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Auch Söder für Obergrenze bei Corona-Neuinfektionen | BR24

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Was bedeuten die Lockerungen für das alltägliche Leben der Bürgerinnen und Bürger in Bayern? Und: gibt es beim Thema Exit überhaupt noch eine einheitliche Strategie in der Bundesrepublik oder gehen die Bundesländer getrennte Wege?

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Auch Söder für Obergrenze bei Corona-Neuinfektionen

Im BR-Interview unterstützt Bayerns Ministerpräsident Söder den Vorschlag von Kanzlerin Merkel für eine Obergrenze bei Corona-Neuinfektionen. Ab einer bestimmten Zahl könnten strenge Maßnahmen wieder in Kraft treten.

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In der Diskussion um Lockerungen in der Corona-Krise hat sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in einem BR extra für einen vorsichtigen und besonnenen Weg ausgesprochen. Dabei unterstützt er Kanzlerin Angela Merkel, die sich für eine Obergrenze bei Neuinfektionen einsetzt, ab der wieder zu den bisherigen harten Maßnahmen zurückgekehrt werden soll.

"Ja, ich halte diese Idee für richtig", sagte Söder im Gespräch mit BR-Chefredakteur Christian Nitsche. So hätte man eine Art Kennzahl. Man brauche ein Gefühl dafür, wann gegebenenfalls wieder stärker eingegriffen werden muss. Regional könne man das gut umsetzen. Eine konkrete Zahl für eine Obergrenze nannte Söder jedoch nicht. "Darüber reden wir", so der Ministerpräsident.

Laut Söder wird das Robert Koch-Institut (RKI) eine Empfehlung erarbeiten, die voraussichtlich schon am morgigen Mittwoch bei der Ministerpräsidentenkonferenz besprochen werde.

Obergrenze für Neuinfektionen vorgeschlagen

Nach Informationen der "Bild" gibt es ein vertrauliches Konzept, das Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) mit den Ländern beraten habe. Demnach sollen Lockerungen zurückgenommen werden, wenn ein Landkreis innerhalb von sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner zu verzeichnen habe. Dieser Landkreis müsse dann zu den strengen Auflagen zurückkehren, die bis zum 20. April galten.

Bei 50 Infizierten sei die Nachvollziehbarkeit der Kontaktkette noch gegeben. In diesem Fall könne die Infektion nicht mehr so leicht entgleiten, machte Merkel in einer Sitzung der Unionsfraktion nach Angaben von Teilnehmern deutlich. Es dürfe laut der Kanzlerin jedenfalls nicht mehr geschehen, dass Infektionsketten nicht mehr nachvollzogen werden können.

  • Alle Informationen über das Coronavirus finden Sie hier.

Söder: "Haben den Test bestanden"

"Wir gehen den vorsichtigen Weg", bekräftigte der bayerische Ministerpräsident Söder im BR-Interview. Auf die Frage nach einer möglichen zweiten oder dritten Welle der Virusinfektion erklärte Söder, eine Tröpfcheninfektion könne man nicht ganz ausrotten. Corona bleibe präsent. Der Ministerpräsident fügte aber hinzu: "Wir haben das gut hinbekommen. Wir haben den Test bestanden". Söder lobte auch die Geduld in der Bevölkerung.

Bayern werde weiter "klug, nachhaltig und mit Auflagen agieren". Lebensfreude und Optimismus seien aber nicht zu vernachlässigen. Söder verwies darauf, dass es keine Ausgangs-, sondern nurmehr Kontaktbeschränkungen gebe. Feierlichkeiten im engsten Familienkreis sind der Neuregelung zufolge nun wieder erlaubt: "Aber nicht die klassische 50. Geburtstagsfeier mit 50, 100 Leuten." Der Ministerpräsident spricht dabei von der "Familie ersten Grades". Also Eltern, Kinder und Geschwister.

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Söder: Geburtstagsfeier im engsten Familienkreis erlaubt.

Mit der Öffnung von Freibädern, Wellness- und Saunaanlagen sowie beim grenzüberschreitenden Tourismus muss nach Ansicht von Söder noch gewartet werden. Da brauche es noch Konzepte. Alternativ schlug der Ministerpräsident einen Urlaub in Bayern vor, wo es wunderbare Erholungsmöglichkeiten gebe.

Söder fordert Zurückhaltung bei Manager-Boni

Mit Blick auf die Kaufzurückhaltung der Bürger forderte Söder mehr Anreize. Er verstehe die Vorsicht, so der Ministerpräsident. Die Menschen seien zu recht unsicher, wie es wirtschaftlich weitergehe. Er könne sich eine vorzeitige Abschaffung des Soli vorstellen.

Für die Autoindustrie wünsche er sich eine Technologieprämie, so Söder. Bayern habe sich da bereits eng mit Baden-Württemberg und Niedersachsen abgestimmt und ein Konzept für ein Prämienmodell erarbeitet. Unter anderem gehe es da um die Unterstützung ökologischer Fahrzeuge wie modernster Verbrenner, um Zuschüsse für andere Antriebe sowie um eine Recyclingidee. Man solle "da nicht weitermachen wie vorher", so Söder, und vor allem den Klimaschutz nicht ausklammern. Die Krise sei hier als Chance zu nutzen, zumal die Autobranche bereits im letzten Jahr Strukturprobleme gehabt habe.

Der Ministerpräsident sprach sich außerdem für Zurückhaltung bei den Manager-Boni aus. In Tarifverhandlungen würden für die Arbeitnehmer "keine gigantischen Sprünge" möglich sein. Ein "Gleichklang" bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern wäre seiner Meinung nach ein gutes Signal, erklärte Söder. Zurückhaltender war er bei den Dividenden. Die nicht auszuzahlen, treffe auch die Kleinaktionäre, gab er zu bedenken.

Söder sieht Kalou-Video als "Eigentor"

Auf die Frage nach möglichen Geisterspielen in der Fußball-Bundesliga kritisierte Söder das Video von Salomon Kalou (Hertha BSC), in dem sich die Spieler u.a. abklatschen, als "Eigentor". Morgen würde in der Ministerpräsidentenkonferenz auch über dieses Thema beraten. Theoretisch seien Geisterspiele natürlich möglich, aber dann müssten sich die Spieler auch an die Abstands- und Hygieneregeln halten. So gesehen sei das, was da passiert sei, "leider ein Rückschritt".

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Die Diskussion um Geisterspiele der Fußball-Bundesliga und der Fall Kalou: Ein "Eigentor" für den Fußball

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