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Auf Augenhöhe: Wie die CSU auf den CDU-Parteitag schaut | BR24

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Bayerns Ministerpräsident Söder vor einem Monitor der Schalte mit dem Partei-Vorstand

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Auf Augenhöhe: Wie die CSU auf den CDU-Parteitag schaut

Wenn die CDU an diesem Wochenende einen neuen Parteichef wählt, schaut die CSU aus der Ferne gespannt zu. Markus Söder hat wohlweislich keinen Favoriten genannt. Die Botschaft an die Schwesterpartei lautet: Die CSU gibt's nur auf Augenhöhe.

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Von
  • Anita Fünffinger

Markus Söder hat seine Mimik in den vergangenen zehn Monaten perfektioniert. Wenn der CSU-Chef heikle Personalfragen beantworten sollte, schaltete er um auf dieses Gesicht: Die Augen ein wenig zusammenkneifen, Mund zu lassen, Kopf etwas nach unten neigen. Da Söder in Zeiten von Corona sogar bei Fragen seine Maske aufbehält und sie nur für die Antwort abnimmt, war es für ihn sogar noch einfacher, sich keine Zuckung oder Irritation anmerken zu lassen. In einer Pandemie ist es noch leichter, ein Pokerface zu machen.

Keinen Favoriten nennen – neutral bleiben

Seit Annegret Kramp-Karrenbauer Ende Februar letzten Jahres ihren Rückzug von der Parteispitze der CDU ankündigte, wurde der bayerische Ministerpräsident nicht nur ständig gefragt, ob er denn Kanzlerkandidat der Union werden wolle. Söder sollte auch immer wieder beantworten, wer ihm von den drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz am liebsten wäre. Armin Laschet, Norbert Röttgen oder Friedrich Merz? Die Antwort des CSU-Chefs gibt es in verschiedenen Varianten. Der gemeinsame Nenner ist immer dieser:

"Ich halte alle drei für interessante, spannende und sehr kompetente Kandidaten." Markus Söder, Ministerpräsident Bayern

Das ist eine völlig neutrale Aussage, die auch nicht mehr Erkenntnisse bringt, wenn man sich längere Passagen von Söder zu den Dreien genauer ansieht.

Söder spricht über alle Kandidaten gleich neutral

Mit Norbert Röttgen (zum Porträt) sei er gemeinsam Umweltminister gewesen, erzählt Söder gern. Was er weglässt, ist die Tatsache, dass Söder damals Landesumweltminister war, Röttgen immerhin Bundesumweltminister. Söder aber stellt sich auf eine Treppenstufe.

Friedrich Merz kenne und schätze er, sagt Söder über den ehemaligen Unionsfraktionschef. Das kann alles und nichts heißen. Jemanden zu schätzen, heißt schließlich nicht gleich, ihn auch in einem Spitzenamt zu sehen.

Mit Armin Laschet (zum Porträt) zieht Söder stets die größten Parallelen. Sie seien die Ministerpräsidenten der beiden größten Länder in Deutschland und hätten durch die Corona-Pandemie viele Berührungspunkte. Die beiden Männer haben auch gegenseitig ihre Biografien vorgestellt. Das sei aber kein Zeichen, betont Söder. Er sei gefragt worden, ob er das Buch vorstellen wolle. Dann sei Laschet gefragt worden, ob er ein Buch von ihm vorstellt. Söders Zusammenfassung: "Das ist einfach nur kluge Verlagsstrategie, daraus würde ich noch nichts ableiten."

CSU sieht sich auf Augenhöhe mit der CDU

Bei der Suche nach einem CDU-Parteichef hat sich die CSU in all den Monaten öffentlich nicht beteiligt. Es gab nicht einmal Andeutungen, welcher der Drei es denn werden solle. Das würden sich die Christsozialen im umgekehrten Fall schließlich auch verbitten. Die bayerischen Christsozialen fahren eine andere Strategie: Augenhöhe demonstrieren.

Die CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig ist der festen Überzeugung, dass es Parteichef Söder natürlich nicht egal sei, wer CDU-Vorsitzender wird. Klar sei nur, er sei als CSU-Parteivorsitzender "naturgemäß auf Augenhöhe" mit dem neuen CDU-Chef.

CSU dringt auf spätere Kanzlerkandidatenkür

Die CSU hat es in den vergangenen Wochen geschafft, die CDU auf einen Fahrplan für die Kanzlerkandidatenkür zu trimmen. Vor allem Friedrich Merz (zum Porträt) hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er, sobald er CDU-Chef wäre, sofort auch nach der Kanzlerkandidatur greifen würde. Den Zahn hat ihm CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt gezogen. Klar und deutlich formulierte Dobrindt Anfang des Jahres, in diesem Jahr werde ein Kanzlerkandidat "später, deutlich später aufgestellt als das normal ist". Nach Ostern fände er eine gute Zeit.

Diese Aussage hat gleich zwei Gedanken im Hinterkopf: Ostern ist Anfang April. Davor finden zwei wichtige Landtagswahlen statt. Baden-Württemberg und Rheinland-Platz waren lange Zeit Kernländer für die CDU. Die CSU will nun also in aller Ruhe zusehen, wie die CDU bei diesen Landtagswahlen am 14. März abschneidet. Und sie will sehen, wie sich die Umfragen für den neuen CDU-Chef entwickeln.

Ohne CSU läuft in der K-Frage nichts

Wenn also ein paar Wochen für den neuen CDU-Vorsitzenden ins Land gegangen und zwei Landtage gewählt sind, dann will sich Markus Söder mit dem neuen Chef der Schwesterpartei zusammensetzen. "Dann schauen wir mal, was rauskommt", entfuhr es Söder vor wenigen Tagen. Dass sein Platz in Bayern sei, sagte Söder in diesem Moment nicht dazu. Jedenfalls werde es derjenige Kandidat, "der die besten Chancen hat, die höchste Anerkennung". Diese Formulierung kommt wie aus dem Stegreif - oft gleichlautend - aus der CSU. Die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig präzisiert:

Da darf es keinen Unterschied machen, ob er der CDU oder CSU angehört." Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig

Im Moment liegt in der K-Frage Markus Söder in allen Umfragen vorn. Wer CDU-Chef wird, kann der CSU-Chef aus der Ferne auf Augenhöhe verfolgen - auf seinem Platz in Bayern.

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Die CDU bestimmt an diesem Wochenende über ihre künftige Führung. Drei Kandidaten stellen sich zur Wahl: NRW-Ministerpräsident Laschet, der Außenpolitiker Röttgen und Ex-Fraktionschef Merz. Einen klaren Favoriten gibt es nicht.

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