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Keine Risikogruppe: Politiker im Kreis Donau-Ries schon geimpft | BR24

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Bildrechte: BR/ Judith Zacher

Der Donau-Rieser Landrat Stefan Rößle hat bereits eine Corona-Impfung bekommen - und dass, obwohl der Landrat nicht zur Priorisierungsgruppe 1 gehört.

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Keine Risikogruppe: Politiker im Kreis Donau-Ries schon geimpft

An der Impfpraxis im Landkreis Donau-Ries gab es Kritik von Ärzten, denn hier wurden übrige Impfdosen für Mitarbeiter im Donauwörther Krankenhaus verwendet. Jetzt kam heraus: Auch der Landrat und weitere Politiker haben ihre Impfung schon bekommen.

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Von
  • Tobias Hildebrandt
  • Beate Mangold

Menschen über 80 Jahre, Pflegeheimbewohner, Pflegepersonal und Ärzte – eigentlich ist klar, wer zur Priorisierungsgruppe 1 gehört, die nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission als Erste gegen das Coronavirus geimpft werden sollen. Doch was passiert, wenn Impfdosen übrig sind und zu verfallen drohen?

Landrat bestätigt Impfung

Der Landkreis Donau-Ries hat Anfang Januar die Entscheidung getroffen, mit diesen übrigen Impfdosen auch Küchenhilfen und Fachangestellte im Donauwörther Krankenhaus zu impfen, obwohl sie keiner priorisierten Gruppe angehören.

Nun kam heraus: Auch der Donau-Rieser Landrat Stefan Rößle (CSU) hat am 4. Januar von dieser Entscheidung profitiert und wurde geimpft. Das hat der Landrat dem Bayerischen Rundfunk bestätigt. Auch die stellvertretende Landrätin Claudia Marb (CSU) hat eine Impfung erhalten.

Landrat erhielt Anruf mit Impfangebot

Laut Landratsamt drohte der Impfstoff an jenem 4. Januar im Donauwörther Krankenhaus zu verfallen. Daraufhin hatte der Klinikdirektor Alexander Wild den Landrat angerufen und ihm eine Impfung angeboten. Da das Landratsamt an den Donau-Ries Kliniken, zu denen auch das Donauwörther Krankenhaus gehört, beteiligt ist, wurde der Landrat als Ansprechpartner kontaktiert.

Rößle entschuldigt sich für Impfung

Gegenüber dem BR sagte der Landrat, ihm tue es leid, dass er sich damals so entschieden habe. Allerdings sei die Situation am 4. Januar auch noch eine andere gewesen und die Menschen noch nicht so impfbereit. Er habe im Krankenhaus noch einer Sekretärin angeboten, sich an seiner Stelle impfen zu lassen, diese habe aber abgelehnt. Damals habe man auch noch nicht damit gerechnet, dass es kurze Zeit später zu einem Impfstoffmangel kommen könnte.

Zahlreiche Impfdosen drohten zu verfallen

Dass ausgerechnet am 4. Januar so viele Impfdosen im Landkreis Donau-Ries an Menschen gingen, die keiner Priorisierungsgruppe angehören, ist kein Zufall. Insgesamt 600 Dosen sind im Landkreis an diesem Tag verimpft worden. Der Impfstoff dafür war dem Landkreis an Silvester geliefert worden. Da der Impfstoff aber nur vier bis fünf Tage hält und zwischen den beiden Tagen ein Feiertag und ein Wochenende lagen, standen am 4. Januar viele Impfdosen kurz vor dem Verfall.

Ärztlicher Koordinator des Landkreises wurde nicht informiert

Man habe händeringend nach Menschen gesucht, die sich impfen lassen, heißt es vom Landkreis. Der ärztliche Koordinator des Landkreises, Allgemeinmediziner Sebastian Völkl aus Nördlingen, möchte die Sache zwar auf sich beruhen lassen, allerdings kann er sich nicht vorstellen, dass man keine weiteren Impfkandidaten habe finden können. Per Knopfdruck könne er an seinem Computer alle Patienten seiner Praxis sehen, die der ersten Priorisierungsgruppe angehören. Von diesen wäre sicher jemand zu erreichen gewesen. Völkl wurde an diesem Tag jedoch nicht kontaktiert.

Donauwörther Oberbürgermeister ebenfalls bereits geimpft

Der Donau-Rieser Landrat und seine Stellvertreterin sind nicht der einzigen Politiker des Landkreises, die bereits geimpft ist. Auch der parteilose Donauwörther Oberbürgermeister, Jürgen Sorré, wurde bereits geimpft, allerdings am 19. Januar im Donauwörther Impfzentrum. Auch damals drohte der Impfstoff zu verfallen, so Sorré. Er habe in die Impfung eingewilligt, unter der Voraussetzung, dass er niemand anders den Impfstoff wegnimmt. Heute würde er sich aber anders entscheiden, sagte der Donauwörther Oberbürgermeister gegenüber dem BR.

Unterschiedliche Handhabung übriger Impfdosen

Die Praxis des Landkreises hatte für Kritik bei einigen Hausärzten im Landkreis gesorgt. In anderen Landkreisen wird anders mit diesem Problem umgegangen. So werden zum Beispiel Listen mit Ersatzkandidaten, etwa Polizistinnen und Polizisten oder Feuerwehrleuten geführt, die angerufen werden, sobald Impfstoff übrig ist. Seit kurzem gibt es eine solche Liste auch im Landkreis Donau-Ries.

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