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Atommüll: Tschechien sucht Endlager nahe der bayerischen Grenze | BR24

© pa/dpa/CTK Libor Zavoral

Noch wird der in Tschechien entstehende Atommüll im nordböhmischen Litomerice gelagert. Jetzt wird ein Standort für ein neues Endlager gesucht.

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    Atommüll: Tschechien sucht Endlager nahe der bayerischen Grenze

    Auch im Nachbarland Tschechien ist man auf der Suche nach einem neuen Endlager für Atommüll. Gleich mehrere mögliche Standorte liegen nahe der Grenze zu Niederbayern und der Oberpfalz.

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    Von
    • BR24 Redaktion

    Die Nachricht bekam Bürgermeister Petr Klasek vor Kurzem per E-Mail: Auf dem Gebiet seiner Gemeinde Chanovice im Südwesten Tschechiens könnte ein Atommüll-Endlager gebaut werden. Der "Birkenbach" getaufte Standort, nur knapp 125 Kilometer von Regensburg entfernt, ist neben drei weiteren in der engeren Auswahl.

    Granitsteinbruch gilt als geeignet

    Was die Gegend im Böhmerwald so besonders für die Endlagerbehörde Surao mit Sitz in Prag macht, liegt im Untergrund. Seit Jahrhunderten wird hier Granit abgebaut. Nur wenige Kilometer weiter ist ein Steinbruch noch aktiv in Betrieb. Tief im Gestein, mehr als 500 Meter unter der Erde, so die Überlegungen, könnten die hoch radioaktiven Abfälle aus den Atomkraftwerken Dukovany und Temelin für immer in Beton-Containern abgelegt werden.

    Baukosten: Vier Milliarden Euro

    Die Baukosten für die unterirdische Anlage werden auf mehr als vier Milliarden Euro geschätzt. Die endgültige Standortwahl soll bis 2025 erfolgen.

    Bürgermeister Klasek ist skeptisch: "Man redet davon, dass das Endlager für 100.000 Jahre betrieben werden soll - das ist im Rahmen der Menschheitsgeschichte eine unendlich lange Zeit", kritisiert der Kommunalpolitiker. Doch am meisten stört ihn, dass die betroffenen Gemeinden kein Mitspracherecht hätten. Man habe ihm von Anfang an gesagt: "Ihr werdet uns da nicht hineinreden."

    200 Kilometer bis Passau

    Neben dem Standort im Böhmerwald sind noch drei weitere im Rennen: Janoch befindet sich beim umstrittenen Atomkraftwerk Temelin in Südböhmen. Horka bei Trebic sowie Hradek bei Jihlava (Iglau) sind jeweils rund 200 Kilometer von Passau entfernt, aber umso näher an Österreich. Ob wegen der Grenznähe eine internationale Prüfung der Umweltverträglichkeit stattfinden wird, ist indes völlig offen.

    Prager Behörde verteidigt Vorauswahl

    Es sei in dieser Phase verfrüht, über die weiteren Schritte zu sprechen, teilt Surao-Abteilungsleiter Lukas Vondrovic auf Anfrage mit. Nach Darstellung des Geologen schneidet der Standort "Birkenbach", zu dem auch das Dorf Chanovice zählt, in allen Bewertungskriterien ausgewogen ab. Zum einen gebe es dort eine potenziell geeignete Gesteinsformation großen Ausmaßes, zum anderen fließe das Grundwasser hier mit geringer Geschwindigkeit.

    Bis zu 100 Tonnen Atommüll jährlich

    Vorwürfe, man gehe nicht auf die Sorgen der Menschen in den betroffenen Regionen ein, weist Vondrovic zurück. Gemeindevertreter könnten den Expertensitzungen beiwohnen. Man gebe mehrmals im Jahr ein Informationsblatt für die Anwohner heraus.

    Auf den Internetseiten der Behörde heißt es unter anderem, das Tiefenlager sei die sicherste Lösung. Demnach produzieren die tschechischen Atommeiler jährlich 80 bis 100 Tonnen an abgebrannten Brennelementen.

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