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Auf Streife mit der Sicherheitswacht in Dinkelsbühl | BR24

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Seit 25 Jahren existiert die bayerische Sicherheitswacht - "ein Erfolgsmodell" für Innenminister Joachim Herrmann. Seit Mitte Dezember gibt's auch im mittelfränkischen Dinkelsbühl eine Sicherheitswacht und wir sind mal mit auf Streife gegangen.

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Auf Streife mit der Sicherheitswacht in Dinkelsbühl

Seit 25 Jahren gibt es die bayerische Sicherheitswacht. Sie sei "ein Erfolgsmodell", schwärmte Innenminster Joachim Herrmann (CSU) anlässlich des Jubiläums. Seit Dezember gibt’s auch in Dinkelsbühl eine Sicherheitswacht - wir waren mit auf Streife.

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Seit 25 Jahren gibt es die bayerische Sicherheitswacht. Nicht zu verwechseln mit den sogenannten Bürgerwehren: Die sind ein autarker, neben staatlicher Zusammenschluss von besorgten Bürgerinnen und Bürgern und in Bayern nicht geduldet. Die Sicherheitswachten dagegen sind ein vom Staat gewolltes Bündnis mit klar geregelten Befugnissen und - von der Polizei beaufsichtigt. Seit Mitte Dezember gibt’s auch im mittel fränkischen Dinkelsbühl eine Sicherheitswacht.

Mit Funkgerät und Pfefferspray: Zwei Ehrenamtliche auf Rundgang

Zwei Männer, die dort seit kurzem ehrenamtlich Bürgern helfen wollen sind, Rüdiger Möller und Dieter Hermann. Eigentlich sind die beiden hauptberufliche Versandleiter und diplomierter Rechtspfleger. Seit einigen Wochen tauschen sie in ihrer Freizeit den Wintermantel gegen die dunkelblaue Uniformjacke. Mit Pfefferspray, Funkgerät und Taschenlampe in der Jackentasche ziehe sie regelmäßig los.

Ihnen geht es darum, präsent zu sein

Ihnen geht es darum präsent zu sein und mit den Leuten zu reden oder hier und da mal ein bisschen zu helfen. Dieter Hermann ist sich sicher, es stärke auch das Sicherheitsgefühl der Bürger. Ihm ist es wichtig seinen Beitrag dazu leisten und eben Teil der Sicherheitswacht zu sein.

Zwei bis dreimal pro Woche, meist am Abend und am Wochenende, ziehen die beiden ehrenamtlichen Sicherheitswächter durch die historische Altstadt, vorbei an Spielplätzen, Bushaltestellen und Geschäften. Sie achten auf alles, was nicht ins Stadtbild passt oder irgendwie ungewöhnlich ist. Manchmal ist auch einfach nur eine Auskunft gefragt.

"Ich denk, das ist sowieso erstmal unsere Hauptaufgabe, dass wir Ansprechpartner sind – grad auch in so einer Stadt wie Dinkelsbühl – für Touristen. Wir werden oft gefragt, wo kann man essen gehen, wo ist die nächste Toilette oder die nächste Bank und – so seh’s auch ich – die Hauptaufgabe von uns erstmal." Dieter Hermann, Sicherheitswacht

Acht Euro Aufwandsentschädigung erhalten Rüdiger Möller und Dieter Herrmann pro Stunde. Viel wichtiger aber ist ihnen das Gefühl, ihren Beitrag geleistet zu haben für eine etwas sicherere Welt.

Die Polizeigewerkschaft übt Kritik an den Sicherheitswachten

Die Polizeigewerkschaft übte durchaus auch Kritik an den Sicherheitswachten in Bayern: Ausbildung und Einsatzorganisation seien für die Polizisten vor Ort eine Belastung, der messbare Ertrag im Verhältnis zum Aufwand minimal. Dennoch hat Oberbürgermeister Christoph Hammer die Sicherheitswacht für seine Stadt befürwortet.

"Wir leben in einer sicheren und wohlgeordneten Stadt. Und trotzdem ist es eigentlich gut, wenn wir die Menschen darauf hinweisen, dass sich manche Sachen nicht gehören, wie Kippen auf dem Spielplatz oder Müll rumschmeißen. Oder Einfahrtsverbote dementsprechend beachten, richtig parken und dergleichen, und wenn man da mal hinweist: 'das macht man doch so nicht', dann ist das sicherlich in Ordnung." Christoph Hammer, Oberbürgermeister von Dinkelsbühl

Peter Wack, Leiter der Polizeidienststelle Dinkelsbühl, freut sich über die Sicherheitswacht. Sie verstärke und entlaste die Einsatzkräfte vor Ort. Dass sich Polizei und die ehrenamtlichen Kollegen in die Quere kommen könnten, glaubt er nicht, er sieht die Sicherheitswacht als Ergänzung an. Denn die ehrenamtlichen Männer und Frauen werden nicht zur Verbrecherjagd eingesetzt, sondern eben zur Prävention. Und wenn es tatsächlich bei den Rundgängen mal zu Straftaten kommt, dann sind sie gehalten, eine Polizeistreife zu rufen.

Selbsternannte Hilfssheriffs und Möchte-gern-Rambos unerwünscht

Drei Sicherheitswächter gibt es in Dinkelsbühl bisher, acht sollen es werden. Und nicht nur hier sind sie gesucht. In den kommenden Jahren will Bayerns Innenminister Joachim Herrmann die Sicherheitswacht landesweit um rund 400 Stellen aufstocken. Selbsternannte Hilfssheriffs und Möchte-gern-Rambos braucht er dafür nicht, gefragt sind Menschen mit Empathie und Lebenserfahrung, zwischen 18 und 62 Jahren.

"Da findet auch ein mehrmonatiger Ausbildungsprozess statt, da wird genau auf die Fachkenntnisse, aber auch auf die psychische Eignung der Leute geschaut. Und wir schauen natürlich darauf, dass sich nicht irgendwelche Leute mit radikaler Gesinnung breit machen können." Joachim Herrmann (CSU), bayerischer Innenminister