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Bildrechte: Armin Weigel/dpa

2020 gibt es weniger Borkenkäfer: Die Schäden in Bayerns Nadelwäldern sind erstmals seit Jahren zurückgegangen. Insbesondere im Bayerischen Wald. Grund sei die kühlere und regenreichere Witterung.

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Auch im Bayerischen Wald weniger Borkenkäfer

Die Schäden durch Borkenkäfer in Bayerns Nadelwäldern sind erstmals seit Jahren zurückgegangen. Das meldet die Bayerische Staatsforsten. Insbesondere im Bayerischen Wald. Grund sei die kühlere und regenreichere Witterung.

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Von
  • Renate Roßberger

Auch der Forstbetrieb Bodenmais (Lkr. Regen), zuständig für mehr als 17.000 Hektar Staatsforst im Bayerischen Wald zwischen Arbergebiet und Deggendorf, hatte heuer - entsprechend dem bayernweiten Trend - weniger Probleme mit Borkenkäferschäden.

Kühler und regenreicher als im übrigen Deutschland

Letztes Jahr hatte man dort fast 44.000 Festmeter Käferholz. Heuer sind es erst rund 30.000 Festmeter, also deutlich weniger. Das ist der momentane Stand. Forstamtschef Jürgen Völkl rechnet zwar damit, dass da bis zum Ende des Forstjahres noch etwas dazukommt, dass man aber insgesamt deutlich unter den Schäden der Vorjahre bleibt. Nach seiner Einschätzung werden die Schäden im Bayerischen Wald, wo es 2020 noch etwas kühler und regenreicher war als in vielen anderen Regionen, noch geringer ausfallen als im gesamtbayerischen Durchschnitt.

In ganz Bayern: 25 Prozent weniger Schadholz

Anfang der Woche hatten die bayerischen Staatsforsten einen Rückgang des Schadholzes durch Borkenkäfer um 25 Prozent in ganz Bayern gemeldet, von fast 1,15 Millionen Festmeter auf 848.000 Festmeter, mit dem Frankenwald als einziger Ausnahme. Als Grund wurde ebenfalls das diesjährige kühlere und feuchtere Wetter genannt. Dazu komme ein aufwendigeres Suchprogramm nach befallenen Bäumen und eine schnellere Aufarbeitung, also das raschere Fällen und Entfernen sogenannter Käferbäume aus dem Wald.

Mühsame Suche nach befallenen Bäumen

Die Förster und Waldarbeiter im Forstbetrieb Bodenmais haben eigenen Angaben zufolge heuer sogar erstmals mehr Stunden mit der Suche nach Käferbäumen verbracht - nämlich insgesamt fast 6.000 Stunden - als mit der eigentlichen Holzfällarbeit, auf die rund 5.500 Stunden entfallen sind. Die Suche nach Fichten, in die sich der Borkenkäfer eingebohrt und seine Eier gelegt hat, ist demnach mühsam. Sie muss zu Fuß erledigt werden.

Man geht den Wald auf den Rückewegen systematisch durch, erzählt zum Beispiel der Waldarbeiter Mario Hutterer, immer wieder quer zum Hang, und kontrolliert dabei den Zustand der Fichten. Befallene Bäume bekommen einen leichten Rot- oder Gelbstich, die Krone wird etwas lichter. Manchmal rieseln bereits Nadeln runter. Bei frischbefallenen Bäumen entdeckt man Bohrmehl am Stammfuß. Diese Fichten werden mit Farbspray markiert, der Standort in einen Handy-App eingetragen.

Befallen Bäume müssen rasch entfernt werden

Danach geht es darum, befallene Fichten schnellstmöglich zu fällen und aus dem Wald zu entfernen. Denn selbst aus gefällten Stämmen können die Larven, sobald sie sich zu fertigen Käfern entwickelt haben, ausfliegen und wieder neue Bäume für ihre Fortpflanzung anbohren. Am Fällen der Bäume führt kein Weg vorbei, denn sie würden auch so sterben, weil die Käferlarven die lebenswichtige Bastschicht unter der Rinde auffressen. Dann vertrocknet der Baum.

Noch kein Grund zur Entwarnung

Im Bayerischen Wald freut man sich über die Entspannung beim Thema Borkenkäfer. Denn in den letzten Trockenjahren konnte man fast nur noch Käferholz ernten, was zu einem enormen Preisverfall geführt hatte. Inzwischen ziehen die Holzpreise wieder leicht an. Aber gewonnen sei die Schlacht gegen den Borkenkäfer noch nicht, warnt zum Beispiel Forstamtschef Jürgen Völkl. Der Käfer sei ja nicht weg, sondern überwintere nur unter Baumrinden oder in der Bodenstreu.

Förster wünschen sich langen Winter und nasses Frühjahr

Im nächsten Jahr kommt es wieder stark auf das Wetter an, ob die Lage entspannt bleibt. "Wir wünschen uns einen langen Winter mit viel Schnee, ein nasses Frühjahr und einen Sommer, wo es immer wieder regnet und nicht zu heiß wird", sagt Jürgen Völkl. So ein Wetter macht die Fichten widerstandsfähiger gegen Insektenbefall. Kühle und Nässe schaden außerdem dem Borkenkäfer. Sollte es dagegen 2021 wieder zu heiß und zu trocken werden, können die Schäden schnell wieder nach oben klettern.

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Waldarbeiter Mario Hutterer beim Aufarbeiten von Holz im Bayerischen Wald

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Borkenkäferbekämpfung mit einer riechenden Drohne

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