Das hat König-Ludwig-II. geliebt: Supreme vom Perlhuhn mit getrüffelten Kartoffelpüree und Erbsen-Karotten-Gemüse auf Rotweinsoße.
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Das hat König-Ludwig-II. geliebt: Supreme vom Perlhuhn mit getrüffeltem Kartoffelpüree und Erbsen-Karotten-Gemüse auf Rotweinsoße.

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Auf dem Herzogstand: Speisen wie König Ludwig II.

Hoch oben über allem, das hat er geliebt. Der Märchenkönig lebte nicht nur für seine Königsschlösser, sondern auch für Natur und Berge. Das Zwei-Seenland mit Kochel- und Walchensee begibt sich in der Themenwoche "König der Berge" auf Spurensuche.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

In der kleinen Küche am Herzogstand geht es geschäftig zu. Geschirr klappert, Suprêmes vom Perlhuhn braten in der Pfanne, es riecht nach Kartoffelbrei. Sigi Zauner, der Hüttenwirt, wird heute zum Hofkoch. Im Rahmen der Themenwoche will er ein Menü à la Kini kreieren. Dafür hat er in alten Büchern recherchiert und überlieferte Rezepte nachgekocht.

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Der König liebte den Blick vom Herzogstand herunter auf den Walchensee.

12-Gänge Menü auf dem Berggipfel

Der König war jedoch kein leichter Gast, weiß Kulturhistoriker Klaus Reichold. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Märchenkönig. Zwar liebte Ludwig die Einsamkeit auf den Bergen und genoss auch die Einfachheit in seinem Königshaus, doch beim Essen machte er keine Abstriche.

Auch auf dem Herzogstand speiste er wie ein König. Ein 12-Gänge Menü war keine Seltenheit. Doch dafür musste natürlich erst alles auf den Berg gebracht werden. Kam der König, war so gut wie das halbe Dorf auf den Beinen und half dem Gefolge beim Hochtragen der Utensilien und Lebensmittel, erklärt Markus Richter, er ist der Kurator der König-Ludwig-Ausstellung im Bahnhof von Kochel. Unvorstellbar, sagt Hüttenwirt Zauner. Ihm reicht es schon, ein 3-Gänge-Menü in der kleinen Küche seiner Hütte zu kochen. Dafür ist der Aufwand schon immens. Großen Wert legte der König übrigens auf die Qualität der Speisen - und auch Luxus war Pflicht. So gab es Hummer, Austern und seltene Vogelarten auch hoch oben auf dem Gipfel.

Der König liebte den Herzogstand

Auf keinem anderen Berg als dem Herzogstand ließ der König mehr Aussichtspunkte errichten. Kulturhistoriker Klaus Reichold spricht von insgesamt fünf verschiedenen Plätzen mit jeweils unterschiedlichen Ausblicken. Auf den umliegenden Gipfeln – neben dem Herzogstand auch auf dem Martinskopf und dem Fahrenberg – ließ er Pavillons, Rotunden und Belvederes aufstellen. Erhalten geblieben ist nichts von alledem. "Alle Bauten wurden ein Raub der Flammen", sagt Markus Richter. Der "Kini" liebte es, auch an diesen Plätzen zu speisen. Darum wurde überall auch eine Kochhütte aufgebaut, wo Speisen, die von Dienern vom Herzogstandhaus hochgebracht wurden, nochmal aufgewärmt wurden. Der König legte großen Wert darauf, dass die Speisen warm waren. So gab es neben dem Augenschmaus auch einen Gaumenschmaus.

Besonders liebte der König den höchsten Punkt am Herzogstand. Auf 1.731 Metern Höhe hatte er einen einzigartigen 360-Grad-Rundumblick über sein Reich. Dort, wo heute ein Holzpavillon aufgebaut wurde, war auch der Platz, wo es der König liebte, zu speisen. Auch hier oben war ein 12-Gänge-Menü keine Seltenheit.

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Königliches Ambiente auf dem Herzogstandhaus.

Der Märchenkönig hatte nur noch sechs Zähne

Eine Besonderheit weiß Kulturhistoriker Reichold. Laut Obduktionsbericht besaß der König, als er im Starnbergersee starb, nur noch sechs Zähne. Die Folge war, Ludwig konnte die letzten Jahre nur noch Püriertes oder Haschiertes essen. Daher standen oft Reis oder Kartoffelbrei auf der Menükarte des Königs. Nach Überlieferungen mochte er beim Gemüse vor allem Erbsen.

Aber der "Kini" war auch ein ganz Süßer. Sigi Zauner, der verschiedene Speisen nachgekocht hat, war überrascht, wie süß damals gegessen wurde. Er hat einen Vanillepudding nachgekocht. Der sei ungenießbar gewesen für unser heutiges Geschmacksempfinden, sagt Zauner. Für das König-Ludwig-Alpendinner auf dem Herzogstand hat er etwas weniger Zucker rein, so konnten sich die Gäste über einen gelungenen Kabinetts-Pudding mit Vanillecreme freuen.

Der Märchenkönig war ein Süßer

Die Vorliebe für das Süße erklärt Kulturhistoriker Reinhold so: König Ludwig wurde von seinem Vater sehr streng erzogen. Am letzten Tag, bevor sein Vater starb, habe er etwas falsch gemacht, als Strafe durfte er keinen Zucker in den Kaffee tun, so die Überlieferung. Und am Tag drauf war er der König und durfte ab sofort alles tun was ihm gefiel. Und so kam es, dass er über die Stränge schlug. Gerade beim Essen und da vor allem beim Süßen. Alles mit Zucker liebte der "Kini", und schon bald sah man es ihm auch an, so der Kulturhistoriker; denn in der Folge kam es dann auch zur Schädigung der Zähne.

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Kabinettspudding mit Vanillecreme als Nachspeise.

Der "König der Berge" wird zur Dauereinrichtung

Das Alpendinner auf dem Herzogstand war ein voller Erfolg. Ambiente, das Menü und interessante und dazu amüsante Geschichten rund um den "Kini" von Kulturhistoriker Reichold. Jedoch war das Dinner nur ein Event von vielen in der Themenwoche. Neben geführten Wanderungen und Spaziergängen gab es eine Krimi-Lesung und die Sonderausstellung "König Ludwig II. in unseren Bergen" im Kochler Bahnhof.

Doch auch wenn an diesem Wochenende die Themenwoche endet, soll der "König der Berg" weiterleben, betont Bürgermeister Thomas Holz (CSU) aus Kochel am See. Das Zwei-Seenland will sich neben den Königsschlössern als weitere Säule im König-Ludwig-Gedenken etablieren. Angedacht sind Themenwege oder Ausstellungen und Lesungen rund um König-Ludwig und noch vieles mehr. Dem Bürgermeister liegt es am Herzen, dass die Liebe des Königs zu den Bergen und der Natur im Focus steht, das würde sich auch deutlich abheben von den prunkvollen Schlössern.

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