Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Auch auf dem Land werden Mietwohnungen knapp | BR24

© BR/Renate Roßberger

Mietwohnungen auf dem Land werden knapp

5
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Auch auf dem Land werden Mietwohnungen knapp

In den urbanen Ballungszentren Bayerns sind freie Wohnungen schon seit Jahren Mangelware. So manch verzweifelten Städter treibt die Not in dünner besiedelte Gegenden. Zu spüren ist dies selbst im Bayerischen Wald, wo die Mietwohnungen knapp werden.

5
Per Mail sharen
Teilen

Der Wohnungsmangel macht auch vor den ländlichen Gegenden nicht Halt: Zwar sind die Preise noch moderat im Gegensatz zu den astronomischen Preisen in manchen Großstädten, doch auf dem Land gibt es oft nur ganz wenige Wohnungen, die man überhaupt mieten kann. Und der Mangel nimmt zu.

Suche gestaltet sich schwieriger, als gedacht

Eva-Marie und Thomas Englmeier aus Geiersthal haben fünf Jahre in Deggendorf gewohnt, weil Thomas dort noch studiert. Jetzt haben die beiden eine kleine Tochter bekommen, wollten zurückziehen in den Bayerischen Wald: Doch die Suche nach einer geeigneten Wohnung gestaltete sich als schwierig. Dass es so schwierig wird, das hätte sich das Paar nicht gedacht.

Nachfrage nach Mietwohnungen ist hoch

Bei Hans Geiger, Bauamtsleiter im Rathaus von Drachselsried, liegt zum Beispiel nur eine dünne Liste mit freien Mietwohnungen in dem 2400-Seelen-Ort, oft sind es nur noch Ladenhüter. Die Nachfrage nach guten Wohnungen wäre viel größer: Meistens sind es junge Familien, aber auch Alleinstehende, die sich bei Geiger melden. Zwei bis dreimal pro Woche komme eine solche Anfrage vor. Es gibt zu wenige Wohnungen im ländlichen Raum, das sieht auch Drachselsrieds Bürgermeister Hans Hutter so. Er kennt auch den Hauptgrund dafür:

"Das Ziel eines jeden bei uns ist schon, dass er selber versucht, sich ein Haus zu bauen. Mietshäuser, wo gleich drei, vier oder noch mehr Wohnungen drin sind, die sind eigentlich eine Seltenheit. Wobei der Markt und die Nachfrage da wäre." Hans Hutter, Bürgermeister Drachselsried
© BR/Renate Roßberger

In dieses neue 6-Familien-Mietshaus zieht Familie Englmeier ein. Es war schon im Rohhbau komplett vermietet

Vermieten hat auf dem Land kaum Tradition

Aber Vermieten hat auf dem Land wenig Tradition. In Tourismusregionen wie dem Bayerischen Wald wird oft höchstens eine Ferienwohnung ins eigene Haus eingebaut. Josef Bauer hat seine Einliegerwohnung trotz guter Erfahrungen mit dem ersten Mieter, einem inzwischen verstorbenen Renter, auch in eine Gästewohnung umgewandelt. Ihm ist das Risiko zu hoch:

"Wenn ich junge Mieter kriege, dann ist vielleicht Radau. Man liest auch immer wieder von Mietmessies. Dieses Risiko wollte ich nicht eingehen. Deswegen gehe ich jetzt auf Ferienwohnung-Vermietung, da bin ich nach 14 Tagen die Gäste, die mir vielleicht nicht so passen, wieder los." Josef Bauer, Vermieter

Außerdem kann dann unkompliziert eines seiner erwachsenen Kinder einziehen, wenn nötig. Denn auch Baugrund wird vielerorts knapp. Die Stadt Viechtach zum Beispiel hat momentan gerade noch ein einziges Grundstück zu verkaufen. Auch dort fehlen bezahlbare und gute Mietwohnungen, sagt Bürgermeister Franz Wittmann:

"Die Nachfrage ist gestiegen, dadurch dass mehr Leute da sind. In Viechtach sind in den letzten Jahren ungefähr 600 neue Bürger dazugekommen. Sicher sind davon 150 anerkannte Flüchtlinge, aber ansonsten sind es auch viele Leute, die aus den Großstädten zurückkommen." Franz Wittmann, Bürgermeister Viechtach

Flucht vor überteuerten Mieten in den Ballungsräumen

Weil sie zum Beispiel vor den überteuerten Mieten in den Ballungsräumen flüchten. Hans Geiger baut deshalb momentan ein ganz neues Sechs-Familien-Mietshaus in Patersdorf und erlebte einen Ansturm: Bereits während der Bauphase seien Interessenten auf die Baustelle gekommen. Eine Woche lang stellte Geiger die Wohnungen ins Internet, löschte das Inserat aber schnell wieder. "Die Wohnungen waren sofort weg. Die Nachfrage war sehr stark", so Geiger.

Gute Arbeitsplätze auch auf dem Land

Eva-Marie und Thomas Englmeier werden jetzt im Juni einziehen. Thomas Englmeier hat eine Theorie, warum so wenig gebaut wird: "Die Leute bauen nichts, weil sie glauben, dass die Leute auf dem Land eh nichts suchen und in die Stadt wollen. Vielleicht ist es so eine Spirale, die man irgendwann mal durchbrechen müsste." Denn es gibt auf dem Land längst gute Arbeitsplätze. Eva-Marie arbeitet als Wirtschaftsinformatikerin in Gotteszell, Thomas will sich als Gesundheitsinformatiker auch hier was suchen.