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Aus Großbritannien sehen wir Bilder von leeren Supermarktregalen und leeren Tankstellen. Der Grund: Es fehlt an Lkw-Fahrern. Doch das könnte auch bei uns bald soweit sein. Denn in Deutschland fehlen schon an die 80.000 Fahrer - vor allem in Bayern.

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Bald leere Regale? Lkw-Fahrer dringend gesucht

Aus Großbritannien sehen wir Bilder von leeren Supermarktregalen und leeren Tankstellen. Der Grund: Es fehlt an Lkw-Fahrern. Doch das könnte auch bei uns bald soweit sein. Denn in Deutschland fehlen schon an die 80.000 Fahrer - vor allem in Bayern.

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Carina BauerCarina BauerBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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Leere Supermarktregale, leere Tankstellen – die Bilder aus Großbritannien haben uns in Deutschland staunen lassen. Aber ist der Brummifahrer-Mangel wirklich nur ein britisches Problem? Angesichts des Fachkräftemangels schätzen Fachleute, dass in Deutschland bald bis zu 80.000 Lkw-Fahrer fehlen. Schwierige Zeiten, denen die bayerischen Spediteure da entgegenblicken – da heißt es: kreativ werden.

Niedrige Löhne und schwierige Arbeitsbedingungen

Das spürt auch die Spedition Amenda im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm. Juniorchef Sebastian Amenda hat derzeit keine Lkw-Fahrer in der Hinterhand. Alles, was einen Führerschein hat und fahren kann, fährt, sagt er. Die Touren zu besetzen sei ein riesiger Kraftakt.

Der Mangel an Lkw-Fahrern liegt an den niedrigen Löhnen und den schwierigen Arbeitsbedingungen, sagt Seniorchefin Petra Amenda. Der Job des Lkw-Fahrers ist harte Arbeit, sagt auch einer der Fahrer aus der Ukraine. Man müsse im Lkw schlafen und die ständige Konzentration beim Fahren sei anstrengend. Das bestätigt ein anderer aus Polen und er bedauert, dass er und seine Kollegen ein schlechtes Image haben - und das obwohl mit dem Lkw alle Waren transportiert werden.

Hinzu kommt, dass viele Fahrer bald in Rente gehen. 20 Fahrer suchen die Amendas aktuell und locken Interessenten schon mal mit freier Tourenwahl. Denn der Markt ist seit Monaten leergefegt.

Lkw mit allen Extras als Lockvogel

Die Spedition Dischner in Weiding bei Cham hat dieselben Probleme. Weil Einheimische schon seit langem nicht mehr als Lkw-Fahrer arbeiten wollen, geht der Betrieb seit Jahren bevorzugt in Tschechien auf Fahrersuche. Doch auch dort muss er um neue Kräfte buhlen.

Geschäftsführer Josef Dischner kümmert sich intensiv um die Fahrer. Sie bekommen sehr moderne Fahrzeuge mit viel Technik und die Spedition erfüllt fast alle Ausstattungswünsche. Außerdem haben die Fahrer ein freies Wochenende bei der Familie - zwei Tage die Woche stehen die Lkws also still. Die Dischners haben zudem eigens einen Übersetzer angeheuert.

Die Fahrer dürfen mit dem Lkw sogar nach Hause fahren, sagt der andere Geschäftsführer, Wolfram Dischner. Sonst wären die meisten der Fahrer nicht mehr bei ihnen, glaubt er.

Boardinghaus für Lkw-Fahrer

Die Amendas im oberbayerischen Hohenwart (Lkr. Pfaffenhofen a.d. Ilm) haben sogar ein eigenes Boardinghaus für ihre Mitarbeiter aus Osteuropa gebaut. Denn die ausländischen Mitarbeiter mit geringen Deutschkenntnissen haben sich besonders schwer getan in der Gegend ein Zimmer zu finden.

Für die 40 Zimmer und Appartements verlangen sie maximal 380 Euro Miete. Statt die Ruhezeiten unkomfortabel im Lkw auf einem Parkplatz zu verbringen, kehren die Fahrer in der Regel täglich hierher zurück. Auch eine Küche zum Gemeinschaftskochen ist da - mit viel Platz für die mitgebrachten Vorräte aus der serbischen und rumänischen Heimat.

Spediteur: Nur höhere Löhne können helfen

Die Amendas haben sogar eigenes Betreuungspersonal für die oft schlecht deutsch sprechenden Fahrer - etwa wenn sie es um Behördenangelegenheiten oder Deutschkurse geht. Die Betreuerinnen und Betreuer helfen den Fahrern auch wenn ihre Frau mal einen Job sucht.

Wolfram Dischner von der Spedition Dischner in Weiding fürchtet, dass der Lkw-Fahrer-Mangel noch größer wird, und hofft, dass die Zeiten der Billigtransporte irgendwann vorbei sind. Denn wirklich helfen können nur bessere Löhne, glaubt er.

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Nicht nur in Großbritannien sucht man derzeit verzweifelt nach Lkw-Fahrern. Auch die Spedition Wormser aus Herzogenaurach klagt über fehlende Fahrer, denn es mangelt an Nachwuchs.

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