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Auf den Hund gekommen: Welpenklappe in Corona-Zeiten | BR24

© Christina Bischl/BR

Beagle Paula in der Welpenklappe

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    Auf den Hund gekommen: Welpenklappe in Corona-Zeiten

    In der Corona-Zeit haben viele Menschen wegen Kurzarbeit oder Home-Office mehr Zeit, fühlen sich einsam und wollen einen Hund. Im Tierheim München ist die Nachfrage gestiegen. Mancher Vierbeiner jedoch landet in der Welpenklappe.

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    Mitten in einem von Münchnens besten Vierteln, ganz in der Nähe des Prinzregentenplatzes, steht auf dem Gehsteig ein altes Fahrrad, darauf montiert eine Holzkiste mit Deckel und der Aufschrift "Welpenklappe". Wer auch immer seinen Hund nicht mehr behalten möchte, kann ihn anonym in diese Kiste stecken.

    Dann ertönt auf dem Handy von Kevin Harris Alarm. Und das passiert in Corona-Zeiten besonderes oft. Zuletzt war ein Dackel in der Kiste. "Als der Dackel hierherkam, habe ich mir gedacht, das kann doch gar nicht sein, ausgerechnet in München, in dieser reichen Stadt, wo der Dackel eigentlich der Liebling der Münchner ist. Aber die Zeiten haben sich verändert, die Not ist anders, neu; die Menschen haben mehr Probleme als früher." Wenn in München ein Dackel abgegeben werde, sei die Welt nicht mehr in Ordnung, ist Kevin Harris vom Verein Welpenklappe überzeugt.

    In Corona-Zeiten wollen mehr Menschen einen Hund

    Gezählt hat der Ire all die Hunde, die er so retten konnte, nicht, aber ein paar Dutzend waren es in den letzten elf Jahren bestimmt. Nicht alle haben überlebt - manche sind bei der Abgabe schon zu schwach oder zu krank, um sie wieder gesund zu päppeln. Kevin Harris bestätigt, dass sich gerade jetzt wegen Corona mehr Menschen als sonst einen Hund anschaffen, ohne genau zu wissen, was auf sie zukommt. "Die meisten wundern sich, dass ihr Tagesablauf plötzlich ganz anders ist. Wenn sie arbeiten wollen, will der Hund spielen. Wenn sie schlafen wollen, will der Hund raus." Oft würden sich die Menschen sehr junge Hunde holen, ohne zu wissen, wie man sie erzieht. "Oder der Hund bellt ständig - das stört entweder die Nachbarn oder einen selbst im Homeoffice!"

    Der Hundeexperte ist gefragt

    Auch am Computer ist derzeit mehr los als sonst: Auf Kevin Harris warten E-Mails mit Fragen an den Hundeexperten. Denn mit "Dogconsulting" samt Hundeschule und Spenden finanziert der gebürtige Ire die Welpenklappe. Seine Kunden sind vor allem die, die noch unsicher sind, ob sie ihren neuen Hund behalten wollen oder nicht. Der Hundetrainer hilft, dass sie sich besser verstehen. Und oft gelingt es ihm tatsächlich, Menschen davon abzuhalten, das Tier wieder abzugeben. Obwohl das neben Geld vor allem Zeit kostet.

    Sich einen Vierbeiner ins Leben zu holen, muss eben gut überlegt sein. Für Kevin Harris allerdings ist das keine Frage: er ist mir Hunden aufgewachsen und hat immer mindestens einen an seiner Seite. Die Hündin Paula, die ständig um ihn herumspringt, lag mit gerade mal acht Wochen in der Klappe. Den Beagle hat der Ire behalten, die meisten anderen an neue Halter vermittelt. Der Dackel, den er neulich in der Klappe fand, hat er ebenfalls ein neues Zuhause. Für Kevin Harris ist ein Leben ohne Hund möglich, aber sinnlos: das ist - frei nach Loriot- sein Lebensmotto, und deswegen wird sich der Ire auch in Zukunft um jeden Hund kümmern, der in seiner Welpenklappe landet.

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