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Atommüllendlagersuche geht weiter: Bedenken im Bayerischen Wald | BR24

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Von Freitag bis Sonntag findet die erste digitale Fachkonferenz zur Atommüll-Endlagerfrage statt, in der sich Bürger einbringen können. Mit dabei: die Bürgerinitiative gegen ein geplantes Atommüllendlager im Saldenburger Granit.

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Atommüllendlagersuche geht weiter: Bedenken im Bayerischen Wald

Nächster Schritt bei der Suche für einen Standort für das Atommüllendlager. Am Wochenende findet die erste digitale Fachkonferenz statt, in der sich Bürger einbringen können. Mit dabei: die Bürgerinitiative aus dem Bayerischen Wald.

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Von
  • Katharina Häringer
  • BR24 Redaktion

Wo soll der Atommüll endgültig gelagert werden? Bis zum Sonntag können Bürgerinnen und Bürger mitreden - bei einer digitalen Fachkonferenz. Mit dabei ist auch die Bürgerinitiative aus dem Bayerischen Wald. Sie übt schon vor Beginn der Tagung Kritik.

Kritikpunkt: Unübersichtlichkeit im Chat

Martin Behringer ist der Vorsitzende der Bürgerinitiative gegen ein geplantes Atommüllendlager im Saldenburger Granit. Er blickt skeptisch auf die Fachkonferenz: "Es sind mehr als 1.000 Leute angemeldet. Wie sollen die alle Fragen stellen können? Selbst wenn nur die Hälfte der Leute etwas in den Chat schreibt, wird es unübersichtlich. Das entspricht nicht der Transparenz, die in dem Verfahren versprochen wird". Er findet, das Bürgerbeteiligungsverfahren müsse gestoppt und erst dann wieder aufgenommen werden, wenn es die Pandemie erlaube.

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Martin Behringer, der Vorsitzende der Bürgerinitiative, vorm PC, mit dem er an der Fachkonferenz Teilgebiete teilnehmen wird

Zeitplan ist gesetzlich vorgeschrieben

Doch das ist nicht möglich, sagt Christoph Hamann vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE). Eine zeitnahe Auseinandersetzung der Bürger mit dem Erkenntnisstand der geologischen Suche sei gesetzlich vorgeschrieben. "Wir haben 1.600 Anmeldungen. Das zeigt: Interessierte fordern einen Austausch. Ihn zeitnah zu bekommen, ist ihr Recht. Wichtig ist, auf Augenhöhe zu kommunizieren. Das gewährleistet auch eine digitale Form der Auseinandersetzung", sagt Hamann. Gesetzlich ist auch geregelt, wie es weitergeht: In zehn Jahren muss der Standort feststehen, ab 2050 soll der Müll gelagert werden.

Hinweise werden bei weiterer Suche berücksichtigt

Das Besondere an der kommenden Fachkonferenz: Alle Teilnehmer können erstmals Kritik und Hinweise einbringen. Sie können argumentieren, warum ihre Region besonders gut oder schlecht für ein Atommüllendlager geeignet ist. All diese Hinweise muss die Bundesgesellschaft für Endlagerung im weiteren Verfahren berücksichtigen.

Wo wird künftig überirdisch geforscht?

Nach unterirdischen Gutachten kommen 54 Prozent des Bundesgebiets für ein Endlager in Frage. Experten sind schon dabei, überirdisch zu sondieren und Regionen auszuschließen nach Aspekten wie: Wo gibt es Naturschutzgebiete und welche Regionen sind dicht besiedelt. Auch die Ergebnisse der Fachkonferenz sollen mit einfließen bei der Frage: Welche Regionen werden künftig übertägig genau analysiert?

Bürger sind besorgt

Die 32 Jahre alte Ivonne Weinberger hat erst vor wenigen Jahren ein Haus in der Region gebaut. "Das wäre nichts mehr wert, sollte ein Endlager kommen", sagt sie. Michael Wolf, 65 Jahre alt, sorgt sich um den Tourismus: "Wir leben vom Tourismus. Wer will Urlaub machen in einer Region, in der Atommüll gelagert wird?"

Argument: Zerklüfteter Granit

Martin Behringer ist auch Bürgermeister der Gemeinde Thurmansbang (FWG). Er hat noch keine Tagung, keine Konferenz, keine Sprechstunde zu dem Thema verpasst. Die Bürgerinitiative aus dem Bayerischen Wald ist seit den 90er-Jahren aktiv. Sie verweist auf zwei alte Gutachten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Die stellte fest, dass die großflächigen Granitinseln im Bayerischen Wald porös und zerklüftet sind. Behringer will dieses Argument einbringen und hofft, dass er gehört wird. Ihm ist klar, dass sich keine Region freiwillig melden wird, "aber jetzt kämpft jeder für sich".

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Granit im Bayerischen Wald

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