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Kommunalwahlen

Auch Vogelschützer für Windkraft und gegen Abstandsregel | BR24

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Der Bau neuer Windkrafträder ist in Bayern fast zum Erliegen gekommen. Ein Grund ist die 10H-Regel, vor sechs Jahren von der CSU-Regierung beschlossen. Jetzt ermuntern Regierungsparteien die Kommunen, ortsnahe Windräder per Beschluss zu ermöglichen.

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Auch Vogelschützer für Windkraft und gegen Abstandsregel

Während die Große Koalition in Berlin eine deutschlandweite Mindestabstandsregel für Windräder zu Siedlungen diskutiert, steht die besonders strenge bayerische Mindestabstandsregel weiter in der Kritik. Zum Beispiel vom Landesbund für Vogelschutz.

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Bayern braucht mehr Windkraft, sonst gelingt die Energiewende nicht – das ist die Position des Landesbund für Vogelschutz (LBV) und des Bund Naturschutz in Mehrheit. Die großen Umweltorganisationen in Bayern unterstützen die Windkraft und wenden sich gegen Beschränkungen.

Geeignete Standorte für Windräder finde man eben nicht per Mindestabstand, sondern durch andere Kriterien. Etwa, ob es sich um ein Brutgebiet seltener Vögel handelt. Man könne Windkraftanlagen weder pauschal als "Vogelschredder" diffamieren, noch als unschädlich für Vögel und Fledermäuse durchwinken, es komme eben auf den Standort an.

Vorranggebiete mit Berücksichtigung des Artenschutzes durch 10H-Regel passé

Bevor Bayern 2014 unter Horst Seehofer seine Sonderabstandsregel für Windräder eingeführt hat, war die Suche nach geeigneten Gebieten für die Windkraft in Bayern aus Sicht des LBV eigentlich gut geregelt. Die Regionalen Planungsverbände, in denen Kommunalpolitiker vertreten sind, wiesen Vorranggebiete für Windkraft aus und berücksichtigten dabei auch die Belange des Artenschutzes. 1,8 Prozent der bayerischen Landesfläche waren als prinzipiell windkraftgeeignet vorgesehen. Mit der 10H-Regel waren diese Vorrangflächen jedoch auf einen Schlag passé. Bei der 10H-Abstandsregelung müssen neue Windräder mindestens das Zehnfache ihrer Höhe von Häusern entfernt sein.

"Wir müssen ganz definitiv fordern, dass die 10H-Regelung gekippt wird in Bayern, damit wir wieder Möglichkeiten haben, die Windkraft auszubauen." Andreas von Lindeiner, LBV

Der Klimawandel sei eine gigantische Bedrohung auch für die Artenvielfalt, deswegen müsse die Energiewende gelingen, so der Standpunkt des LBV.

Neuer Naturschutzverband VLAB gilt Windkraftlobbyisten als "Klageverband"

Dass der Klimawandel gebremst werden muss, ist auch die Position des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz (VLAB). Allerdings lehnt man hier Windräder kategorisch ab. Der Verband wurde 2009 explizit gegen die Windkraft gegründet. Von Klima-Leugnern distanziert man sich aber.

Dass Windkraft-Lobbyisten den VLAB als "organisierten Klageverband" schmähen, stört den VLAB-Vorsitzenden Johannes Bradtka dagegen wenig: "Wir klagen nicht nur gegen Windräder. Wir klagen für unsere Vögel, für die Fledermäuse, für die Landschaft", sagt er.

Gegen Windkraft und für AKW-Laufzeitverlängerung

Früher war er mal aktiv im Bund Naturschutz, doch der habe seine Naturschutzaufgaben vernachlässigt und sich einseitig auf eine landschaftsverschandelnde Technologie festgelegt.

"Ich spreche ungern von Windpark. Weil Windpark, das ist verniedlichend. Es ist ein euphemistischer Begriff. Windindustriegebiet!" Johannes Bradtka, VLAB

Statt weiter Windräder zu bauen, will der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz VLAB lieber die Laufzeit der Atomkraftwerke verlängern. Die Kräfteverhältnisse sind jedoch eindeutig: der VLAB hat knapp 9.000 Mitglieder, der Landesbund für Vogelschutz fast zehn Mal so viele – und der Bund Naturschutz in Bayern mehr als 230.000.

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