Bistümern noch schwieriger aus.

    Es fehlen offenbar Betroffene, die bereit sind mitzuarbeiten

    In Passau beispielsweise war die Kommission zwar schon kurz vor Weihnachten 2020 besetzt. Allerdings wartet man dort nach Angaben einer Sprecherin immer noch darauf, dass sich auch Betroffene melden, die bereit sind, im Betroffenenbeirat mitzuarbeiten. Ähnliches melden auch die Bistümer Eichstätt und Augsburg.

    Bistum Regensburg: Doch kein Sonderweg?

    Das Bistum Regensburg erklärte am Freitag in einer Pressemitteilung, dass es schon eine Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche einrichten wolle. "Die konstituierende Sitzung der Aufarbeitungskommission findet in den nächsten Tagen statt", teilte das Bistum mit. Kurz zuvor hatte ein Sprecher noch gesagt, Regensburg wolle keine Kommission einrichten und verhandle mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, über einen Sonderweg. Rörig gab dagegen auf Anfrage an, von diesen Verhandlungen nichts zu wissen. Seine Sprecherin begrüßte nun die Entscheidung aus Regensburg, eine Kommission einzurichten.

    Vor rund einem Jahr hatte der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) sich auf eine "Gemeinsame Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland" geeinigt und beschlossen, unabhängige Aufarbeitungskommissionen in allen 27 Bistümern einzusetzen. Rörig sprach damals von einer "historischen Entscheidung".

    Das Bistum Regensburg mit seinem konservativen Bischof Rudolf Voderholzer hatte allerdings zunächst betont, man sei dort schon viel weiter als in anderen Bistümern und sehe keine Notwendigkeit für eine neue Kommission. Tatsächlich hatte man dort beispielsweise schon deutlich früher erklärt, Zahlungen für Missbrauchsopfer auf 50.000 Euro aufzustocken. Außerdem hat das Bistum vor allem Fälle bei den weltberühmten Regensburger Domspatzen bereits aufgearbeitet und wissenschaftliche Studien dazu veröffentlicht.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!