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Audio-Mitschnitt bei Corona-Beratung: Landratsamt stellt Anzeige | BR24

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Wegen des Mitschnitts eines Telefonats mit dem Gesundheitsamts hat das Landratsamt Cham Strafanzeige gegen die Anruferin gestellt. In dem Telefonat ging es um Fragen rund um Quarantäne-Bestimmungen.

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Audio-Mitschnitt bei Corona-Beratung: Landratsamt stellt Anzeige

Eine tschechische Berufspendlerin hat unerlaubt ein Gespräch mit dem Gesundheitsamt Cham mitgeschnitten. Darin entsteht der Eindruck, das Amt hätte die Frau in Sachen Corona-Quarantäne falsch beraten. Nun hat das Landratsamt Cham Anzeige erstattet.

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Von
  • Renate Roßberger
  • BR24 Redaktion

Das Landratsamt Cham hat Strafanzeige wegen eines Telefonmitschnitts erstattet, den eine tschechische Berufspendlerin von ihrem Beratungsgespräch mit einer Mitarbeiterin des Gesundheitsamts Cham gemacht hat. Der Mitschnitt war im Oktober erstellt worden, ohne dass die Mitarbeiterin darüber informiert wurde oder dem zugestimmt hat. Ein Telefonat unangekündigt mitzuschneiden, ist strafbar. Erschwerend kommt hinzu, dass der Mitschnitt über die Sozialen Medien verbreitet wurde.

Mitschnitt erweckt Eindruck falscher Beratung

Beim Anhören des Mitschnitts entsteht der Eindruck, das Gesundheitsamt hätte die Pendlerin, eine Zugehfrau aus Tschechien, eventuell falsch beraten. Die Zugehfrau hatte am Telefon nachgefragt, ob sie nach ihrem positiven Coronatest und nach Ende ihrer Quarantäne wieder zurück zur Arbeit nach Deutschland fahren darf. Die Gesundheitsamtsmitarbeiterin bejahte dies. Dazu müsse die Quarantäne aber abgelaufen sein, die Anruferin müsse außerdem symptomfrei, also völlig genesen sein, so die Mitarbeiterin in dem Telefonat.

Auch zum wöchentlichen Test, der für tschechische Berufspendler grundsätzlich Pflicht ist, müsse die Anruferin nicht mehr - vorausgesetzt, die Covid-19-Erkrankung ist überstanden.

Anruferin traute der Beratung nicht

Die Anruferin glaubte der Aussage nicht, fragte deshalb immer wieder nach. Die Mitarbeiterin des Gesundheitsamts erklärte ihr daraufhin, dass weitere Tests nach überstandener Krankheit keinen Sinn mehr machten. Denn wegen möglicherweise noch vorhandener Virenreste könnten die Tests noch wochenlang positiv ausfallen. Entscheidend sei aber, dass man nach überstandener Infektion nicht mehr ansteckend sei, so die Mitarbeiterin in dem Beratungsgespräch.

Landratsamt: Telefonberatung war korrekt

Das Landratsamt Cham hat sich hinter die Aussagen seiner Gesundheitsamtsmitarbeiterin gestellt. Die Mitarbeiterin habe korrekt nach den derzeit geltenden Empfehlungen Auskunft gegeben. Denn laut der Behörde geht das Robert-Koch-Institut davon aus, dass nach überstandener Erkrankung und nach der Quarantänezeit Ansteckungen extrem unwahrscheinlich sind.

Es sei aber möglich, "dass weiterhin kleine Virusmengen in Schleimhautzellen des Nasen-Rachenraums enthalten sind". Diese Virenreste könnten dann ein erneut positives Testergebnis ergeben. Dieser Zustand könne mehrere Wochen andauern. Die Ansteckungsgefahr sei aber trotzdem "extrem unwahrscheinlich."

Landkreis gegen Tests nach Ende der Quarantäne-Zeit

Tests nach der Quarantäne-Zeit durchzuführen, könne zu Fällen führen, wie man sie im Frühjahr hatte, so ein Sprecher des Landratsamtes. Damals seien Menschen, die genesen waren, wochenlang nicht aus ihrer Quarantäne herausgekommen, weil Tests immer wieder positiv anschlugen. Der Landkreis habe sich deshalb entschieden, dass Menschen, die positiv getestet wurden und an Covid-19 erkrankt waren, sich nach Ende der Krankheit und der Quarantäne auch nicht mehr testen lassen müssen.

Nach der Allgemeinverfügung des bayerischen Gesundheitsministeriums endet die Quarantäne für positiv getestete Personen bei asymptomatischem Krankheitsverlauf frühestens zehn Tage nach dem Erstnachweis des Erregers, also dem Tag des Abstrichs. Bei einem Krankheitsverlauf mit leichten Krankheitszeichen endet die Isolation frühestens nach zehn Tagen und Symptomfreiheit seit mindestens 48 Stunden. Über die Beendigung entscheidet aber im Einzelfall das Gesundheitsamt.

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